Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Neues zu SGLT-Hemmern und Kombinationstherapien – Präsentationen auf dem 51. Europäischen Diabeteskongress 2015 in Stockholm


Bochum, 12. Oktober 2015:

Neues zur SGLT-Inhibition

Vorgestellt wurde Sotagliflozin, ein dualer SGLT1- und SGLT2-Inhibitor  (LX4211, Lexicon Pharmaceuticals), welcher die Glucoseresorption im Gastrointeinstaltrakt via SGLT1-Rezeptoren und die Glucose-Rückresorption in der Niere via SGLT2-Rezeptoren hemmt. John B. Buse (USA) und Kollegen untersuchten diese Substanz in einer kleinen Phase II Studie interessanterweise bei Typ 1 Diabetikern als add-on Therapie zur bestehenden Insulintherapie (CSII oder ICT). 35 Typ 1 Diabetiker mit einem Ausgangs-HbA1C zwischen 7 und 9% wurden auf Sotagliflozin 400 mg (n = 18) versus Placebo (n = 17) randomisiert. Sotagliflozin führte über 39 Wochen zu einer HbA1C-Reduktion von 0,55 % (Placebo 0.06%, p = 0,002) und zu einer Gewichtsreduktion von 1,7 kg (Placebo 0,5 kg, p = 0,005). Die Rate an Hypoglykämien (Glukose <70 mg/dl) wurde nicht erhöht, auch der Blutdruck wurde nicht beeinflusst. Allerdings traten zwei Fälle einer diabetischen Ketoazidose auf (13%).  25 % der Patienten klagten über Nausea und 13 % über Erbrechen (1).

Auch der selektive SGLT-2-Inhibitor Empagliflozin (Jardiance®, Boehringer Ingelheim, Lilly) wurde bei Typ 1 Diabetikern im Rahmen der 4 Wochen Placebo-kontrollierten EASE-1-Studie untersucht. Es wurde auf Empagliflozin 2,5 mg (n = 19) versus 10 mg (n = 19) versus 25 mg (n = 19) versus Placebo (n = 19) randomisiert. Die Insulindosis musste für 1 Woche stabil gehalten werden, danach durfte justiert werden. Primärer Endpunkt war die Änderung der 24h – Harnglukoseausscheidung  (UGE, 24 h urinary glucose excretion) an Tag 7 verglichen mit dem Ausgangswert. Erwartungsgemäß führte Empagliflozin zu einer signifikanten Erhöhung der UGE an den Tagen 7 und 28. An Tag 28 fand sich eine HbA1C-Reduktion von 0,53%, 0,54% und 0,67% unter den drei Dosierungen (versus 0,18 % unter Placebo). Entsprechend konnte auch die Insulindosis reduziert werden und es resultierte eine verminderte Plasma-Nüchternglucose. Nur 1 Patient wies eine Harnwegsinfektion auf; in dieser kleinen Studie wurden hingegen keine genitalen Infektionen beschrieben.

Die Empa-Reg-Outcome-Studie mit Empagliflozin zeigte eine verminderte kardiovaskuläre und Gesamt-Mortalität sowie Hospitalisierungsrate unter Empagliflozin (siehe Lit. 2, einen separaten  DGE-Blogbeitrag vom 18. 9. 2015).

Kombinationstherapien

Kombination aus Insulin und GLP1-Analoga:

– LixiLan

In der LixiLan PoC Studie wurde LixiLan (Insulin Glargin + Lixisenatide in einem Pen kombiniert, Sanofi) versus nur Insulin Glargin über 24 Wochen bei Typ 2 – Diabetikern getestet, die unter Metformin unzureichend kontrolliert waren (Insulin- naive Patienten). Es resultierte eine HbA1C-Absenkung vom Ausgangswert von  8% auf 6,3% unter LixiLan  und auf 6,5% unter Glargin, p = 0,01.  Das Körpergewicht nahm unter LixiLan ab, nicht jedoch bei alleiniger Glargin Gabe (p<0.0001).

Zu Übelkeit kam es in 7,5% und zu Erbrechen in 2,5% der Patienten unter LixiLan. Die Hypoglykämierate war in beiden Gruppen vergleichbar (22% versus 23 %), schwere Hypoglykämien traten nicht auf.

IdegLira

In der multizentrischen offenen zweiarmigen DUAL-V-Studie wurden Effektivität und Sicherheit von Insulin Degludec plus Liraglutid (Fixkombination IdegLira) versus Insulin Glargin U100 (Dosisoptimierung) über 26 Wochen bei Typ 2 Diabetikern untersucht, welche unter Metformin plus Insulin Glargin unzureichend eingestellt waren („BOT-Versager“). Der  mittlere Ausgangs-HbA1C betrug 8,4%. Unter IdegLira zeigte sich im Vergleich zur alleinigen Glargin-Dosistitration eine bessere HbA1C-Senkung (1,8 % versus 1,1 %), eine niedrigere Hypoglykämierate (2,2 versus 5 pro Patientenjahr), ein besseres Gewichtsprofil (- 1,4 kg versus + 1,8 kg), jedoch erwartungsgemäß häufiger gastrointestinale Nebenwirkungen (Präsentation M. Kellerer, 18.9.15).

Pro und Contra-Debatte über  initiale Kombinationstherapie:

In einer interessanten Debatte zwischen de Fronzo (pro) und Pieber (contra) wurde erörtert, ob Diabetes Patienten besser mit möglichst frühzeitiger Polypharmazie behandelt werden sollten oder vorzugsweise mit wenigen Medikamenten.

De Fronzo argumentierte, dass aufgrund verschiedener pathophysiologischer Defekte Medikamente mit verschiedenen Wirkmechanismen günstig seien, um möglichst frühzeitig dem Betazellverlust entgegenzusteuern. Plakativ warb er dafür „den Patienten und nicht nur seinen Zucker“ zu therapieren. Er schlug als Beispiel die Kombination von Metformin oder Piogliazon plus SGLT2- Hemmer plus DPP IV – Hemmer oder GLP 1 vor.

Thomas Pieper aus Graz führte eine enthusiastische contra – Debatte, in der er immer wieder auf folgende drei Punkte kam: „1. Eine strikte glykämische Kontrolle hat nur wenig Einfluss auf das kardiovaskuläre outcome bei Diabetes Patienten, 2. alle neuen Antidiabetika haben das kardiovaskluäre outcome bei Diabetes-Patienten nicht verbessert, 3. Polypharmazie bei Diabetikern ist gefährlich.“

Dr. med. Ulrike Schatz, Dresden

Literatur

(1) John B Buse and colleagues: Sotagliflozin, a dual SGLT1 and SGLT2 inhibitor improves glycemic control in type 1 diabetes mellitus in a randomized, plazebo-controlled double blind study.
EASD 2015 Abstract Volume, Abstr. No. 182

(2) Helmut Schatz, Bochum: Empagliflozin (Jardiance®), ein SGLT2-Hemmer, verringert signifikant kardiovaskuläre Ereignisse bei Hochrisiko-Typ-2 Diabetes-Patienten.
DGE-Blogbeitrag vom 18.9.2015

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Publiziert am von Dr. Ulrike Schatz
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