Ein jahrzehntealtes Wirkprinzip in heute verbesserter Form
Bochum, 10. April 2026:
Im New Engl. J. Med. vom 25. März 2026 (1) findet sich ein Artikel über die transdermale Östradiolzufuhr (tE2) im Vergleich zur Applikation von Luteinizing Hormone-Releasing Hormone (LH-RH) Rezeptor- Agonisten zur Testosteronsuppression bei Patienten mit Prostatakarzinom.
Methodik: In Großbritannien erfolgte eine randomisierte Phase 3 -Studie über Noninferiorität an Männern mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom (M0 und N0 oder N+). Die Patienten erhielten entweder tE2 (100 µg Östradiol alle 24 h) oder LH-RH-Agonisten. Primäres Outcome war metastasenfreies Überleben nach 3 Jahren, das sekundäre Outcome schloss Kastrationsspiegel von Testosteron <1.7 nmol/l, Gesamtüberleben und Sicherheitsparameter ein.
Ergebnisse (aus Lit.1.): blau, dick: Östradiol, schwarz strichl.: LHRH-Agonisten

Man sieht, dass für das metastasenfreie (oben, A) und das Gesamt-Überleben (B, unten) Östradiol-Pflaster der Behandlung mit LH-RH-Rezeptor-Agonisten keineswegs unterlegen war.
Diskussion
Der Referent (H.S.) erinnert sich noch gut aus seiner Jugendzeit in den 1950-er Jahren, dass ein älterer Verwandter von ihm in Graz wegen eines Prostatakarzinoms unter Injektionen mit einem Stilben-Derivat noch weit über ein Jahrzehnt beschwerdefrei gelebt hatte, nur eine Gynäkomastie war aufgetreten.
Helmut Schatz
Literatur
(1) Ruth E. Langley et al.: Transdermal Estradiol Patches in Locally Advanced Prostate Cancer.
New Engl. J. Med., March 25, 2026. DOI: 10.1056/NEJMoa2511781
Prof. Burkhard Ubrig, Chefarzt der Klinik für Urologie, Augusta-Kliniken Bochum: Lieber Helmut, vielen Dank für diese tolle Info. Das sind wirklich interessante Entwicklungen. Es ist auf Grund der gleichwertigen Testosteronsuppression auch von einer gleichwertigen Wirkung auzugehen. Ich würde daher derzeit auch von einer gleichwertigen Wirksamkeit über die 3 Jahre hinaus ausgehen. Interessant in diesem Zusammenhang sind ja vor allem neben den Wirkungen die Nebenwirkungen der Therapie. Hier ergeben sich ja aus meinem Verständnis zwar Nachteile hinsichtlich eines häufigen Auftretens von Gynäkomastie, jedoch Vorteile hinsuchtlich kardialer (Myokardinfarkt) und ossärer Nebenwirkungen (Osteoporose) für transdermales Östrogen gegenüber LHRH-Agonisten.