Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Orales GLP-1-Analog Semaglutid senkt HbA1c und Gewicht bei Typ-2-Diabetes: Phase III-Studie „PIONEER-1“ auf dem Amerikanischen Diabeteskongress 2018 präsentiert.


Bochum, 3. Juli 2018:

Am 25. Juni 2018 wurden auf dem ADA-Kongress in Orlando als Late Breaking Poster die Ergebnisse der PIONEER-1-Studie an ~700 Typ-2-Diabetespatienten über 26 Wochen vorgestellt (1). Alle drei geprüften Dosen von oralem Semaglutid (3,7 oder 14 mg, 1x täglich) senkten signifikant das HbA1c, am stärksten 14 mg um 1.5% (um 0.1% bei Plazebo). Die Gewichtsabnahme hatte am Ende der Studie noch kein Plateau erreicht. Sie war mit der 14 mg-Dosis signifikant und betrug 4.3 kg (bei Plazebo 1.6 kg). Die Hauptprobleme bei den unerwünschten Nebenwirkungen waren gastrointestinaler Art  wie Nausea, unter der höchsten Semaglutid-Dosis bei 16% (6% bei Plazebo).

Kommentar

Über Semaglutid wurde im DGE-Blog bereits mehrfach berichtet, zuletzt am 2. März 2018 unter dem aus der Finanzwelt stammenden Titel: „Paukenschlag folgt auf Paukenschlag“ (2).

Dass es gelungen ist, ein Peptid zur oralen Anwendung zu bringen, ist erfreulich. Allerdings ist dafür eine etwa 10x höheren Dosis nötig.  Damit dürfte der Preis wohl auch deutlich höher ausfallen als der für die injizierbare Form. Die Ergebnisse mit täglich 3 bis14 mg Semaglutid (Ozempic™) sind vergleichbar mit den täglichen 0.1 bis 1 mg – Dosen bei s.c.Injektion dieses GLP-1 – Analogs.

Andere Studienprogramme liefen 52 Wochen. Ein Vergleich mit Empagliflozin in  PIONEER-2 zeigte für Semaglutid einen größeren Gewichtsverlust. PIONEER-4 verglich orales Semaglutid mit 1.8 mg Liraglutid und Plazebo,  PIONEER-7 mit 100 mg Sitagliptin.  In diesen beiden Vergleichsuntersuchungen war der Gewichtsverlust unter oralem Semaglutid ebenfalls höher.

Wie schon im letzten Blogbeitrag über Semaglutid erwähnt (2), ist es auch Ziel, ein orales Medikament zur Gewichtsreduktion auch Adipösen ohne Diabetes auf den Markt zu bringen. Da bei diesen keine diabetische Retinopathie vorliegt, entfällt dann auch der Vorbehalt der in der SUSTAIN-6-Studie bei Diabetespatienten gesehenen Verschlechterung einer vorbestehenden Retinopathie (3), wenn dies auch durch zwischenzeitliche Subanalysen weitgehend entkräftet sein dürfte. Ozempic™ als orales Semaglutid 1x täglich würde dann zum GLP-1-Analog der gleichen Firma Novo Nordisk,  zu Saxenda® (3 mg Liraglutid, 1x wöchentlich s.c., ) in Wettbewerb treten. Ozempic wird vermutlich auch auf Dauer genommen werden müssen, es sei denn, der Adipöse hat seinen Lebensstil in der Phase der Therapie so grundlegend ändern können, dass das reduzierte Gewicht gehalten wird. Eine Wiederzunahme des Gewichts nach Absetzen der Therapie  war zumindest bei Saxenda beobachtet worden.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Vanita Aroda et al.: ADA-Kongress 2018 in Orlando. Abstract 2-LB

(2) Helmut Sachatz: Semaglutid von Novo Nordisk: ”Paukenschlag folgt auf Paukenschlag“ : Neue Daten über das GLP-1-Analog – und wie diese von der Finanzwelt gesehen werden.
DGE-Blogbeitrag vom 2. März 2018

(3) Helmut Schatz: Semaglutid, ein GLP-1-Agonist, vom Beratergremium der Amerikanischen Arzneibehörde (FDA) zur Zulassung empfohlen, trotz Retinopathie-Bedenken. Orales Semaglutid in Phase II. Semaglutid auch bei Obesitas?
DGE-Blogbeitrag vom 2. November 2017

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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