Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Osteoporosetherapie mit Bisphosphonaten länger als 5 Jahre verhindert Knochenbrüche nur noch bei ausgewählten Patienten


Bisher war es eine offene Frage, ob Bisphosphonate wie z.B. Alendronsäure (Fosamax® und andere), Zoledronsäure (Zometa®) und Risendronat (Actonel®) in der Osteoporosetherapie nach mehreren Jahren noch Knochenbrüche verhindern können. Dies erscheint auch wichtig angesichts der Möglichkeit zwar seltener, aber schwerer Nebenwirkungen wie atypischer Oberschenkelbrüche, Kiefernekrosen und Speiseröhrenkrebs. Im New England Journal of Medicine, online am 9. Mai 2012, berichten Dr. Marcea Whitacker und Mitarbeiter (1) von der Amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) über die Auswertung von 3 Langzeitstudien nach 6–10 Jahren Bisphosphonatbehandlung bei postmenopausalen Frauen mit initialen Knochenbrüchen, erniedrigter Knochendichte oder beidem: FLEX-Studie mit Alendronat, HORIZONPFT mit Zoledronsäure (1x jährlich) und. VERT-MN mit Risedronat. In allen drei Studien fanden sich nach 5 Jahren weniger Knochenbrüche unter der aktiven Therapie. Wurde nach 6 Jahren in der FLEX-Studie entweder Alendronsäure gegeben oder ein Scheinmedikament, bestand bei den Knochenbrüchen kein Unterschied mehr (17,7% bzw. 16,9%). Lediglich bestimmte Untergruppen profitierten noch von der lange laufenden Alendronsäure-Behandlung. Wurden alle 3 Studien zusammen ausgewertet, ergab sich für eine länger als 6-jährige Behandlung kein Nutzen mehr In einem Begleitkommentar von Dennis M.Black (2) werden für die Bisphosphonate weitere Untergruppen von Patienten herausgearbeitet, für die eine längere Behandlung von Nutzen sein könnte oder nicht. Er wies auch auf mögliche Unterschiede zwischen den Bisphosphonaten hin.

In Deutschland beginnt eben an 70 Zentren die BILANZ-Studie, die unter der Leitung von Prof. Johannes Pfeilschifter, Essen, an 7000 Patienten der schon alten Frage nachgeht, ob nach mehrjähriger Alendronatbehandlung eine zweijährige Medikamentenpause, also eine Intervalltherapie, einen besseren Schutz vor Knochenbrüchen bietet als die fortlaufende Dauertherapie (3).

Literatur:

(1) M Withaker et al, New Engl J Med, online May 9, 2012
(2) DM Black, New Engl J Med, online May 9, 2012-05-16
(3) Inga Steinbach: Wie sicher ist die Langzeittherapie der Osteoporose? BILANZ-Studie im April 2012 bundesweit gestartet. Pressemitteilung des Osteologischen Forschungszentrums Essen.
Email: bilanz-studie@osteo-fz.de

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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