Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Phäochromozytome: „Fabulous, Fascinating, and First (in everything)!”


Bochum, 29. Juli 2019:

Diese Überschrift für sein Editorial zu einer speziellen Ausgabe über Phäochromozytome in Hormone and Metabolic Research wählte als Guest Editor Constantine A. Stratakis vom NIH in Bethesda (1). Für uns hier mag die Formulierung etwas ungewohnt und nicht unbedingt wissenschaftlich klingen, sie stammt aber immerhin von einem der weltweit führenden Forscher auf diesem Gebiet, nach welchem auch das Carney-Stratakis-Syndrom benannt ist. In diesem Juli 2019 – Heft werden Histologie und Genetik, diagnostische Maßnahmen bei Succinatdehydrogenase-Defekten, die Assoziation von Phäochromozytomen und Paragangliomen mit Hypophysentumoren, Paragangliome beim Carney-Stratakis-Syndrom, Metabolomics, Prognostische Faktoren bei malignen Phäochromozytomen und  Paragagliomen, Katecholamininduzierte Kardiomyopathien bei Phäochromozytomen und das individualisierte chirurgische Vorgehen (precision surgery) besprochen.

Hier soll nur ein kurzer Einblick in das 1. Kapitel gebracht werden, ein Update über die Histologie von Phäochromozytomen im Zusammenhang mit genetischen Befunden (2). Diese seltenen neuroendokrinen Tumore weisen eine hohe Rate an Keimbahnmutationen in vielen Genen auf, in bis zu 35-40%, welche häufig auch für andere Tumore prädisponieren. Das vorliegende Update beschränkt sich nur auf die Phäochromoytome, mit besonderer Berücksichtigung makro- und mikroskopischer Schlüsselbefunde für die Genetik, einschließlich der Rolle der Immunhistochemie für die Succinatdehydrogenase-Subeinheiten A und B als Surrogatmarker für die genetische Analyse von Genmutationen für diese Untereinheiten. Das Update behandelt die Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2, das von Hippel-Lindau – Syndrom,  die Neurofibromatose 1, Tumoren mit Bezug auf Gene des Succinatdehydrogenase – Enzyms, die Fumarat-Hydratase, die Prolyl- Hydroxylase 1 und 2, den Hypoxie-induziebaren Faktor 2 Alpha,  das Kinesin-Family Member 1B, und die kürzlich identifizierten PCC/PGL – Gene.

Die Autoren schlussfolgern, dass durch whole exome oder whole genome sequencing alle für Phäochromozytome und Paragangliome wichtigen Gene gleichzeitig analysiert werden können und eine schrittweise Bestimmung auf Basis  klinischer oder pathologischer Befunde wahrscheinlich bald obsolet sein wird. Die Immunhistochemie jedoch wird weiterhin eine wichtige, zusätzliche Rolle zur Erfassung genetischer Varianten unklarer Signifikanz behalten.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Constantine A. Stratakis: Pheochromocytomes: Fabulous, Fascinating, and First (in everything)!
Editorial. Horm. Metab. Res. 2019. 51: 401-402

(2) Lindsey Oudijk et al.: An Update on the Histology of Pheochromocytomas: How Does it Relate to Genetics?
Horm. Metab. Res. 2019. 51: 403-415

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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