Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Pioglitazon mit Exzess-Risiko für Blasenkrebs assoziiert


Im DGE-Blog-Beitrag vom 21. Mai 2012 wurde über Herzinsuffizienz unter Pioglitazon (PIO) berichtet (1): Die Firma Takeda wurde von einer ehemaligen Mitarbeiterin beschuldigt, nicht nur schwere Fälle von Herzinsuffizienz, sondern auch Krebs nicht an die FDA gemeldet zu haben. Schon 2011 hatte die FDA veranlasst, dass in den Beipackzettel von PIO ein Hinweis auf Blasenkrebs aufgenommen wurde. Inzwischen wurde auf Grund einer Studie in Frankreich (2) PIO dort vom Markt genommen. Eine firmeneigenen Analyse und Berichte aus Grossbritannien bestätigten diese Befunde.

Jetzt erschien am 7. August 2012 ein Bericht über 116 000 neu auf orale Antidiabetika eingestellte Typ-2-Diabetespatienten, die im Mittel 4.6 Jahre nachbeobachtet wurden (3). Darunter wurde bei 470 Patienten ein Harnblasenkarzinom diagnostiziert. Jeder dieser Patienten wurde mit 20 (!) Kontrollpatienten verglichen. PIO-Verwender hatten ein um 83% signifikant höheres Blasenkarzinomrisiko als Patienten unter anderen oralen Antidiabetika. Die Krebsrate stieg kontinuierlich mit der Anwendungsdauer. Sie war am höchsten bei PIO-Verwendung von >2 Jahren und wenn die kumulative Dosis von 28 000 mg überschritten wurde.
Unter Rosiglitazon wurde kein Exzess-Risiko für Blasenkarzinome beobachtet.

Kommentar: Angesichts der Warnung der FDA und der hier vorgestellten neuen Befunde über PIO sollten Ärzte und Patienten sorfältig Nutzen und Risiko eines Einsatzes von PIO gegeneinander aufwiegen. Im DGE-Blog-Beitrag vom 21. Mai 2012 wurde angeführt, dass der Verdacht bestünde, Takeda habe die Daten über schwere Herzinsuffizienzen unterdrückt, damit PIO gegenüber Rosiglitazon besser positioniert werden könne. In der jetzt berichteten Studie wurde wiederum ein Vorteil für Rosiglitazon gegenüber PIO gesehen. Man darf gespannt die weitere Entwicklung bei den Thiazolidindionen abwarten. Bei schwerer Insulinresistenz ist ihr Effekt auf den Blutzucker eindrucksvoll. In der Breite wurde ihnen mittlerweile ihr ehemaliger Rang von den DPP-4-Hemmern/Gliptinen abgelaufen. Auch hier wird man aber noch einige Jahre abwarten müssen, bis man das volle Spektrum möglicher – hoffentlich nicht auftretender – Nebenwirkungen wird überblicken können.

Literatur:
(1) Helmut Schatz: Herzinsuffizienz unter Pioglitazon (Actos®) von Takeda verschleiert?
DGE-Blog-Beitrag vom 21. Mai 2012.
(2) A.Neumann et al., Diabetologia 2012. March 31, Epub ahead of print
(3) PS Mueller: Pioglitazone is associated with excess risk of bladder cancer. 7. August 2012. Journal Watch © 2012 Massachusetts Medical Society

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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