Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Plötzlicher Herztod beim Geschlechtsverkehr: Wie häufig?


Bochum, 21.1.2022

Im 12. Januar erschien im JAMA Cardiology (1) die Auswertung britischer Ärzte einer Kohorte von 6847 Patienten, die vom 1. Januar 1994 – 31. August 2020 an plötzlichem Herztod verstorben waren und am Zentrum für Herzpathologie  der St. George´s University London obduziert wurden. Der Herztod war bei 17 Personen (0.2%)  im Zusammenhang mit sexuellen Aktivitäten aufgetreten.

Ein plötzlicher Herztod (sudden cardiac death , SCD) wurde diagnostiziert, wenn es – bei Menschen mit Wohlbefinden innerhalb von 12 Stunden – bei oder nach  Geschlechtsverkehr zum Tod gekommen war. Dies ereignete sich bei 11 Männern und 6 Frauen. Das mittleres Alter lag bei 38 Jahren.  Bei 4 der 17 Personen war eine Herzerkrankung vorbekannt, bei 9 erwies sich bei der Obduktion das Myokard als unauffällig. Somit dürfte wohl eine plötzliche Rhythmusstörung die Todesursache gewesen sein. 2x stellte man eine Aortendissektion als Todesursache fest, je 1x fand man eine hypertrophe Kardiomyopathie, eine ischämische Herzkrankheit, eine arrhythmogene Kardiomyopathie, eine idiopathische linksventrikuläre Hypertrophie, eine idiopathische Fibrose und ein Prolaps der Mitralklappe. 2x konnte keine Herzerkrankung gefunden werden.

Im Unterschied zu plötzlichem Herztod sind im Zusammenhang mit einem Geschlechtsverkehr Subarachnoidalblutungen (SAB) nach Aneurysma-Rupturen wesentlich häufiger. Sehr anstrengende körperliche Tätigkeit führt, wie in der Neurochirurgie gut bekannt, häufig zu SAB´s. Sex soll bei 14.5 % aller SAB´s die Ursache sein, wie  die Notfallmedizinerin Carmen Pfortmüller  aus Bern berichtete (2). Frau Pfortmüller beschäftigt sich schon jahrelang mit notfallmedizinischen Aspekten des Sexuallebens (3).

Die Autoren der britischen Studie (1) folgern aus ihrem Befund von nur 0.2% plötzlichen Herztodesfällen beim Geschlechtsverkehr, dass „sexuelle Aktivitäten auch bei einer kardialen Erkrankung recht sicher“ seien, insbesondere bei jüngeren Patienten.

Helmut Schatz

Literatur

1.) Gherardo Finocchiaro et al.: Association of Sexual Intercourse With Sudden Cardiac Death in Young Individuals in the United Kingdom.
JAMA Cardiol. Published online January 12, 2022. doi:10.1001/jamacardio.2021.5532

2.) Robert Bublak: Erotische Notfälle: Wenn das Lustspiel in einer Tragödie endet.
In: ÄrzteZeitung, 17.2.2016

3.) Carmen Pfortmüller et al.: Emerg Med J 2013. 30:843

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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