Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Postpartale Depressionen auch bei Männern


DISKUSSIONSFORUM

Graz, 25. August 2025

Die postpartale Depression bei Frauen ist allgemein bekannt und wurde vielfach untersucht. Auch bei Vätern können aber nach der Geburt Depressionen autreten, über die in den letzten Jahren zwar zunehmend berichtet wird, die aber wissenschaftlich nur wenig erforscht wurden.
Nun gibt am 05.08.2025 die AOK Hessen eine Pressemitteilung heraus, aus der im DGE-Blog auszugsweise berichtet werden soll.

Nicht nur Mütter, auch Väter können nach der Geburt eines Kindes in eine Depression rutschen. Bei Vätern ist die sogenannte postpartale Depression weniger erforscht, kann aber die Partnerbeziehung und die Bindung zum Kind negativ beeinflussen. Frühzeitig Hilfe zu suchen ist daher wichtig.

Schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Väter könnten darunter leiden. Meist treten die Symptome zwischen dem dritten und sechsten Monat nach der Geburt auf, somit zeitversetzt zu einer postpartalen Depression bei den Müttern. Als Auslöser werden Schlafmangel, Stress oder Probleme in der Partnerschaft durch die neue Familiensituation genannt. Risikofaktoren dafür sind eine frühere Depression des Mannes oder finanzielle Sorgen. Es können auch Unsicherheiten und Erschöpfung im Umgang mit dem Säugling, aber auch Eifersucht auf das Verhältnis Mutter-Kind geben. Einer der größten Risikofaktoren für eine Erkrankung des Vaters scheint jedoch zu sein, wenn die Mutter an einer postpartalen Depression leidet und die familiäre Situation belastet ist. Meist ist eine postpartale Depression bei Vätern nicht so stark ausgeprägt wie bei Müttern. Ein offenes Gespräch mit der Partnerin, Familie oder Freunden sollte ein erster Schritt sein, die Gefühle zu verarbeiten, sich nicht allein zu fühlen und Unterstützung für die junge Familie zu finden. Wenn dies nicht ausreicht, sollten sich Betroffene professionelle ärztliche oder psychologische Hilfe holen. Eine frühzeitige Behandlung trägt bei, die negativen Effekte auf die Familie zu mindern und die Bindung zum Kind zu stärken. Hilfreich kann es zum Beispiel sein, einen Entlastungsplan für die Familie zu entwickeln oder sich mehr Unterstützung von außen zu holen. Bei einer Therapie sollte die gesamte Familie miteinbezogen werden.

Kommentar:

Das Thema der postpartalen Depression beim Mann kam in einem Gespräch im Urlaub auf, das der Referent (H.S.) mit einer befreundeten Familie führte, in der ein jüngerer Vater Zwillinge bekam und viel Stress zu erleiden hatte, zumal seine Frau ihrem Beruf nachging und er durch die Babybetreuung auch nachts stark gefordert war. Da der Referent mit der postpartalen Depression von Vätern – im Unterschied zu der von Müttern – kaum Erfahrungen hatte dachte er, die Leserschaft der DGE-Blogs könnte dies auch interessieren. Bitte geben Sie Ihre Meinung und ihre eigenen Erkenntnisse darüber bekannt.

Helmut Schatz

Posted on by Prof. Jochen Seufert
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2 Responses to Postpartale Depressionen auch bei Männern

  1. Eva-Maria says:

    Eine postpartale Depression von Frauen ist mir wohlbekannt. Dass auch Väter nach der Geburt eines Kindes Depressionen bekommen können, habe ich noch nie gehört.

  2. Helmut Schatz says:

    Friedrich Schulig:
    Mich wundert, dass die postnatale Depression von Vätern in der breiten Öffentlichkeit noch keinen höheren Bekanntheitsgrad erlangt hat, trotz mannigfaltiger Berichte in den Medien. Die Paartherapeutin Anna Holfeld schreibt zu den möglichen Ursachen in der heutigen Westdeutschen Allgemein Zeitung (WAZ):
    „Das Kind rückt in den Mittelpunkt. Die Paarbeziehung verschwindet in den Hiontergrund….Meist ist es die Mutter, die sich in der neuen Rolle verliert und kaum noch Anschluss an den Partner findet…. ..Nähe und Intimität wird zum Luxux, den der Alltag nicht mehr vorsieht“.
    Ich selbst meine auch, dass Väter über eine depressive Stimmung kaum oder nur selten reden. Die Empfehlung, das Gespräch in der Familie zu suchen, ggf. auch mit einem Psychotherapeuten , gewiss gut.

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