Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Primärer Hyperaldosteronismus bei Älteren: Der Nutzen einer einseitigen Nebennierenentfernung ist bei >60 Jahren geringer


München und Bochum, 7. Mai 2020:

Im DGE-Blog wurde mehrfach auf die wichtige Rolle des primären Hyperaldosteronismus, eines Conn-Syndroms, bei einer – heilbaren – sekundären Hypertonie-Form  hingewiesen. Es ist nicht so sehr die klassische, hypokaliämische, sondern vor allem die normokaliämische Form, die zu den etwa 10% und mehr aller Hypertonieursachen in Deutschland beiträgt (1). Der Aldosteron/Renin-Quotient spielt in der Diagnostik eine wichtige Rolle (2). Jetzt erscheint im J. Clin. Endocrinol. Metab.  online am 18. April 2020 eine Übersichtsarbeit (3), die aufzeigt, das bei Hypertoniepatienten etwa ab dem 6. Lebensjahrzehnt die Aktivität des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) altersabhängig abnimmt, zusammen mit einer progressiven Verminderung der Aldosteron-Antwort auf Natriumaufnahme.

Mulatero et al. (3) stellten eine systematische Suche in PubMed  über Studien des RAAS, des primären Hyperaldosteronismus und der Nebennierenhistologie in älteren Bevölkerungen an. Sie fanden, dass die Veränderungen bei liberaler vs. reduzierter Natriumaufnahme mit histologische Veränderungen in der Aldosteronsynthase (CYP11B2) – Expression in der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde einherging. Gleichzeitig nahmen die Aldosteron synthetisierenden Zell-Cluster zu, welche eine autonome Aldosteronproduktion verursachen könnten. Auch stellten sie fest, dass nach Bestätigung der Diagnose eines primären Hyperaldosteronismus mit seinen Subtypen im Alter der Nutzen einer Adrenalektomie bei unilateraler Aldosteronerhöhung geringer sei. Deshalb soll die Entscheidung zur Adrenalektomie oberhalb von 60 Jahren individualisiert erfolgen.

Kommentar

Die Heilungsrate des Blutdrucks durch Adrenalektomie nimmt mit dem Alter leider ab: bei jüngeren Patienten ist – korrekte Diagnose vorausgesetzt – eine hohe Remissionsrate die Regel. Anders bei Männern über 60 Jahre: nur 20% der Münchner Patienten sind nach Adrenalektomie nomotensiv ohne Medikamente, trotz Normalisierung von Kalium, Aldosteron und Renin. Grund ist das vaskuläre Remodelling der Arterien, was zu einer fixierten Hypertonie führt. Ob eine Behandlung mit Mineralokortikoid-Antagonisten allerdings langfristig so gut Mortalität senkt und Lebensqualität normalisiert wie die Adrenalektomie, ist noch offen. Hierzu ist aktuell in München an der Ludwig-Maximilians-Universität eine randomisierte Studie geplant.

Martin Reincke, München und Helmut Schatz, Bochum

Literatur

(1) Helmut Schatz: Primärer Hyperaldosteronismus – ein Krankheitsbild mit vielen Ursachen.
DGE-Blogbeitrag vom 25. Juli 2016

(2) Martin Reincke: Primärer Hyperaldosteronismus – Schneller Weg zur Diagnose: der Aldosteron/Renin-Quotient.
DGE-Blogbeitrag vom 27. März 2019

(3) P. Mulatero et al.: Primary aldosteronism in the elderly.
J. Clin. Endocrinol. Metab. online April 18, 2020. pii: dgaa206. doi: 10.1210/clinem/dgaa206

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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