Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Prognose nach ischämischem Schlaganfall bei tiefem LDL-Cholesterin besser als bei nur mäßiger Absenkung


Bochum, 1. Februar 2020:

Am 2. Januar 2020 erschien im New England Journal of Medicine eine Studie der Treat-Stroke-to-Target-Investigators (1), die ergab, dass bei 2860 Patienten aus Frankreich und  Korea die kardiovaskuläre Prognose nach 3.5 Jahren bei rigoroserer LDL-Absenkung mit Statinen, Ezetimib oder beiden Substanzen besser war als bei geringerer Reduktion (s.u.).

Alle Studienteilnehmer hatten vor Beginn Evidenz für eine zerebro- oder kardiovaskuläre Atherosklerose: Aufgenommen wurden Patienten mit ischämischem Schlaganfall innerhalb der letzten 3 Monate oder für eine transitorisch-ischämische Attacke (TIA) in den letzten 15 Tagen. Der Ausgangswert für LDL betrug 135 mg/dl (3.5 mmol/l). Zielwerte waren entweder <70 mg/dl (1.8 mmol/l) oder 90-110 mg/dl (2.3 – 2.8 mmol/l). In der tieferen Zielgruppe wurde ein LDL-Spiegel von 65 mg/dl (1.7 mmol/l) erreicht, in der höheren Gruppe von 96 mg/dl (2.5 mmol/l), siehe Abbildung (oben). Primärer Komposit-Endpunkt: Ischämischer Schlaganfall, Herzinfarkt, neu aufgetretene Symptome, die zu einer dringenden Revaskularisation der Koronarien oder der Karotiden führte oder kardiovaskulärer Tod. Der primäre Endpunkt trat bei der Gruppe  mit dem tieferen Ziel bei 121 (8.5%) Patienten auf,  bei der höheren Gruppe bei 156 (10.9%) (adjustierte HR, 0.78; 95% CI, 0.61-0.98; p=0.04), siehe Abbildung (unten).  Die Inzidenz  von intrakranialen Blutungen und neu diagnostiziertem Diabetes war nicht unterschiedlich.


Abbildung:  Cholesterinspiegel in den beiden Gruppen (oben) und primärer Endpunkt (unten), aus Lit. 1

Kommentar

Diese Ergebnisse belegen speziell für Patienten nach zerebrovaskulären Gefäßkomplikationen  die für Herzinfarktpatienten allgemein akzeptierte, wenn auch immer noch nicht durchgehend erzielte Forderung, LDL-Cholesterin unter 70 ng/ml (1.8 mmol/l) abzusenken. Selbst eine Absenkung <100 mg/dl (2.6 mmol/l) wird keineswegs immer erreicht. Auf dem gemeinsamen Kongress der Europäischen Gesellschaften für Kardiologie und Atherosklerose in Paris Ende August/Anfang September 2019 wurden z.T. noch aggressivere Richtwerte für eine LDL-Senkung publiziert, worüber im DGE-Blog berichtet wurde (2). Es ist zu wünschen, dass bei allen unseren Patienten mit kardio- oder zerebrovaskulären Ereignissen ein LDL-Zielwert von < 70 ng/ml (1.8 mmol/) erreicht wird. Diese Studie weist insbesondere den Nutzen konsequenter Cholesterinsenkung für Patienten der Neurologie nach, bei denen noch zu oft nur Aspirin oder Clopidogrel mit ihrem limitierten Nutzen/Risiko-Verhältnis im Vordergrund stehen.

Helmut Schatz

Literatur

(1) P. Amarenco et al., for the Treat Stroke to Target Investigators: A Comparison of Two LDL Cholesterol Targets after Ischemic Stroke.
New Engl J Med. Jan 2, 2020. 382(1): 9-19

(2) Helmut Schatz: Fettstoffwechselstörungen aggressiv behandeln – die Lipid-Leitlinien 2019 der Europäischen Gesellschaften für Kardiologien und Atherosklerose.
DGE-Blogbeitrag vom 5. September 2019

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf Prognose nach ischämischem Schlaganfall bei tiefem LDL-Cholesterin besser als bei nur mäßiger Absenkung

  1. Christopher Seidel sagt:

    Super geschriebener Artikel :-). Eine sehr gute Aufstellung. In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen :-)

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