Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Putin im Blog unserer DGE: Seine Familie in der 1990er Jahren und seine Person im 21. Jahrhundert


Bochum, 21. März 2021:

Die Presse ist dieser Tage voll von Berichten über die Einschätzung von Wladimir Putin durch Otto von Habsburg. Wie visionär diese Sicht des Sohnes von Kaiser Karl I., des letzten Habsburger Regenten bereits kurz nach dem Zerfall der Sowjetunion war, erkennt heute jeder (s.u.).

Nach der politischen Wende 1989/90 wurde  Putin, damals Bürgermeister von St. Petersburg, von der breiten Öffentlichkeit völlig anders eingeschätzt. Er traf sich etwa ehrerbietig mit dem Patriarchen der Russisch-orthodoxen Kirche. Im DGE-Blog wurde dies beim Thema Kirche und Staat auch zum Ausdruck gebracht: „Die orthodoxen Kirchen sind mit ihrem Staat viel stärker verbunden als  bei uns, wo nach dem Grundgesetz die Kirchen vom Staat getrennt sind. Das kann man unschwer beim Umgang von Putin mit dem Patriarchen in  Moskau erkennen (1)“.

Mit Putin hatte sich ein weiterer DGE-Blogbeitrag (2) befasst, welcher sein Verhältnis zu Österreich beschrieb: „Putin hat seit der politischen Wende immer schon enge Beziehungen zu Österreich gepflegt. So war er zweimal, 1992 und 1993 noch als Bürgermeister von St. Petersburg, anonym  mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern zum Urlaub in den Niederösterreichischen „Eisenwurzen“ in Gösling. Dort hätte ihn niemand erkannt, er habe bei Tag Fische geangelt und abends reichlich Bier getrunken (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Putin mit Familie zwischen zwei örtlichen Bürgermeistern aus dem Jahre 1992 (Foto des Referenten H.S. in der Niederösterreichischen Landesausstellung 2015 im Töpperschloss Neubruck, Ötscher-Region

Im Meldezettel (Abbildung 2, Aufnahme von H.S.) steht als Beruf: Jurist.

Zum Schifahren weilte er mehrfach am Arlberg, wo Karl Schranz, die Schilegende aus St. Anton sein Lehrer war und er zusammen mit dem österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel die Pisten hinabfuhr. Mit dem österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil traf er sich mehrfach privat zu Kaminabenden in Wien. Die Kommentare schließlich zu seiner privaten Teilnahme an der Hochzeitsfeier der österreichischen Aussenministerin Karin Kneissl im Gasthof Tscheppe in Gamlitz in der  Steiermark waren in Österreich und  auch in Deutschland und anderen Ländern  geteilt. Insbesondere aus der Ukraine kam heftige Kritik.

Die visionäre Sicht des Otto von Habsburg (3):

Otto (von) Habsburg beschäftigte sich nach eigener Aussage seit der Wiedervereinigung mit dem späteren Nachfolger von Boris Jelzin. Putin habe schon in der Schulzeit regierungskritische Mitschüler denunziert und früh Karriere beim Geheimdienst KGB gemacht, sagte Habsburg 2003 bei einem Vortrag in Bregenz. Bereits 1990 hätten ihn antikommunistische Demonstranten gewarnt, Putin sei grausam und unterdrückerisch. In seiner Antrittsrede im Januar 2000 habe Putin dann klar durchblicken lassen, dass er Russland wieder zur Weltmacht machen wolle. Der Westen, kritisierte Habsburg, habe das „nicht weiter zur Kenntnis genommen“ und geglaubt, man lebe nach dem Kalten Krieg in einer Zeit der Sicherheit und des Friedens. Europa müsse eng mit den USA zusammenarbeiten und die europäische Einigung vorantreiben, „denn das bedeutet für uns Sicherheit“. Der Frieden sei durch rechtzeitiges Eingreifen zu retten. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im November 2005 bezeichnete er Russland als „das größte imperialistische Land, das es gibt. Es geht bis zu den Kurilen auf der einen Seite und träumt auf der anderen Seite noch immer davon, die baltischen Staaten zurückzubekommen“. Putin sei „ein eiskalter Bürokrat und Technokrat“, ein KGB-Mann. „Schauen Sie, wie sehr Russland restalinisiert worden ist, seitdem Putin an der Macht ist.“

Heute erkennt man, wie sehr Otto von Habsburg Recht hatte.

Helmut Schatz

Literatur
1) Helmut Schatz: Die Programme der Europäischen Union zur wissenschaftlich-kulturellen Integration.
DGE-Blogbeitrag vom 18. Juni 2019

2) Helmut Schatz: Tu felix Austria nube!
DGE-Blogbeitrag vom 18. August 2018

3) Wolfgang Hauskrecht: Wladimir Putin: Otto von Habsburg warnte schon vor 20 Jahren – und verglich ihn mit Hitler. merkur.de

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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3 Antworten auf Putin im Blog unserer DGE: Seine Familie in der 1990er Jahren und seine Person im 21. Jahrhundert

  1. Dr. Marc Osswald sagt:

    Die „Blicke über den Tellerrand“ der Medizin / Endokrinologie sind stets hochinteressant, auch die Berichte über fen privaten Putin. Danke!

  2. Johannes W. Dietrich sagt:

    Übrigens ist Putins ältere Tochter (Maria Woronzowa alias Maria Faassen) Endokrinologin.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Maria_Vorontsova

    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26137433/

  3. Tesoro sagt:

    Sehr guter zusammenfassender historischer Abriss über Putin!

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