Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Riesenprolaktinome und Makroprolaktinome: Heilungsmöglichkeit durch Dopaminagonisten, Operation und Strahlentherapie in weniger als 10%


Bochum, 18. November 2018:

In einer retrospektiven Multicenter-Studie von Pedro Iglesias et al. aus Madrid (1) wurden die klinischen Daten und das Outcome von männlichen Prolaktinom-Patienten aus den letzten 20 Jahren studiert. Als Riesen- (Giant-) – Prolaktinome (gPRLomas) wurden Tumoren mit >40 mm Durchmesser oder >20 mm suprasellärer Ausdehnung eingestuft, die einen Prolaktin-Spiegel (PRL)  von >1000 ng/ml aufwiesen:  Es fanden sich dreiundzwanzig Patienten mit  gPRLomas.  Diese wurden mindestens 3 Monate (3-211 Monate, im Mittel 87 +/- 60 Monate) kontrolliert. Eine Gruppe von 42 Patienten mit Makroprolaktinomen (non-gPRLomas, 10 – 40 mm Durchmesser) hatte Prolaktinspiegel von >/= 200 ng/ml und wurde 3-222 Monate kontrolliert, im Mittel 89 +/- 65 Monate).

Sehstörungen waren bei den Riesenprolaktinomen signifikant häufiger (62% vs. 25 %, p=0.004), ein Hypopituitatismus fand sich ~gleich häufig: 73% vs. 80%, n.s.  (gPRLoms vs. Non-gPRLomas). Serum-PRL-Konzentrationen waren bei den gPRLomas signifikant höher (im Mittel 3978 vs. 907 ng/ml, p<0.001).

Alle Patienten wurden mit Dopaminagonisten behandelt, als Monotherapie die Hälfte der gPRLomas und ein Drittel der non-gPRLomas.  Operiert wurde die Hälfte der gPRLomas und etwas über ein Viertel der non-gPRLomas. Strahlentherapie erhielt jeder fünfte der pPRLoma-Patienten und jeder siebente mit einem non-gPRLoma.

Ergebnisse: Am Ende der Nachbeoachtungsperiode lagen die Prolaktinspiegel bei den gPRLomas vs. non-PRLomas in etwa gleicher Höhe: 16 ng/ml (4-30) vs. 11 ng/ml (4-25). Die Tumorgröße hatte in beiden Gruppen signifikant abgenommen. Eine klinische Heilung, i.e. eine Normoprolaktinämie ohne Therapie für über 1 Jahr und kein radiologischer Nachweis eines Hypophysentumors wurde nur bei 2 Patienten (8.7%) mit gPRLoma und 2 (4.8%) mit einem non-PRLoma erreicht (n.s.).

Tabelle 4 aus Lit. (1):

Facit: Bei Riesenprolaktinomen, die bei Männern typischerweise im Alter von 40 Jahren diagnostiziert werden, ähnlich wie auch die non-gPRLomas, besteht als einziger klinischer Unterschied bei den gPRLomas eine höhere Prävalenz von Sehstörungen. Das therpeutische Vorgehen und das  klinische Outcome unterscheiden sich nicht. Eine komplette Heilung ist bei Riesenprolaktinomen ähnlich selten wie bei den Makroprolaktinomen. Es liegt bei beiden Formen unter 10%.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Pedro Iglesias et al.: Giant prolactinomas in men: clinical features and therapeutic outcomes.
Horm. Metab. Res. 2018; 50:791-796

Bitte kommentieren Sie diesen Beitrag !

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Permalink.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mit dem Absenden des Formulars erklären Sie sich mit der Verarbeitung der übermittelten Daten einverstanden. Details hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.