Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Schatz als Hüter der Schätze


Eine juristische  Analyse  der Satire von Helmut Schatz über das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund  mit seinen „weltlichen Reliquien“

Bochum, 17. Juni 2020:

Mit „Schatz“ gemeint soll wohl nicht das sein, was Juristen hierunter verstehen, nämlich ein wertvolles Objekt, das verschollen war und dessen Eigentümer nicht mehr ermittelt werden kann.

Prof. Schatz geht ohne weitere Darlegung offensichtlich von einem Schatz im Sinne von einem wertvollen Kleinod aus, das er dann über Reliquien in die Nähe von Heiligkeit bringt.

Reliquien sind, profan betrachtet, Zurückgelassenes bzw. Überbleibsel und in vielen Religionen kultische Verehrung irdischer Überreste eines Heiligen. Mit dem Begriff «Weltliche Reliquien» werden die angesprochenen Fussballstars in die Nähe solcher Heiligen gerückt.

Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass auch Fussballstars Heilige sein können, also solche ausgewiesen sind diese allerdings nicht. Fussballstars, die mir in Erinnerung sind, waren zum Teil Virtuosen ihres Fachs, ob ihrer Leistungen vielbeklatschte Kultfiguren ihrer Zeit; aber waren sie deshalb Heilige?

Heilige, so die Auffassung der Gläubigen, sind Menschen, durch die das Licht Gottes scheint, so sagt es ein altes Sprichwort. Diese haben durch ihr Leben ein beredtes Zeugnis gegeben von Gottes Liebe zu allen Menschen. Es ist nicht der Rang oder der Kultstatus, der einen Heiligen ausmacht, es ist dessen Gutsein und die tiefe gottzugewandte Gläubigkeit.

Hervorragende Leistungen und Berühmtheit an sich, was beispielweise auch für Purpurträger gilt, sind jedenfalls nicht das, was einen Heiligen ausmacht. Der Mensch verehrt aber auch solche Prominente, die weit von «heilig» entfernt sind, wogegen ja nichts einzuwenden ist. Gerade, aber nicht nur, im Bereich Fussball sind Korruption, Steuerbetrug und Bestechung immer wieder Gegenstand öffentlicher Erörterungen. Beteiligt sind wenige, in ihrem Ruf betroffen sind oft aber auch solche, die frei von Verfehlungen sind.

Auch eine vergoldete Requisite führt nicht zur deren Verheiligung, der Ort der Aufbewahrung wird damit auch nicht zum Schrein oder sogar zu einem «Hohen Dom der Deutschen», sondern ist und bleibt ein  Museum, in dem das, was der Betreiber als ausstellungswert ansieht, von den Besuchern bewundert werden kann.

Fans gedenken in vielfältiger Form verdienter Fussballstars, sei es durch vielfältige Verehrung oder sei es durch Denkmale oder durch das Fussballmuseum in Dortmund. Das ist gut so, dadurch werden die Exponate aber keine Reliquien und das Gebäude kein «Hoher Dom».

Freuen wir uns mit denen, die auf ihre Art und Weise die Brücke aus der Vergangenheit in das Jetzt schlagen.

Dipl.- Ing. Josef Schneiders
Rechtsanwalt Bochum

Anmerkung vom Verfasser (H.S.) des Blogbeitrags vom 10. Juli 2020:

Herrn RA Schneiders danke ich herzlich für die seriöse, fundierte Analyse meines Blogbeitrags. Ich habe als schlichter, einfacher  Mediziner  daraus manches gelernt. Den Ausdruck „Schatz“ für das Trikot übernahm ich aus der Überschrift des Artikels in der Westdeutschen Algemeinen Zeitung: „Ein Schatz für die Nachwelt“.  Da ich  Einwände auf den Blogbeitrag von mancher Seite erwartet hatte, fasste ich den Beitrag als Satire ab, die ich in der Fußnote des Beitrags auch (nach Wikipedia) definiert habe. („Die Kunstform der Satire bedient sich der Verspottung sowie Über- und Untertreibungen bis ins Lächerliche oder Absurde“). In diesem Sinne brachte ich auch den Vergleich des Trikots von Helmut Rahn mit dem Schweißtuch der Veronika. Reliquien? Relikte können religiöser oder weltlicher Art sein; das Rahnsche Trikot ist  ein „Überbleibsel“. Der „Hohe Dom“?  Das Museum selbst verwendet den Ausdruck „Kathedrale“ (= Dom, Bischofssitz)  im Zusammenhang mit dem Fußball. Man sieht im Museum an der Wand eines Raumes ein Bild mit berühmten,  großen Fußballstadien und darüber den Schriftzug:  „Kathedralen des Fußballs“ (siehe Bild).

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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9 Antworten auf Schatz als Hüter der Schätze

  1. Dr. Friedhelm Stöger sagt:

    Ich bin amüsiert, wie ein Jurist die Satire demontiert und tiefernst Herrn Prof. Schatz eines „Besseren“ belehrt.

  2. Klaus Wilmans sagt:

    Navid Kermani, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, vergleicht auch den Fußball mit der Religion, wie in einem der Kommentare zum Karnevalsblog vom 25.2.2019 zu lesen ist.

  3. Dr. Jürgen Heymann sagt:

    Sehr geehrter Herr Stöger, statt tiefernst kann man auch sagen bierernst (=unangemessen ernst).

  4. Helmut Schatz sagt:

    Hier der von unserer Pressestelle formulierte Anreißer („Teaser“), mit welchem dieser Blogbeitrag – so wie unsere Blogbeiträge alle 14 Tage – an über 2000 Presseorgane der deutschsprachigen Länder verschickt wird:
    „Als im Juli 1954 die westdeutsche Nationalelf im „Wunder von Bern“ die favorisierte Auswahl Ungarns besiegte, war dies für einige Historiker und Politologen in der Rückschau die „EIGENTLICHE GEBURTSSTUNDE DER BUNDESREPUBLIK“. Der Siegtorschütze Helmut Rahn wurde durch seinen Treffer zum 3:2 zum umjubelten Helden. Kürzlich übergab ein Enkel Rahns dessen Trikot aus dem WM-Endspiel an das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund, wo es gemeinsam mit vergoldeten Bällen, Schuhen und anderen Devotionalien als „modernde Reliquien“ präsentiert wird. Da sei – augenzwinkernd – die Frage erlaubt: Wie viel Religion steckt im Fußball?“

  5. Ottilie Löwe sagt:

    Es ist nicht enfach über ein Thema zu schreiben, das eine Unzahl von Menschen von Herzen bewegt: Fußball! „Fußball ist unser Leben – Denn König Fußball regiert die Welt“ sang die Deutsche Nationalmannschaft anlässlich der Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft 1974, und Heino sowie viele andere in der Folgezeit so oft, dass es ein Ohrwurm wurde.Es ist schön, wenn ein Sport diese Faszination ausübt, jedoch dass dieser Sport an die Stelle der Religion tritt, ist nicht zu fassen. Fragen wir uns: Ist Religion – Glaube, Hoffnung, und auch Tradition – zu ersetzen durch Begeisterung, Bewegung und Kampfgeist? Es ist klar, dass man einen Blog über dieses Thema nur als Satire schreiben kann ohne zu verletzen, seien es die Fans oder Gläubige. Meine Meinung: Überhöhte Leidenschaft ist nicht bewundernswert, sondern treibt eigenartige Blüten.

  6. Helmut Schatz sagt:

    Klaus Wilmans erwähnt Navid Kermani, einen begeisterten Anhänger des 1. FC Köln, der in seiner Rede zum 70. Geburtstag des „Clubs“ die frühere Rolle der RELIGION und die heutige des FUSSBALLS so beschreibt: „Mehr als jeder anderen Institution gelingt es dem Fußball heute noch – vergleichbar mit dem Theater in der Antike oder über viele Jahrhunderte der Religion – einen öffentlichen Raum zu schaffen für ergreifende Erfahrungen: atemlose Spannung, Trauer, Zorn, Häme, Bangnis, Verzückung, Scham, Zusammenhalt, Dankbarkeit, Stolz. Wo sonst in der modernen Gesellschaft würden sich erwachsene Menschen jubelnd in die Arme fallen oder kreischend auf ihren Sitz springen, die unflätigsten Flüche herausschreien, hemmungslos weinen wie Kinder, vor Angst in Schweiß ausbrechen, vor Freude zittern? Wo sonst als auf dem Platz beziehúngsweise im Stadion durchlaufen wir noch kollektiv und nicht nur als einzelne alle Höhen und Tiefen des Lebens, Sieg und Niederlage, Aufstieg und…

  7. Jens Frigge sagt:

    Radio Berlin Brandenburg (rbb) endet einen Bericht über das Berliner Olympiastadion mit der Feststellung: „Aus Hitlers Olympiastadion ist nach der Wende eine „Kathedrale des Fußballs“ geworden.

  8. Dr.med. Helfried Hild sagt:

    Religionsähnliche Züge weist nicht nur der heutige Fußball auf, es waren auch einmal die Sprache und der – zur Zeit wiedererstarkende Nationalismus oder die Orthorexie.

  9. Melanie Engbert sagt:

    „König“ Fußball mit seinen weltlichen Reliquien spielt nicht nur in Deutschland und anderen europäischen Landern, sondern auch z.B. in Brasilien eine wesentliche Rolle; wenn die Begeisterung in Leidenschaft umschlägt – warum nicht? Solange es anderen nicht schadet, darf sie auch „überhöht“ sein. Und damit schließt sich der Kreis zur Satire. Da möchte ich nur sagen „das kostet mich ein Lächeln“ – die Kosten für den Transfer von Fußballspielern ist ein anderes Thema, ein harter Brocken, der Unverständnis hervorruft.

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