Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Keine ausreichende Datenlage für eine Screening-Empfehlung auf Vitamin D-Mangel bei symptomlosen Erwachsenen


Bochum, 1. Oktober 2020:

In einer Instruktion für die Ärzteschaft („Physicians Briefing“ (1)) durch die US Preventive Services Task Force (USPSTF) vom 22. September 2020 wird mitgeteilt, dass die gegenwärtige Beweislage ungenügend sei, die Vorteile und Nachteile eines generellen Screenings auf Vitamin D-Mangel bei symptomlosen Erwachsenen zu beurteilen (vgl.2).

Leila C. Kahwati von der University of North Carolina und Kollegen analysierten 46 Studien mit verschiedenen Dosen, Häufigkeit und Dauer einer Vitamin D – Behandlung auf deren Nutzen und Schaden (harms). Sie fanden, dass Vitamin D- Gabe, mit oder ohne Kalzium,  keinen Effekt auf die meisten Gesundheits-Outcomes hatte; für einige Outcomes gab es nur beschränkte Evidenz. Vitamin D hatte keine Auswirkung auf Mortalität, Frakturen, Diabetesinzidenz oder die Inzidenzen von kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs oder Depression in der Wohnbevölkerung. Für Stürze war die Evidenz unklar. Die Inzidenzen der Vitamin D –behandelten Gruppen und der Kontrollgruppen waren ähnlich für die Schäden (harms) bzw. alle negativen, auch die ernsten  Ereignisse.

Die USPSTF schließt ihr Briefing folgendermaßen: “Based on these findings, the USPSTF concluded that there is a lack of evidence for the benefits of screening for vitamin D deficiency. Therefore, for asymptomatic adults, the balance of benefits and harms of screening for vitamin D deficiency cannot be determined. ( I Statement, (3)). The draft recommendation statement and evidence review (2) have been posted for public comment; comments can be submitted from Sept. 22 through Oct. 19, 2020.”

Helmut Schatz

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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3 Antworten auf Keine ausreichende Datenlage für eine Screening-Empfehlung auf Vitamin D-Mangel bei symptomlosen Erwachsenen

  1. Dr. Stefan Peters sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Schatz,

    nochmal zu den „low hanging fruits“: Hier sind zwei aktuelle Studien zum möglichen Nutzen von VitD im Rahmen der Covid19-Pandemie.

    1) Interventionsstudie (!!!) aus Cordoba: https://doi.org/10.1016/j.jsbmb.2020.105751

    2) Beobachtungsstudie aus Heidelberg: 10.3390/nu12092757

    Ich würde mich sehr über Ihre Bewertung und Einordnung der Studien freuen. Welche Schlüsse ziehen Sie aus den Studien? Konkret: Könnte der in Deutschland seit Anfang Oktober sinkende VitD-Spiegel der Menschen ein plausibler Grund für die weithin geäußerte Sorge vor einer sich verschärfenden Covid19-Situation im Winter sein?

    MfG,

    Dr. Stefan Peters

  2. Dr. Stefan Peters sagt:

    Bitte diesen Link zur Heidelberger Studie nutzen:

    https://doi.org/10.3390/nu12092757

  3. Helmut Schatz sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Peters, danke für Ihre Mitteilung von 2 Studienresultaten. Die Heidelberger Beobachtungsstudie zeigt eine Assoziation und keine Kausalität auf. Assoziationsstudien sind „hypothesengenerierend“ wie es zum Thema schon viele gibt. Die Interventionsstudie aus Cordoba ist interessant, aber eine Pilotstudie mit kleiner Fallzahl. Die Autoren fordern selbst Studien mit grösserer Fallzahl. Allen Deutschen jetzt im Herbst Vitamin D zum Schutz vor Covid-19 geben? Wer will, kann natürlich Vit. D nehmen. Wenn er unter 1000-2000 IU täglich nimmt, wird es ihm nicht schaden. Ob es nützt, ist zur Zeit nicht zu sagen. Ich selbst nehme es nicht.

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