Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Selenspiegel im Blut nicht unterschiedlich bei Hashimoto-Thyreoiditis und gesunden Kontrollpersonen


Bochum, 5. November 2014:

Zwischen 50 Hashimoto-Patienten und 30 gematchten gesunden Kontrollpersonen aus der gleichen Region Niederösterreichs fand sich kein signifikanter Unterschied des Selen-Spiegels im Blut:
98.0 +/- 15.6 vs. 103.2 +/- 12.4 Mikrogramm/l, p>0.05.
Zwischen Hashimoto-Patienten mit TPO-Antikörpern >500 und <500 U/ml (Norm: bis 35) ließ sich ebenfalls kein Unterschied feststellen:
98.5 +/- 15.9 vs. 97.9 +/- 16.9 Mikrogramm/l (1).

Legt man, wie die Autoren schreiben, einen Referenzbereich des Selenspiegels von 120-160 Mikrogramm/l zugrunde, so entsprechen die gemessenen Werte einem mäßigen Selenmangel. Da aber zwischen beiden Gruppen kein Unterschied bestand, liefern ihre Resultate keinen Hinweis dafür, dass der Selenstatus ein Trigger für eine Autoimmunthyreoiditis ist und auch nicht die Höhe der Antikörperspiegel beeinflußt. Einschränkend sehen auch die Autoren die niedrige Zahl an Patienten und Kontrollpersonen an.

Kommentar

Die Schilddrüse ist das Organ mit dem höchsten Selengehalt pro Gramm Gewebe im menschlichen Körper. Schon lange wird diskutiert, ob Selen für die Entstehung und die Behandlung von autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen bedeutsam sei. Über seine Bedeutung und einen therapeutischen Einsatz von Selen bei Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow gehen die Auffassungen zwischen den Schilddrüsenexperten zum Teil weit auseinander. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hat sich in mehreren Beiträgen zu Selen geäußert (2-5). Große Interventionsstudien sind noch ausständig, um den Nutzen einer Selengabe bei den autoimmunologischen Schilddrüsenerkrankungen zu belegen (2).

Helmut Schatz

Literatur

(1) I. Wimmer et al.: Selenium levels in patients with autoimmune thyroiditis and controls in Lower Austria.
Horm. Metab. Res. 2014. 46:707-709

(2) H. Schatz: Selen ohne Nutzen zur Herz-Kreislauf-Prävention, bei Hashimoto-Thyreoiditis Effekt möglich, größere Interventionsstudien noch ausstehend.
DGE-Blogbeitrag vom 2. Februar 2013

(3) H. Schatz: Erhöht Selenzufuhr das Risiko für einen Typ-2-Diabetes?
DGE-Blogbeitrag vom 19. März 2012

(4) Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Selen schützt nicht vor Herzkreislauferkrankungen – Spurenelemente nur nach ärztlicher Beratung einnehmen.
Pressemitteilung vom 12. Februar 2013

(5) Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Neue Studie bestätigt Krebsrisiko: Selen und Vitamin E nur bei Mangelzuständen einnehmen.
Pressemitteilung vom 30. April 2014


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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf Selenspiegel im Blut nicht unterschiedlich bei Hashimoto-Thyreoiditis und gesunden Kontrollpersonen

  1. Das ist eine interessante Studie. Es darf allerdings auch nicht übersehen werden, dass in der Vergangenheit in mehreren Untersuchungen ein verminderter Selenspiegel bei Patienten mit Autoimmunthyreopathie gefunden wurde [Beckett GJ, Peterson FE, Choudhury K, Rae PW, Nicol F, Wu PS, Toft AD, Smith AF, Arthur JR. Inter-relationships between selenium and thyroid hormone metabolism in the rat and man. J Trace Elem Electrolytes Health Dis. 1991 Dec;5(4):265-7. PMID 1822335, Kucharzewski M, Braziewicz J, Majewska U, Góźdź S. Concentration of selenium in the whole blood and the thyroid tissue of patients with various thyroid diseases. Biol Trace Elem Res. 2002 Jul;88(1):25-30. PMID 12117262, Schomburg L. Selenium, selenoproteins and the thyroid gland: interactions in health and disease. Nat Rev Endocrinol. 2011 Oct 18;8(3):160-71. doi: 10.1038/nrendo.2011.174. PMID 22009156, Bülow Pedersen I, Knudsen N, Carlé A, Schomburg L, Köhrle J, Jørgensen T, Rasmussen L, Ovesen L, Laurberg P. Serum selenium is low in newly diagnosed Graves’disease. A population based study. Clin Endocrinol (Oxf). 2013 Feb 28. doi: 10.1111/cen.12185. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 23448365].
    Insofern kann man wohl noch keinen definitiven Schluss zur Relation zwischen Selenspiegel und dem Risiko für eine Autoimmunthyreopathie ziehen. Es wäre ja auch denkbar, dass es in Niederösterreich spezifische Risikofaktoren gibt, die den Seleneffekt überdecken. Im Übrigen ist bei einer Fallzahl von n=80 die statistische Power nicht so hoch, dass man aus der offensichtlich hohen Alphafehlerwahrscheinlichkeit den sicheren Schluss ziehen könnte, dass die Selenspiegel in beiden Subpopulationen gleich seien.

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