Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Selpercatinib bei medullärem Schilddrüsenkarzinom mit RET-Mutation den Multikinase-Hemmern Cabozantinib und Vandetanib überlegen


Bochum, 20. November 2023:

In einer Phase III – Studie (LIBRETTO-531 Trial) unter Beteiligung des Schilddrüsenteams unseres DGE-Mitglieds Prof. Dr. Dr.med. Dagmar Führer, Essen wurden insgesamt 291 Patienten mit metastasiertem progredientem Medullären Schilddrüsenkarzinom (MTC) und einer RET-Mutation im Rahmen der First-Line Therapie entweder mit dem selektiven RET-Kinase-Inhibitor Selpercatinib oder einem der zugelassenen Multikinaseinhibitoren (Cabozantinib oder Vandetanib) über 12 Monate behandelt. Unter Selpercatinib waren das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit einer RET-Mutation höher als in der Kontrollgruppe, bemerkenswert war aber vor allem die deutlich geringere Nebenwirkungsrate unter RET-Kinase-Inhibitoren (1).

Etwa 25-30% der sehr seltenen MTC sind auf eine spezifisch veränderte Erbanlage für die Rezeptor-Tyrosinkinase RET zurückzuführen, die familiär weitergeben werden kann. Zudem liegen in über 50% der sporadischen MTC – RET Mutationen als somatische Mutationen vor. RET (Rearranged-during Transfection) ist ein Protein in der Zellmembran mit der Aufgabe, Signale ins Zellinnere weiterzuleiten, die besonders in der Embryonalentwicklung notwendig sind. RET-Translokationen und RET- Mutationen finden sich in soliden Tumoren wie etwa dem Nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom oder auch dem Medullären Schilddrüsenkarzinom.

Ergebnisse

In der hier referierten LIBRETTO-531-Studie bewirkte Selpercatinib nach 12 Monaten ein Treatment failure – freies  Überleben in  86.2 % (95% CI, 79.8 – 91.6), bei der Kontrollgruppe (s.o.) in 62,1% (95% CI, 51.9 – 76.4). Das Gesamtansprechen lag  unter Selpercatinib bei 69.4% (95% CI, 62.4 – 75.8), in  der Kontrollgruppe bei 38.8% (95% CI, 29.1 – 49.2). Eine Dosisreduktion wegen unerwünschte Nebenwirkungen erfolgte bei Selpercatinib in 38.9%, bei der Kontrollgruppe in 77.3 %, ein Therapieabbruch bei 4.7% bzw. 26.8%.

Facit

Bei einem Medullären Schilddrüsenkarzinom ist in jedem Fall ein Screening auf das Vorliegen einer RET-Mutation durchzuführen. Dies ist zur Identifikation von hereditären MTC iR einer MEN2A unverzichtbar und bei  metastasiertem progredienten MTC entscheidend, um über medikamentöse Therapieoptionen zu entscheiden. Fällt der RET-Mutationstatus positiv aus, sollte bei Therapieindikation,  nach den vorliegenden Studiendaten, dem hoch selektiven RET-Inhibitor Selpercanitib in der Erstlinientherapie der Vorzug vor den Multikinase-Inhibitoren Cabozantinib oder Vandetanib gegeben werden.

Helmut Schatz, Bochum

Literatur

(1) Julien Hadoux, Dagmar Führer et al., for the LIBRETTO-531-Trial Investigators: Phase 3 Trial of Selpercatinib in Advanced RET-Mutant Medullary Thyroid Cancer.
NEJM October 21, 2023. DOI: 10.1056/NEJMoa2309719

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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