Bochum, 21. August 2026:
Bei Monogamie ist zwischen einer sozialen und einer sexuellen zu unterscheiden: Soziale Monogamie bezieht sich auf Paare, die gemeinsam Kinder großziehen und emotionale Bindungen aufbauen, sexuelle hingegen auf die Exklusivität der sexuellen Beziehungen. Menschen leben oft in einer Mischung der beiden Formen (1).
Monogamie im Tierreich
Tiere leben entweder in lebenslanger oder in temporärer Monogamie, wobei beide Varianten vor allem bei Vögeln vorkommen. Lebenslange Monogamie lässt sich häufig bei Vogelarten beobachten, während einige Säugetiere auch temporäre Bindungen eingehen.
Lebenslange Monogamie kommt beispielsweise bei Wölfen, Bibern und Störchen vor. Bei Störchen ist die Nistplatztreue ausgeprägt; sie bleiben normalerweise ein Leben lang zusammen, auch wenn es gelegentlich zu Partnerwechseln kommen kann. Viele Vögel zeigen temporäre Monogamie, wie zum Beispiel Haubentaucher, die saisonale Bindungen eingehen. Auch bei den Pinguinen findet man temporäre Monogamie, wo Männchen und Weibchen zusammenarbeiten, um ihre Nachkommen zu betreuen.
Monogamie beim Menschen
Ob der Mensch von Natur aus monogam ist, ist nach wie vor eine langjährige Frage in der Evolutionsbiologie, Anthropologie und Neurowissenschaften. Die Forschung an Tieren hat die Vorstellung in Frage gestellt hat, dass Monogamie ein universelles biologisches Merkmal sei. Aktuelle Befunde deuten darauf hin, dass weder Biologie noch Kultur allein die menschlichen Beziehungsmuster erklären. Zunehmend wird die menschliche Monogamie als eine anpassungsfähige evolutionäre Strategie und nicht als biologisch festgelegt angesehen.
In vielen Kulturen galt Monogamie über Jahrhunderte als Standard, besonders im westlichen Kulturkreis. Ursprünglich entstand dieses Konzept vor etwa 10.000 Jahren mit dem Aufkommen von Ackerbau und dem Eigentum an Land. Gesellschaften, die zuvor nomadisch lebten und Ressourcen, einschließlich sexueller Beziehungen, egalitär teilten, begannen, feste Partnerschaften zu bilden. Diese Veränderungen führten zu einem Familienmodell, das auf monogamen Beziehungen basierte.
Biologische Grundlagen der menschlichen Monogamie
Die soziale neurowissenschaftliche Forschung hat mehrere Systeme im Gehirn identifiziert, die an der Bildung und Aufrechterhaltung langfristiger romantischer Beziehungen beteiligt sind. Es existiert offenbar kein einzelnes „Monogamie-Gen“, sondern die Studien weisen auf ein Netzwerk neurobiologischer Mechanismen hin, welche die emotionale Bindung erleichtern.
Dazu gehören das Belohnungssystem und NeuroCircuits (Neuronale Schaltkreise) mit Neurotransmittern und Hormonen wie Dopamin, Oxytococin und Vasopressin. Diese liegen im Hirnstamm (Ventrales Tegmentales Areal (VTA) Nucleus accumbens, präfrontaler Kortex, Amygdala und Hippocampus). Genetische und epigenetische Regulationsmechanismen wirken bei der Paarbindung ebenfalls mit. Diese Systeme, die auch die Bindung von Eltern und Nachkommen bei vielen Arten unterstützen, wurden während der Evolution möglicherweise kooptiert, um dauerhafte romantische Beziehungen zu erleichtern. Diese Mechanismen scheinen die Bindung und Beziehungsstabilität zu fördern, nicht aber eine sexuelle Exklusivität oder eine einzelne Beziehungsstruktur. Das menschliche Gehirn ist offenbar in der Lage, stabile emotionale Bindungen zu bilden, wenn auch nicht über nur einen einzelnen Mechanismus.
Schlussfolgerungen
Aktuelle Befunde sprechen dafür, dass Menschen die biologische Fähigkeit besitzen, stabile emotionale Bindungen zu bilden, aber weder Biologie noch Kultur allein bestimmen die Beziehungsmuster. Vielmehr deutet Vieles darauf hin, dass menschliche Monogamie durch Interaktionen zwischen biologischen Veranlagungen, sozialen Normen, kulturellen Erwartungen, wirtschaftlichen Umständen und historischem Kontext entsteht. Anstatt ein inhärentes menschliches Merkmal oder eine rein kulturelle Erfindung darzustellen, wird Monogamie zunehmend als eine von mehreren flexiblen Beziehungsstrategien verstanden, die sowohl von der Biologie als auch von der Umwelt geprägt sind.
Facit
– Menschliche Monogamie = adaptive Strategie.
– Paarbindung beinhaltet Dopamin, Oxytocin, Vasopressin mit neuronalen Schaltkreisen.
– Kein einzelnes „Monogamie-Gen“, aber epigenetische/genetische Regulation unterstützt die Bindung.
– Soziale und sexuelle Monogamie sind unterschiedlich; menschliche Muster variieren stark.
– Ökologie, Kultur, Ökonomie und soziale Normen prägen gemeinsam die Beziehungsstruktur.
Helmut Schatz
Literatur
(1) Monica M. Bernardo: Sind Menschen natürlich monogam? Eine Debatte wurde wieder aufgenommen.
https://medscape.com/viewarticle/are-humans-neturally-mo…
Wie sehr die Umwelt und die gesellschaftlichen Normen die soziale Monogamie beeinflussen, erlebten wir 80 bis 90-Jährige, als in unserer Jugend ein gestandener Mann kaum je eine Milchkanne – damals ūblich – oder ein gefūlltes Einkaufsnetz auf der Straße heimtragen konnte ohne aufzufallen, und schon gar nicht, so wie heute oft zu sehen, einen Kinderwagen schiebend, und sogar noch ein 2. Kind auf der Brust tragend, während die junge Mutter daneben, auf dem Handy daddelnd und rauchend daneben geht.
Monogamie gibt es je nach biologischer oder kultureller Definition entweder seit Millionen Jahren oder als gesellschaftliche Institution seit dem Aufkommen von Sesshaftigkeit und im europäischen Raum verbindlich seit dem Mittelalter.
Monogamie entstand vor etwa 10.000 Jahren im Zuge der neolithischen Revolution mit dem Übergang zu Landwirtschaft, Viehzucht und Sesshaftigkeit
Die Ehe wurde in ihrer monogamer Form bei 2 Laterankonzilen im 12. und 13. Jhd. zum 7. Sakrament erhoben. Früher gab es im Mittelalter die Friedel- und die Munt- Ehe, sowie auch Kebs-Ehen mit Untertanen. Karl der Große war insgesamt 9x verheiratet. Aus seiner ersten Ehe, einer FRIEDEL-EHE stammte sein erster Sohn Pippin der Bucklige. Nachdem er seine erste.Frau verstoßen hatte, folgte die rechtlich bindende „MUNT-EHE“ mit der Tochter des Langobardenkönigs Desiderius Gerperga/Desiderata sowie mit Hildegard. Nach deren Verstoß führte er eine weitere Ehe, was einen Konflikt mit dem Langobardenkönig hervorrief. Insgesamt war Karl der Große 9x verheiratet: er führte auch viele „KEBS-EHEN“ mit Untertanen, die er frei wechseln konnte. Kinder aus solchen Kebs-Ehen nannte man „Kegel“ (daher der Ausdruck: „Mit Kind und Kegel“). Vorläufer der im Mittelalter in den christlichen Ländern etablierten sakramentalen monogamen Ehe gab es aber schon im Römischen Reich.