Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Wie diagnostiziert man eine Statinintoleranz?


Dresden, 7. Juni 2021:

Auf dem digitalen Kongress der Deutschen Diabetes-Gesellschaft 2021 hielt Frau Ulrike Schatz, Dresden, ein Referat über den derzeitigen Stand der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen. Ein wichtige Rolle bei der Differenzialtherapie spielte dabei die Statinintoleranz.  Diese gewinnt vor dem Hintergrund vieler neuer Therapieoptionen steigendes Interesse und eine saubere Untersuchung ist erforderlich. In der virtuellen Diskussion wurde die Vortragende  gezielt nach dem Vorgehen zur Erfassung einer Statinintoleranz und dem therapeutischen Vorgehen in der großen Lipidambulanz des Dresdner Universitätsklinikums „Gustav Carus“ gefragt. Im Folgenden soll die  spontane, pragmatische Antwort der Referentin wiedergegeben werden:

Ulrike Schatz, Dresden: Zur Statinintoleranz.                                                                                                                   

Es gibt keine einheitliche, allgemein akzeptierte Definition von Statinintoleranz. Dringend zu beachten sind die Interaktionen: Viele der Statine werden über  Cytochrom P450  metabolisiert,  so  Simvastatin, Atorvastatin und Lovastatin über dessen A3 A4-System  Über Cytochrom P450  wird  eine ganze Reihe anderer Medikamente ebenfalls verstoffwechselt wie etwa Erythromyzin, Clarithromycin, Gemfibrozil, Amiodaron, Azol-Antimycotica wie Ketoconazol u.a.. Dringend zu beachten sind Kontraindikationen sowie die Dosisanpassungen bei Niereninsuffizienz. Eine ganz wesentliche Aufgabe besteht darin, die beklagten Beschwerden genau zu analysieren mit entsprechend gründlicher Untersuchung, um herauszufinden, ob eine andere organische Ursache dahinter steckt, ob es sich um einen häufigen Nocebo-Effekt handelt (1) oder aber eine echte Statinunverträglichkeit vorliegt.

Tabelle (Lit.2): Unified Definition of Statin Intolerance

1. The inability to tolerate at least two different statins – one statin at the lowest starting average daily dose and the other statin at any dose

2. Intolerance associated with confirmed intolerable statin-related adverse effect(s) or significant biomarker abnormalities

(3. and 4. about biomarkers , e.g. Creatinkinase)

Für unsere Dresdner Praxis hat sich folgendes Vorgehen bewährt:
Bei Verdacht auf eine Nebenwirkung das Statin pausieren, dann re-exponieren. Folgendes spricht für eine Statinunverträglichkeit (SAMS = Statin-assoziierte Muskelsymptome, die zwei Tabellen und die Abbildung unten aus Parhofer, Deutsches Ärzteblatt, Lit.3):

Mindestens 3 verschiedene Statine mit mindestens zwei verschiedenen Metabolisierungswegen (möglichst auch Pravastatin, da dies nicht über das Cytochrom p450 – System metabolisiert wird sondern über Sulfonierung); möglichst ein hydrophiles (Rosuvastatin oder Pravastatin) und mindestens eines in low dose sollten probiert worden sein, bevor man eine Statinintoleranz diagnostiziert (aus eigener Erfahrung).

Algorithmus der Vorgangsweise, modifiziert nach E.S. Stroes et al.(4)

Ein relativ großer Anteil der vermeintlichen Statin-Nebenwirkungen sind Nocebo-Effekte und werden nicht durch das gegebene Statin hervorgerufen, worüber im Detail im DGE-Blogbeitrag vom 16. Januar 2021 berichtet wurde (1).

OÄ Ulrike Schatz, Dresden

Literatur

(1) Helmut Schatz: Statin-Nebenwirkungen einschließlich Muskelschmerzen sind häufig Nocebo-Effekte.
DGE-Blogbeitrag vom 16. Januar 2021

(2) H. Bays et al.: The National Lipid Association´s Statin Safety Task Force. 2014 update.
J Clin Lipidol 2014; 8:S47-57

(3) Klaus Parhofer: Therapie der Fettstoffwechselstörungen.
Dtsch Arztebl 2016; 113:261-8

(4) E.S. Stroes et al.: Statin-associated muscle symptoms: impact on statin therapy-European Atherosclerosis Society Conswensus Panel Statement on Assessment.
Aetiology and Management. Eur Heart J 2015; 36:1012-22

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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