Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Subkutane Testosteron-Injektion 1x wöchentlich bewirkt stabile Serumspiegel


Bochum, 7. November 2017:

Testosteron wird meist intramuskulär injiziert, was schmerzhaft sein kann und in der Regel nicht durch den Patienten selbst erfolgt. Betroffen sind davon hypogonade Männer und Frau-zu-Mann-Transsexuelle. In einer sorgfältigen, kleinen Studie (1) an 11 Frau-zu-Mann-transsexuellen Patienten wurden die Serumspiegel an Gesamt- und freiem Testosteron 8x während 1 Woche, vor und 7 Tage nach s.c. Selbstinjektion von Testosteroncypionat mit der Flüssigkeitschromatographie / Massenspektrometrie (Gesamtfraktion) und Gleichgewichtsdialyse (freies Testosteron) bestimmt. Die Patienten hatten sich schon vor der Studie wöchentlich Testosteron s.c. injiziert und wiesen einen im therapeutischen Bereich liegenden Spiegel des Hormons auf. Die Serumwerte lagen im Studienverlauf während der sieben Tage nach s.c. Injektion (im Mittel 75 mg Testosteron pro Woche) im erwünschten Bereich von 627 +/- 206 ng/dl (range 205-1410) für Gesamttestosteron und 146 +/- 51 pg/ml (range 38-348), siehe Abbildung 1 (aus Lit.1). Es wurden keine unerwünschten Nebenwirkungen beobachtet.

Kommentar

In Deutschland werden heute zumeist etwa alle 3 Monate 1000 mg Testosteron in öliger Zubereitung als Nebido ® intramuskulär (i.m.) injiziert, so auch durch den Referenten in seiner Praxis. Während ihm selbst keine Nebenwirkungen außer ein gelegentlich auch länger, bis zu 1-2  Tage anhaltender Schmerz unter oder kaudal von der Injektionsstelle berichtet wurden, musste er den Kommentaren zu einem diesbezüglichen Blogbeitrag (2) entnehmen, dass Nebenwirkungen doch nicht so selten sind. Diese mögen wohl zumindest zum Teil zufolge versehentlicher Injektion in ein Gefäß mit Verschleppung des öligen Präparates etwa in den Lungenkreislauf verursacht sein. Manche seiner Patienten bevorzugen weiterhin oder auch wieder die alte, dreiwöchentliche  i.m. Injektion von 250 mg Testoviron-depot®, andere die tägliche Anwendung von  Testosteron-Gel oder –Pflaster, letzteres zumindest kürzerfristig.  Für eine dauerhafte , stabile Testosteronsubtitution ist  die wöchentliche s.c. Selbstinjektion des Hormons gewiß ein praktikabler Weg, zumal, wie in dieser Studie gezeigt, die Serumspiegel recht stabil sind, wenn sie auch am 7. Tag signifikant abgefallen und 6 Stunden nach Injektion signifikant angestiegen waren und (siehe Abb.1).

In einer Pilotstudie wurde schon 2006 über s.c.Testosterontherapie berichtet (3)  und 2014, 2015 und 2017 auch in weiteren Untersuchungsreihen, davon zwei an Frau-zu-Mann-Transsexuellen (Literaturzitate siehe 1).  McFarland et al.  schließen aus ihrer Studie, dass die s.c. Testosteroninjektion auch bei hypogonaden Männern vorteilhaft angewendet werden könnte, was noch zu zeigen wäre (1).  Der Referent ist der Ansicht, dass der etwa vierteljährliche Besuch eines Arztes zur Injektion von Nebido®  für die meisten Patienten die bessere Lösung darstellt. Voraussetzung ist aber, dass die i.m. Injektion sorgfältig mit vorheriger Aspiration, langsam während etwa 1 min und mit einer Nachbeobachtungszeit in der Praxis zu erfolgen hat, um die in  den Kommentaren zum Betrag in Lit.2 von Patienten geschilderten Nebenwirkungen zu vermeiden.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Julie McFarland et al.: Serum testosterone concentrations remain stable between injections in patients receiving subcutaneous testosterone.
J Endo Soc 2017. 1(8):1095-1103

(2) Helmut Schatz: Testosteron alle 3 Monate (Nebido®, in USA Aveed™): Gespaltene Meinung des Beraterkomitees der FDA für US-Zulassungsempfehlung wegen Nebenwirkungen nach Injektion.
DGE-Blogbeitrag vom 25. April 2013, mit über 100 Kommentaren von Patienten

(3) Al-Futaisi AM et al.: Subcutaneous administration of testosterone. A pilot study report.
Saudi Med J 2006. 27(12):1843-1846

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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4 Antworten auf Subkutane Testosteron-Injektion 1x wöchentlich bewirkt stabile Serumspiegel

  1. pander sagt:

    Eine Therapie Möglichkeit Testosteron Enantat selber zu spritzen würde mir sehr helfen.
    Die Wirkung beim Enantat ist am besten. Für 1,5 – 2 Wochen
    Gel aromatisiert sehr stark. Nebido fällt zumindest bei mir in Woche 10 in den wirkungslosen Bereich.
    Nebido ist dann gut wenn man es bei Serumspiegel um die 15nmol bekommt und nicht weiter abfallen lässt.
    Die Intervalle beim Testo E von 3 Wochen und beim Nebido von 12 Wochen sind zu lang !

  2. Sek Hypogonadismus sagt:

    Sekundärer Hypogonadismus

    Ich bin schon lange auf der Suche nach der Möglichkeit Testo subkutan spritzen zu können. In den USA wird diese Vorgehensweise ja scheinbar immer geläufigen…und es werden individuell angepasst physiologische Spiegel erreicht.

    Mein Problem:
    1. Gel kommt bei mir nicht ausreichend an und
    2.Nebido ist am Anfang viel zu stark (>54 mml) und am Ende gibt es einen fiesen Einbruch.

    Würde mir wünschen über die subkutanen Injektionen einen dauerhaft mittleren physiologischen Pegel zu erreichen. In den USA wird teilweise Enanthate subkutan gespritzt. von den Kosten her ist das auch wohl sehr viel günstiger…..)

  3. Anonym sagt:

    Sehr geehrter Herr Professor Schatz,

    wäre es denkbar die Subkutane Injektion mit dem Wirkstoff des Nebido zu entwickeln ?
    Eine schöne Aufgabe für die Pharma Industrie. Zumindest theoretisch müsste es damit möglich sein einen längeren Intervall mit stabilen Spiegeln zu erreichen. Oder wie sehen Sie das ?

    Freundliche Grüße,
    Anonym

    • Helmut Schatz sagt:

      Vier ml Rhizinusöl subkutan geht wohl kaum! Und das Depot sollte dann ca. 3 Monate liegen bleiben und Testosteron abgeben. Iim Unterhautfettgewebe wohl nicht zu realisieren.

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