Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Tamoxifen bei Brustkrebs nach ATLAS-Studie 10 Jahre lang geben!


Bochum, 22. März 2013:

Bei knapp 7000 Brustkrebspatientinnen mit positiven Östrogenrezeptoren (ER) wurde nach 5 Jahren Tamoxifengabe diese Therapie randomisiert bei der einen Hälfte weitergeführt, bei der anderen nicht. Die Mortalität an Brustkrebs wurde in der 2. Fünfjahresperiode nach Diagnose durch Tamoxifen signifikant gesenkt (1).

Die ATLAS-Studie (Adjuvant Tamoxifen: Longer Against Shorter) untersuchte weltweit in 36 Ländern an 6846 ER-positiven Brustkrebspatientinnen nach 5-jähriger Tamoxifentherapie, ob eine Verlängerung der Antihormongabe über 10 Jahre von Nutzen ist. Es wurden Patientinnen eingeschlossen, bei denen initial alles Brustkrebsgewebe entfernt werden konnte („early breast cancer“). In der Tamoxifengruppe (10 Jahre Therapie) wurde ein Rezidiv bei 617 von 3428, in der Kontrollgruppe bei 711 von 3418 Frauen beobachtet (p=0.002). Die Brustkrebsmortalität sank ebenso (331 vs. 397 Todesfälle, p=0.01), auch die Gesamtmortalität (639 vs. 722, p=0.01). Die Inzidenzraten (RR) für Nebenwirkungen zu Ungunsten der 10-Jahrestherapie betrugen für die Pulmonalembolie 1.87 und für den Gebärmutterkrebs 1.74, während sie für den Schlaganfall bei 1.06 und für die ischämischen Herzerkrankungen bei 0.76 lag. Die Effekte der langfristigen Tamoxifengabe wirkten sich auch noch danach bis zu 15 Jahren aus.

Kommentar

In seinem Kommentar zur Studie (2) schreibt Trevor J. Powles: „Overall the benefits of extended tamoxifen seemed to outweigh the risks substantially”. Bei postmenopausalen Brustkrebspatientinnen mit schlechter Prognose müsse geklärt werden, ob eine 10-jährige Tamoxifengabe einen Vorteil gegenüber Aromatasehemmern wie Letrozol habe und wie etwa Aromatasehemmer und Tamoxifen sequenziell zu kombinieren seien. Für prämenopausale Patientinnen seien die Resultate der „aTTom“-Studie (adjuvant Tamoxifen – To offer more?) noch nicht publiziert, die an 7000 Frauen ebenfalls eine 5 gegenüber einer 10-jährigen Tamoxifengabe verglich (3). Die Ergebnisse der ATLAS-Studie unterstreichen eindeutig die Notwendigkeit einer Therapieverlängerung über 5 Jahre hinaus. Für die mittlerweile postmenopausal gewordene Frau besteht auch die Option eines Wechsels auf Aromatasehemmer. Letztlich muss auch das Nebenwirkungsprofil in die Therapieentscheidung miteinbezogen werden (4).

Helmut Schatz

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Literatur

(1) C. Davies et al.: Long-term effects of continuing adjuvant tamoxifen to 10 years versus stopping at 5 years after diagnosis of oestrogen receptor-positive breast cancer: ATLAS, a randomized trial.
Lancet 2013. 381:805-816

(2) T.J. Powles: Extended adjuvant tamoxifen for breast cancer – a new era?
Lancet 2013. 381:782-783

(3) H. Earl et al.: The optimal duration of adjuvant tamoxifen treatment for breast cancer remains uncertain: rendomize into aTTom.
Clin. Oncol. (R. Coll. Radiol.)1997. 9:297-299

(4) Th. Strowitzki: Persönliche Mitteilung, 21. März 2013

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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9 Antworten auf Tamoxifen bei Brustkrebs nach ATLAS-Studie 10 Jahre lang geben!

  1. u.geiger sagt:

    Sehr geehrter Professor Schatz,
    ihren Beitrag habe ich mit Interesse gelesen. Bin aber jetzt sehr verunsichert.

    Ich hatte 2008 BK, 40 LJ, brusterhaltende OP, ER 9, PR 6 Lymphknoten nicht befallen, Bestrahlung. Danach AHT mit Zoladex und Tamoxifen. Zoladex habe ich nach 3 Jahren mit Absprache meines Onkologen abgebrochen, da die Nebenwirkungen furchtbar waren und ich Tamoxifen nach CYP206-Test gut metaboliesiere.
    Ich habe im März meine Tamoxifen-Therapie beendet, 5 Wochen danach aber wieder damit angefangen.
    Ich weiß nicht, was richtig ist.
    Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen.

    Herzlichen Dank, mit freundlichen Grüßen
    U. Geiger

  2. Helmut Schatz sagt:

    Sehr geehrte Frau Geiger, ich habe Ihre Anfrage an die Gynäkologen Prof. Strowitzki und Prof. Rabe, Heidelberg weitergeleitet mti der Bitte, Ihnen zu antworten.
    Helmut Schatz

  3. Helmut Schatz sagt:

    Sehjr geehrte Frau Geiger,
    die Heidelberger Gynäkologen/Onkologen bitten Sie, sich bei einem gynäkologischen Onkologen oder in einem Brustkrebszentrum in Ihrer Region vorzustellen. Aus grundsätzlichen Erwägungen soll man „Fernbehandlungen“, und auch keine „Fernberatungen“ von Patienten vornehmen, die man nur per e-mail oder telefonisch kontaktiert hat und gar nicht selbst gesehen und untersucht hat.
    Ihnen alles Gute!
    Ihr
    Helmut Schatz

  4. Irmtrud Meger-Kossien sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Schatz,

    da ich im November diesen Jahres die 5 jährige Tamoxifeneinnahme beendet habe, habe ich mit grossem Interesse die Ergebnisse der ATLAS Studie gelesen. Haben Sie Kenntnisse darüber, ob die Ergebnisse auch für Sub-gruppen vorliegen, oder nur für das Gesamtpatientenkollektiv. Da ich mitlerweile postmenopausal bin, beschäftigt mich diese Frage. Vielen herzlichen Dank I. Meger

  5. Helmut Schatz sagt:

    Sehr geehrte Frau Meger-Kossien, leider habe ich da keine speziellen Kenntnisse, ich bin ja auch kein gynäkologischer Onkologe. Frau Geiger -siehe den obigen Kommentar -habe ich nach meiner Anfrage bei den Heidelberger gynäkologischen Onkologen auch an das regionale Brustkrebszentrum verwiesen und empfehle Ihnen, dort nachzufragen.
    Alles Gute!
    Helmut Schatz

  6. doro sagt:

    Hallo Leidensgefährten, nehme seit 3 Jahren tamoxifen, die Hitzewellen waren noch erträglich. Seit etwa 10 Monaten plagen mich starke Bein und Gelenkschmerzen, nach langem sitzen oder langen Spaziergängen ist es sehr schmerzhaft und nachts an Schlaf nicht zu denken. Komme mir vor, als wäre ich kurz vor 80. Dabei bin ich gerade mal 51 Jahre. Wer kann mir helfen und Tipp`s geben, wie es erträglicher wird?

  7. Sonnenschein sagt:

    Hallo Doro, ich bin vor 4 Wochen , nach 5 Jahren fertig geworden. Bin super froh. Leider muss ich sagen das es mir noch nicht gut geht. würde mich gerne über unsere Erfahrungen austauschen.

  8. Müller sagt:

    Hallo zusammen, habe 1 Jahr Tamox genommen hatte 2 Brusterhaltene Op’s Lymphknoten waren nicht befallen dafür Metastasen im Brustbein in großer Ausdehnung,hatte dann 45 bestrahlungen davon 5 boost dann Therapie mit Tamox und Zoledron, die Nebenwirkungen von Tamox sind einfach nur unerträglich geworden für mich, da mir meine Lebensqualität wichtiger als Lebenszeit ist werde ich es auch weiterhin nicht mehr nehmen, in der Therapie Zeit gab es ausserdem Rezidive Oberschenkel, Becken und Rippen also von daher eh egal ich lebe genauso weiter wie vorher und ich denke für ist es die richtige Entscheidung, mit Tamoxifen war ich nicht mehr ich, jetzt regeneriert sich mein Körper so langsam wieder und ich fühle mich um einiges besser :-* ich bin froh das ich mich gegen Tamoxifen entschieden habe

  9. Bündneri sagt:

    Hallo Sonnenschein. Wie geht es dir heute? Habe meine 5 Jahre Tamox auch bald hinter mir.
    Und überlege ob ich sie dann absetzen soll.

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