Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Teplizumab, ein Anti-CD3-Antikörper, verzögert den Typ-1-Diabetes-Ausbruch bei Verwandten mit hohem Risiko


Bochum, 16. August 2019:

In einer randomisierten, plazebokontrollierten doppelblinden Phase II-Studie an 76 nicht-diabetischen Verwandten von Typ-1-Diabetespatienten mit hohem Erkrankungsrisiko (Erstautor K.C. Herold von der Yale University in New Haven, und Mitarbeitern, darunter auch das DDG-Mitglied Anette Ziegler aus München) wurde durch eine 14-tägige intravenöse Gabe von Teplizumab, einem Anti-CD3-Antikörper, die Progression zum bis zum Auftreten eines Typ-1-Diabetes um 2 Jahre signifikant verzögert (1).

Von 112 gescreenten potenziellen Risikopersonen wurden 76 Verwandte von Typ-1-Diabetespatienten in die Studie aufgenommen. Sie mussten zwei oder mehr Diabetes-assoziierte Antikörper aufweisen, nachgewiesen in zwei Serumproben während 6 Monaten vor Randomisierung. Zusätzlich mussten eine Dysglykämie in einem Glukosetoleranztest bestehen, definiert als Nüchterglukose zwischen 110 und 125 mg/dl (6.1 und 6.9 mmol/l), einen 2h-postprandialen Plasmaglukosewert zwischen 140 mg/dl (7.8 mmol/l) und 200 mg/dl (11.1 mmol/l) oder postprandiale Glukosewerte  über 200 mg/dl (11.1 mmol/l) zu zwei Zeitpunkten. Teplizumab-Dosis:  beginnend mit 51 µg /m2 Körperoberfläche, Steigerung bis 826 µg am letzten Tag. In die Verumgruppe wurden 44, in die Plazebogruppe 32 Personen aufgenommen. Das Ergebnis zeigt Abbildung 1 (aus Lit. 1):

Abbildung 1:

Verzögerung des Ausbruchs eines Typ-1-Diabetes bei Risikopersonen durch  Teplizumab (schwarz) vs. Plazebo (rot). Quelle: NEJM  vom 15. August 2019  (Lit. 1).

Nebenwirkungen: Die Lymphozyten nahmen ab (niedrigster Wert am 5. Tag: Reduzierung um 72%) . Die Lymphopenie normalisierte sich bei allen wieder nach 45 Tagen außer bei                1 Person erst nach 105 Tagen. Bei etwa einem Drittel trat ein Hautausschlag auf, der wieder verschwand.

Kommentar

In einem begleitenden Editorial (2) betonen  Clifford J. Rosen vom Maine Medical Center Research Institut in Scarborough und Julie R. Ingelfinger, dass die Resultate der Studie nicht als Beweis dafür genommen werden sollten, dass Immunmodulation einen potenziell kurativen Ansatz darstelle. Vielmehr seien sie indirekte Evidenz für die Pathogenese der Betazelldestruktion und dafür, dass die neuen biologischen Agenzien den Verlauf des Typ-1 – Diabetes modizifieren könnten. Einschränkend sei zu bemerken, dass die Teilnehmerzahl mit 76 sehr klein und die Behandlungsdauer von 2 Wochen sehr kurz gewesen war. Die Langzeitfolgen einer solchen Therapie seien nicht abzusehen. Auch müsse man die Subgruppen finden und definieren können, die keinen Response zeigen und auch diejenigen mit einer positiven Antwort (2).

Helmut Schatz

Literatur

(1) K.C. Herold et al., for the Type 1 Diabetes TrialNet Study Group: An Anti-CD3 Antibody, Teplizumab, in Relatives at Risk for Type 1 Diabetes.
New Engl. J. Med. 2019. 381(7):603-613. DOI: 10.1056/NEJMoal1902226

(2) C.J. Rosen, J.R.Ingelfinger, Traveling down the Long Road to Type 1 Diabetes Mellitus Prevention (Editorial).
New Engl. J. Med. 2019. 381(7):666-667. DOI: 10.1056/NEJMe1907459

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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