Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Testosteron fördert die Ehrlichkeit


Männer verhalten sich nach Testosteronzufuhr ehrlicher als Kontrollpersonen unter Placebo. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Forschern am Center of Economics and Neuroscience (CENS) und Endokrinologen der Universität Bonn sowie Kollegen der Maastricht University (1). Das männliche Hormon fördere somit eine Komponente des Sozialverhaltens im positiven Sinne.

Von 91 gesunden Männern erhielten 46 Testosteron als Gel, 45 ein Placebo-Gel. Die Verumgruppe wies am nächsten Tag dementsprechend auch deutlich höhere Testosteronspiegel auf. Die Probanden wurden verblindet in separate Kabinen gesetzt und hatten im Verborgenen zu würfeln, wobei der zur Belohnung ausgesetzte Geldbetrag umso höher sein sollte je höher die gewürfelte Augenzahl war. Diese konnte während des Versuches keiner außer dem Probanden selbst sehen. Es bestand also die Möglichkeit zu schwindeln. Im Nachhinein konnte jedoch überprüft werden, ob geschummelt wurde oder nicht. Ergebnis: Die Probanden der Verumgruppe mit den höheren Testosteronwerten logen deutlich seltener als die Kontrollpersonen.

Kommentar des Referenten:

Testosteron ist für die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale verantwortlich, steigert die Libido und fördert den Aufbau des muskuloskelettalen Systems. Man verbindet mit dem Hormon aber auch Aggressivität, Bereitschaft zum Risiko und Imponiergehabe. Prof. Armin Falk, der Seniorautor der Studie, äußert, dass das Ergebnis dieses experimentellen Versuchsprotokolls dem eindimensionalen Ansatz widerspreche, dass Testosteron zu antisozialem Verhalten führt. Er nimmt an, dass Testosteron den Stolz und das Bedürfnis steigere, sich selbst positiv zu sehen. Etwas mehr Geld zur „Belohnung“ sei es nicht wert, dieses Selbstwertgefühl zu gefährden. Im Körper der Frau kommt auch Testosteron vor, wenn auch in viel niedrigeren Konzentrationen. Da die einmalige Applikation eines Testosteron-Gels bei Frauen wohl kaum Schaden stiften dürfte, wäre die Wiederholung des Versuches mit Probandinnen gewiß von Interesse. Man könnte gegebenenfalls Aufschluß über eine der Ursachen für das unterschiedliche Verhaltensmuster von Männern und Frauen in bestimmten Lebenssituationen erlangen.

Literatur:

(1) Matthias Wibral, Thomas Dohmen, Dietrich Klingmüller, Bernd Weber, Armin Falk: Testosterone administration reduces lying in men.
PLoS ONE, 2012. DOI: 10.1371/journal.pone.0046774

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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