Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Unter Testosterongabe an hypogonadale Männer kardiovaskulärer Nutzen gefunden


Bochum, 17. Juli 2021:

Auf dem Europäischen Urologie-Kongress wurden am 10. Juli 2021 von Omar Aboumarzouk aus Doha, Katar die Ergebnisse einer Studie mit Testosteron  an hypogonadalen Männern aus Deutschland und Katar vorgetragen (1). In einer kumulativen Register-Studie über im Mittel 10 Jahre, Beginn 2004, aus Bremen, Dresden, Münster und Doha wurden von insgesamt 805 erfassten hypogonadalen Männern 412 mit parenteral 1000 mg Testosteron alle 12 Wochen behandelt, während 393 eine Testosterongabe ablehnten und unbehandelt blieben.

Alle Studienteilnehmer hatten ein höheres bis hohes kardiovaskuläres Risiko. Der Framingham-Risc Score betrug in der Testosterongruppe 15.5% und in der Kontrollgruppe 15.8%, das 10-Jahresrisiko 22.7% und 23.5%.

Ergebnisse:

Unter Testosteron zeigten die hypogonadalen Männer Verbesserungen der klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Adipositas, Glukosestoffwechsel, Lipidspiegel und C-reaktives Protein als Inflammationsmarker, während sich diese alle bei den unbehandelten Kontrollpersonen verschlechterten.

In der Testosterongruppe kam es zu 16 Todesfällen, davon keiner wegen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls. In der Kontrollgruppe traten hingegen 74 Todesfälle auf, 70 erlitten einen Herzinfarkt und 59 einen Schlaganfall.

Kommentar

Omar Aboumarzouk (Doha, Katar) betonte, dass die Ergebnisse nur für hypogonadale Männer Gültigkeit hätten und keineswegs für eine Testosterongabe an Männer mit unspezifischen Symptomen und Testosteronspiegeln noch im Referenzbereich sprechen könnten.

Maarten Albersen, ein an der Studie unbeteiligter Urologe aus Löwen/Louvain in Belgien wies darauf hin, dass die Studienteilnehmer unter Testosteron jünger waren als die Kontrollen (57,7 vs. 63,7 Jahre, p<0.001). In statistischen Modellen sei allerdings das Alter berücksichtigt worden, ebenso wie auch Body Mass Index, Diabetes,  Lipidspiegel, systolischer Blutdruck,  Rauchen und Alkohol.  Die Studie habe, wie Albersen hervorhob, zwar lange genug gedauert, aber die Patientenzahl sei recht gering gewesen.  Vor allem aber sei es keine randomisierte Studie gewesen. Somit sei es schwierig, aus ihr harte Schlussfolgerungen zu ziehen. Es laufe bereits eine Studie mit 6000 Teilnehmern, um einen kardiovaskulären Nutzen einer Testosterongabe an hypogonadale Männern zu untersuchen.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Omar Abounarzouk et al., Abstract PO532.
European Association of Urology 2021 Annual Meeting (EAU 2021).

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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