Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Verbessertes Künstliches Pankreas und etwas günstigere Resultate mit einem bihormonalen System


Neuigkeiten vom Kongress der Amerikanischen Diabetesgesellschaft (ADA), Teil I

Bochum, 17.6.2020:

Auf dem virtuellen 80. Kongress der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (ADA) wurden am 12. Juni 2020 drei Studien mit dem neuen Künstlichen Pankreas von Medtronic MiniMed 780G vorgestellt. Im Unterschied zu der bisherigen MiniMed 670G verwendet es zur Absenkung erhöhter Glukosewerte nicht eine Änderung der Insulin-Basalrate, sondern Korrektur-Boli. Die Glukosewerte können per Bluetooth an einem Smartphone abgelesen werden. Die Patienten müssen aber nach wie vor die Kohlenhydrate berechnen und die Insulin-Boli vor den Mahlzeiten selbst eingeben (= „Semihybrid-Closed-Loop“-System). Mit dem neuen Gerät ergaben sich bessere Werten für die Einstellung (beurteilt an der Time-In-Range). Auch kann der untere Glukose-Zielwert jetzt mit 100 und nicht wie bei der 670G mit 120 mg/dl eingegeben werden. Die Studien trugen Richard M. Bergenstal aus Minneapolis, Bruce W. Bode aus Atlanta und Martin de Bock aus Otago, N.Z. vor. In der Europäischen Union wurde die MiniMed 780G  für Typ-1-Diabetespatienten von 7-80 Jahre bereits zugelassen. Sie soll noch im Jahre 2020  an ausgewählte europäische Länder verschickt werden Die Studien von Bruce und de Brock sind Basis  für die beantragten Zulassungen in der USA bzw. Neuseeland.

In der Debatte: „Soll man für das Künstliche Pankreas ein Single- oder ein Bihormonales System verwenden?“  sprachen R. Hovorka und S. Russel.

Bereits Anfang der 1970er Jahre experimentierte Ernst Friedrich Pfeiffer, der Lehrer des Referenten (H.S.) in Ulm mit einem bihormonalen Künstlichen Pankreas mit Insulin- und Glukagonzufuhr. Die Arzthelferin des Referenten in der Diabetesambulanz stellte sich als erste Patientin mit einem Typ-1-Diabetes zur Verfügung. Dann hörte man lange Zeit nichts davon und erst seit einigen Jahren wird dieses Thema wieder aktuell. In der Debatte auf dem ADA 2020 wurde eine 11 Tage dauernde Behandlung von 20 Patienten durch ein bihormonales System mit einer halbjährigen Therapie von 112 Patienten mit einem nur Insulin zuführenden closed-loop-System – indirekt – verglichen. Die bihormonale Behandlung  schnitt etwas günstiger ab, die Time in Range betrug  damit 78% vs. 71% mit Insulin allein. In kurzen, meist nur 1 Tag dauernden Studien nahmen die Hypoglykämien insbesondere bei sportlicher Betätigung ab. In Zusammenschau aller dieser Untersuchungen verringerte sich die „Time in Hypoglycemia“ mit Insulin allein um 1.28%, mit dem Insulin-Glukagon-Systen um 2.95%.

Es sind aber längere und größere Vergleichsstudien nötig, um einen definitiven Vorteil von bihormonalen Systemen zu belegen.

Helmut Schatz

Literatur

Vorträge auf dem  80. Kongress (virtuell) der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft 2020.

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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