Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Vitamin D-Gabe während Schwangerschaft und Stillperiode: Kein Einfluss auf das Wachstum der Kinder


Bochum, 20. August 2018:

Im New England Journal of Medicine erschien am 9. August  2018 ein Bericht über eine randomisierte doppelblinde plazebokontrollierte Studie an Kindern ein Jahr nach ihrer Geburt. Die Mütter hatten während der Schwangerschaft und eine Gruppe auch postpartum wöchentlich Vitamin D in unterschiedlichen Dosierungen erhalten. Weder das fetale noch das kindliche Wachstum wurden durch Vitamin D-Gabe beeinflusst (1).

Daniel Roth als Erstautor vom Hospital of Sick Children in Toronto, Kanada und seine Kollegen untersuchten in Bangladesh 1165 Kinder, deren Mütter ab der 17. – 24. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt, eine Gruppe auch noch postpartal bis zum 6 Monat  Vitamin D erhalten hatten. Outcome war der kindliche length-for- age z-Score nach 1 Jahr gemäß den kindlichen Wachstumsstandards der World Health Organisation (WHO). Die Kontrollgruppe erhielt weder während noch nach der Schwangerschaft Vitamin D  (Plazebo-Gruppe), drei Gruppen von Müttern pränatal Vitamin Dw  (4200 IE, 18.600 IE oder 28.000 IE wöchentlich). Eine fünfte Gruppe bekam sowohl pränatal als auch postpartal 26 Wochen lang 28.000 IE Vitamin D.

Ergebnisse: Es fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen: Die Scores (Mittelwert +/- SD) betrugen für Plazebo: -0.93 +/- 1.05; pränatal 4200 IE: -1.11 +/- 1.12; pränatal 16.800 IE: -0.97 +/- 0.97; pränatal 28.000: -1.06 +/-1.01;  pränatal und postnatal 28.000 IE: -0.94 +/- 1.00 (p=0.23 bei globalem Test zwischen den Gruppen). Auch andere anthropometrische Tests,  Geburts-Outcomes und Morbidität zeigten keine signifikanten Differenzen.  Vitamin D -Gabe zeigte die erwarteten Effekte auf die mütterlichen und kindlichen Konzentrationen von 25-Hxdroxyvitamin D und Kalzium sowie auf die mütterliche Urinkalziumexkretion und den mütterlichen Parathormonspiegel hatte. Es gab keine signifikanten Unterschiede im Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen zwischen den Gruppen mit Ausnahme einer höheren Rate möglicher Hyperkalziurien bei den Müttern, welche die höchste Vitamin D – Dosis erhalten hatten.

Abbildung (aus Lit.1)

Kommentar

Diese Untersuchung erfolgte in Bangladesh, einer Region mit weit verbreitetem Vitamin D – Mangel  und vergleichsweise geringem fetalen und kindlichem Wachstum. Deshalb sollte dort die Frage geprüft werden, ob Vitamin-D – Zufuhr dieses Wachstum verbessern könnte. Die Abbildung aus dem NEJM (Lit. 1) zeigt die mütterlichen Vitamin D –Spiegel unter Plazebo und bei Substitution (oberer Teil) sowie bei den Neugeborenen im Nabelschnurblut (unterer Teil rechts). Die Ausgangswerte für Vitamin D in der Mitte der Schwangerschaft lagen im Mittel um die 25-30 nmol/l (10-12.5 ng/ml),  bei 64%  der Schwangeren unter 30 nmol/l, somit gemäß der Definition des Robert-Koch-Instituts im Bereich des „moderaten“ bis „schweren“ Vitamin D – Mangels. Dennoch hatte eine Vitamin-D – Spiegelanhebung, wie aus der Abbildung ersichtlich, keinen Effekt auf die oben geschilderten kindlichen Parameter. Dies ist enttäuschend und gliedert sich ein in die immer länger werdende Liste negativer Ergebnisse mit Vitamin D in randomisierten doppelblinden plazebokontrollierten Studien. Einschränkend bleibt aber die Frage offen, ob eine noch frühere Vitamin-D – Zufuhr nicht doch  einen Nutzen gebracht hätte. Bemerkenswert ist, dass nach 12 Monaten die Vitamin D- Spiegel der Kinder in allen Gruppen im Bereich von etwa 45-55 nmol/l (18-22 ng/ml) lagen  (siehe unterer Teil der Abbildung ganz rechts). Offenbar nahmen sie ausreichend Vitamin D zu sich. Ob dies Folge einer Rachititsprophylaxe nach Entbindung im Rahmen einer Gesundheitsvorsorge war entzieht sich der Kenntnis des Referenten.

Helmut Schatz

Literatur

(1) D.E.Roth et al.: Vitamin D supplementation in pregnancy and lactation and infant growth.
New Engl. J. Med., August 9, 2018. 379(6):535-546

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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