Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren vermindern das Risiko für Autoimmunerkrankungen in der VITAL-Studie


Bochum, 10. November 2021:

Vor drei Jahren wurde im DGE-Blog über die negativen Ergebnisse der VITAL-Study für Herzkreislauferkrankungen und Krebs mit Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren berichtet (1). In dieser Studie waren ~25.000 Teilnehmer, Männer und Frauen zu etwa gleichen Teilen im Alter ab 50 bzw. 55 J., fünf Jahre lang prospektiv mit den beiden Substanzen randomisiert im Vergleich zu Plazebo untersucht worden. Am Schluss dieses Beitrags hieß es: „In den nächsten Wochen und Monaten werden wir ganz bestimmt eine große Zahl von Publikationen über weitere Analysen, auch über das gesamte in der VITAL Study erfasste Spektrum an weiteren Erkrankungen bzw. gesundheitsrelevanten Daten erfahren“ (1).

Jetzt wurden am 7. November 2021 auf dem Amerikanischen Rheumatologenkongress positive Resultate für Autoimmunerkrankungen in dieser Studie vorgetragen (2). Bestätigte Autoimmunerkrankungen traten unter Vitamin D bei 123, unter Plazebo bei 155 Patienten auf (Hazard Ratio (HR) 0.78; p= 0.045). Unter Omega-3-Fettsäuren entwickelten 130 eine Autoimmunerkrankung, unter Plazebo 148 (HR 0.85; n.s.). Wenn die Subgruppen in einem factorial design analysiert wurden, nahmen die HR´s noch um etwa ein Viertel ab: Für Vitamin D allein betrug die HR dann 0.68 (p=0.02), für Omega-3-Fettsäuren 0.74 (n.s.). Die NNT (number needed to treat) zur Verhütung einer Autoimmunerkrankung betrug für beide geprüften Substanzen 167 (94-769).

Kommentar

Die Moderatorin der Sitzung, Tracy Frech von der Vanderbildt University kommentierte, dass es ihre Praxis sei, Vitamin D allen Patienten mit Autoimmunerkrnkungen und niedrigem Vitamin-D – Spiegel zu geben, auch entsprechend den Osteoporose –Leitlinien. Der Co-Vorsitzende, Gregg Silverman aus New York sagte spontan: „Now I will go to a nutrition store to get some vitamins“. Die Vortragende der Autorengruppe aus Boston, Karen Costenbader wies auf die Limitationen hin: Es seien nicht genügend Hochrisiko-Teilnehmer mit nahrungsbedingten Defizienzen in der Studie gewesen. In einer solchen Population wäre der Nutzen von Vitamin D und Omega-3- Fettsäuren wohl größer ausgefallen. Auch hätten die Resultate nur Aussagekraft für ältere Personen und es sei schwierig gewesen, die Inzidenz von autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen zuverlässig zu erfassen, wenn diese nur auf Patientenberichten beruhten.

Man darf gespannt sein, ob bzw. welche weiteren Subanalysen der VITAL Study noch erscheinen werden.

Helmut Schatz

Literatur

1. Helmut Schatz: Weder Vitamin D noch Omega 3-Fettsäuren schützen vor Herz-Kreislaufereignissen oder Krebs: die Ergebnisse der VITAL-Studie.
DGE-Blogbeitrag vom 11. November 2018

2. Jill Hahn et al.: Vitamin D and Marine n-3 Fatty Acid Supplementation and Prevention of Autoimmune Disease in the Randomized Controlled Trial.
Abstract Nr. 0957, American Congress of Rheumatology. Plenary Session November 7, 2021

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Permalink.

2 Antworten auf Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren vermindern das Risiko für Autoimmunerkrankungen in der VITAL-Studie

  1. Konstanton Wechsler sagt:

    Die ist ein erfreuiiches, positives Resultat in einen RCT. Insofern ist es wertvoll, denn die Unzahl von positiven epidemiolischen, Kohorten- und anderen Daten etc.beweisen noch nicht einen Nutzen einer (generellen) Vit. D -Suplememtierung. Die Ergebnisse dieser Auswertung der VITAL-Studie sind aber recht bescheiden. Für Vit.D gerade leicht signifikant (p= 0.045 bzw. 0 02, für Omega-3-Fettsäuren immer nicht signifikant. Warten wir weitere Subabalysen ab. Subanalysen werden von Statistikern immer zurückhaltend – kritisch betrachtet.

  2. Dr. Horst Schröder, Rheumatologe sagt:

    Die Moderatorin Tracy Frech handelt in ihrer Praxis also so wie viele, ich auch: Vitamin D-Gabe an Patienten bei Mangel.

Bitte kommentieren Sie diesen Beitrag!

- Kommentare sind auf 1000 Zeichen beschränkt. Bei Umgehen dieser Regelung durch mehrere aufeinanderfolgende Kommentare werden diese gelöscht.
- Wir schätzen eine wissenschaftlich-sachliche Diskussion.
- Bei erbetenen 'Fernberatungen' hat der Leser zu entscheiden, inwieweit er seine persönlichen Daten öffentlich bekanntgeben möchte (Datenschutz!)

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Verbleibende Zeichenanzahl

Mit dem Absenden des Formulars erklären Sie sich mit der Verarbeitung der übermittelten Daten einverstanden. Details hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.