Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Vitamin D schützt nicht vor Diabetes Typ-2


Bochum, 17. Juni 2019:

Auf dem Kongress der Amerikanischen Diabetes-Assoziation (ADA) in San Francisco vom 7.-11-Juni 2019 wurden die Ergebnisse des „Vitamin D and Type 2 Diabetes (D2d) Trial“, einer prospektiven, randomisierten plazebokontrollierten Studie (RCT) mit Vitamin D-Gabe versus Placebo an 2423 Menschen mit gestörter Glukosetoleranz von Anastassios Pittas aus Boston präsentiert. Es ergab sich nach 2.5 Jahren kein signifikanter Nutzen für das Gesamtkollektiv. Die Resultate wurden zeitgleich im New England Journal of Medicine online publiziert (1).

Die Personen wurden nach folgenden drei Kriterien ausgewählt, von denen mindestens zwei vorliegen mußten: Nüchtern-Plasmaglukose 100-125 mg/dl, Plasmaglukose 2 Stunden nach 75g oraler Glukose 140-199 mg/dl und HbA1c 5.7-6.4 %. Es wurden entweder täglich 4000 E Vitamin D oder Plazebo gegeben, unabhängig vom basalen Vitamin D – Spiegel. Primäres Outcome war das Neuauftreten eines Diabetes.

Ergebnisse: Nach 24 Monaten war in der Gruppe mit täglich 4000 IE Vitamin D der  25-Hydroxyvitamin D- Spiegel von basal 27.7 ng/ml auf  54 ng/ml gestiegen, in der Plazebogruppe blieb er unverändert (basal 28.2, nach 2 Jahren 28.8 ng/ml). Nach im Mittel 2.5 Jahren ereignete sich das primäre Outcome eines Diabetesauftretens  unter Vitamin D bei 293 Personen, unter Plazebo  bei 323 (9.39 vs. 10.66 Ereignisse pro 100 Patientenjahre;  HR 0.88, 0.75-1.04, p=0.12).  In der Rate unerwünschter Nebenwirkungen bestand kein Unterschied.

Eine post-hoc-Analyse  untersuchte die Ausgangsspiegel der Probanden und fand bei 80% Vitamin D >/= 20 ng/ml („sufficient“), bei 17.4% lag der Spiegel zwischen 12 und 19 ng/l („insufficient“) und bei 4.3% im Bereich der „deficieny“ <12 ng/ml. Die Personen mit Spiegeln <20 ng/ml (insufficiency) war das Outcome gleich wie bei denen mit Werten >/= 20 ng/ml (HR 0.87 bzw. 0.89). Ein Nutzen zeigte sich bei den 103 Teilnehmern mit einer deficiency (<12 ng/ml): HR 0.38, 0.18-0.80).

Kommentar

Deborah Wexler  von der Havard Medical School,  Massachusetts General Hospital in Boston verfaßte zur D2d-Studie ein Editorial (2). Sie meinte, dass eine Hazard Ratio von 0.88  einen geringen Vitamin D –Effekt zwar nicht ausschließe, der vielleicht bei Verlängerung der Beobachtungsperiode und Erhöhung der Zahl der Probanden  mit ausreichenden Vitamin D-Werten erkennbar würde. Sie schrieb : “Any benefit of vitamin D for diabetes prevention, if present, is modest and clearly does not pertain to a vitamin D-sufficient population. Wether targeting populations with vitamin D levels below 12 ng/ml (=”deficiency”),  many of whom have additional risk factors for diabetes,  would have an effect on beta-cell function and progression to type 2 diabetes remains unsolved”. In den USA würden „insuffiziente“ Vitamin D –Spiegel in höherem Alter, bei Schwarzen, Asiaten, Hispanics sowie bei Obesitas und anderen Erkrankungen gefunden. In manchen der früheren Observationsstudien, die einen deutlichen Zusammenhang einer Vitamin D –Defizienz (<12 ng/ml) mit einem erhöhten Risiko für Typ-2 Diabetes beschrieben hatten, wurden diese Einflussgrößen (confounders) nicht berücksichtigt, die wohl in die gefundene Korrelation zwischen Vitamin D-Defizienz und Typ-2-Diabetes eingegangen sein dürften.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Anastassios C. Pittas et al., fort he D2d Research Group: Vitamin D supplementation and prevention of type 2 diabetes.
New Engl. J. Med. June 7, 2019. DOI: 10.1056/NEJMoa1900906

(2) Deborah J. Wexler: D2d – No defense against diabetes. Editorial.
New Engl. J. Med. June 7, 2019. DOI: 10.1056/NEJMoa1906815

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf Vitamin D schützt nicht vor Diabetes Typ-2

  1. Helmut Schatz sagt:

    Prof. Stephan Martin aus Düsseldorf berichtet über die D2d-Studie unter dem griffigen Titel: „Sargnagel für Vitamin D als Diabetes-Schutz? Große Interventionsstudie vom ADA-Kongress enttäuscht“

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