Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Vitamin D und Krebs: Widersprüchliche Ergebnisse in zwei Studien


Berlin, 1. Juni 2019:

Am 9. April 2019 erschienen im Journal der Amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA) die Resultate zweier randomisierter, prospektiver Doppelblindstudien (RCTs). Die erste, die SUNSHINE- Studie (1) bei 131 US-Patienten mit  fortgeschrittenem oder metastasiertem kolorektalen Krebs, fand bei zusätzlich zu mFOLFOX6 + Bevacizumab gegebenem hochdosiertem (4000 IE) vs. niedrigdosiertem (400 IE) Vitamin D pro Tag eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens von 13 vs. 11 Monaten, was statistisch zwar nicht signifikant war, mit einer multivariaten Hazard Ratio von 0.64 für progressionsfreies Überleben oder Tod aber Signifikanz erreichte. In der zweiten, der AMATERASU-Studie (2) an 417 japanischen Patienten mit Krebs des Verdauungstraktes von der Speiseröhre bis zum Mastdarm  betrug nach Operation die Rate rezidivfreien Überlebens oder bis zum Tod unter 2000 IE Vitamin D pro Tag  77%, unter Plazebo  69% (nicht signifikant).

Kommentar

Im Editorial zu den beiden Arbeiten im JAMA (3) betonen Elizabeth L. Barry et al. aus New Hampshire, dass trotz Hinweisen aus Observationsstudien die randomisierten Interventionsstudien mit Betakarotin, Ascorbinsäure, Alpha-Tokopherol, Selen und Folsäure alle keinen antikanzerogenen Effekt gezeigt hätten. Dickdarm und Rektum seien besonders gut untersucht worden. Die Interventionsstudien zum Wiederauftreten von Adenomen seien jedoch durchweg negativ gewesen. Möglicherweise seien noch längere Nachbeobachtungszeiten nötig, um einen eindeutigen antikanzerogenen Effekt von Vitamin D auf Karzinome des Verdauungstraktes aufzuzeigen, wenn auch die  SUNSHINE-Studie etwa 4 Jahre, die AMATERASU-Studie 8 Jahre gedauert habe.

In den DGE-Blogbeiträgen wurde mehrfach die Untersuchungen zu einem Effekt von Vitamin D auf Krebs, im Speziellen auf kolorektale Karzinome besprochen. Die RCT´s hatten keine eindeutig positiven, aber auch keine durchweg negativen, sondern zum Teil grenzwertige Resultate ergeben (4, 5). Die Sunshine-Studie wird noch bis 2020 dauern. Dann wird man das Thema neu zu bewerten haben (6).

Helmut Schatz

Literatur

(1) Kimmie Ng et al.: Effect of high-dose vs standard-dose vitamin D3 supplementation on progression-free survival among patients with advanced or metastatic colorectal cancer.
The SUNSHINE Randomized Clinical Trial. JAMA 2019. 321(14):1370-1379. Doi:10.1001/jama.2019.2402

(2) Mitsuyoshi Urashima et al.: Effect of vitamin D supplementation on relapse-free survival among patients with digestive tract cancers. The AMATERASU Randomized Clinical Trial.
JAMA 2019.321(14):1361-1369. Doi:10.1001/jama.2019.2210

(3) Elizabeth L. Barry et al.: Vitamin D as cancer therapy? Editorial.
JAMA 2019. 321(14):1354-1355. Doi:10.1001jama.2019.2589

(4) Helmut Schatz: Vitamin D-Supplementierung und nicht-skelettale Erkrankungen: Systematische Übersicht der Metaanalysen und randomisierter Studien von 2013-2017.
DGE-Blogbeitrag vom 1. November 2017

(5) Helmut Schatz: Weder Vitamin D noch Omega 3-Fettsäuren schützen vor Herz-Kreislaufereignissen oder Krebs: die Ergebnisse der VITAL-Studie.
DGE-Blogbeitrag vom 11. November 2018

(6) ClinicalTrials.gov: Study of vitamin D in untreated metastatic colorectal cancer.
https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01516216

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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