Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Weltreligionen


Zum Jahreswechsel 2025/2026

Bochum, 31. Dezember 2025:

Im diesjährigen Weihnachtsblog der DGE wurde über zum christlichen Weihnachtsfest äquivalente anderer Religionen und Weltanschauungen berichtet (1). Leserinnen und Leser unserer Blogs werden gewiss bemerkt haben, dass nicht die millionen- bis milliarden-  schweren Religionsgemeinschaften des Konfuzianismus und des Daoismus besprochen wurden, die zusammen mit dem Buddhismus in den „Drei Lehren“ in China eine in den letzten Jahren bis Jahrzehnten Renaissance erlebten (2), hingegen das zahlenmäßig verschwindend kleine Judentum. Deswegen soll im DGE-Blog zum Jahresende der Begriff „Weltreligionen“ besprochen und kritisch hinterfragt werden.

Am häufigsten werden die in Tabelle 1 (s.u.) genannten 5 Religionen / Weltanschauungen als „Weltreligionen“ bezeichnet, die (im Jahre 2015) etwa 5.8 Milliarden Mitglieder aufwiesen.

Anhänger in Milliarden
2015 2010] 2005
Christentum 2,3 2,3 2,1
Islam 1,8 1,6 1,3
Hinduismus 1,2 0,94 0,85
Buddhismus 0,5 0,46 0,375
Judentum 0,01 0,015 0,015

„Weltreligionen“ sind nicht die 5 Religionen mit den meisten Anhängern. Mehr Anhänger als das Judentum haben Shinto, DaoismusVoodoo und Sikhismus. Ein bedeutender Teil der Weltbevölkerung hängt zudem keiner Religion an (Abb.1, s.u. links). Das Judentum hat aber ein universelles Selbstverständnis und eine große kulturprägende Bedeutung, da Christentum und Islam ihm entstammen. Zahlenmäßig fällt es aber extrem von den anderen in Tabelle 1 aufgelisteten Weltreligionen ab: Christentum und Islam betreiben aktive Missionierung,  dies ist im Judentum nicht der Fall.  Aktive Missionstätigkeit gibt es auch nicht im Buddhismus und Hinduismus. Eine Konversion zu diesen Religionen ist dennoch möglich. Die religiöse Institutionalisierung ist in Hinduismus und Buddhismus zudem nur schwach vorhanden. Und im Islam und Christentum werden pro Frau die meisten Kinder geboren.

Abb.1 (links): Prozentualer Anteil an der Weltbevölkerung
Abb.2 (rechts): Die Symbole der Weltreligionen (im Uhrzeigersinn):  Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Christentum

Unterteilungen der Weltreligionen

Abrahamitische (monotheistische) Religionen: Christentum, Islam, Judentum

Dharmaitische Religionen (i.d.R. polytheistisch, von Dharma, im Sanskrit „Pfad der Rechtschaffenheit“): Hinduismus, Buddhismus (und auch der Jainismus).

Volksreligionen

Man kann auch in „Volksreligionen“ einteilen, wobei hier die Zuordnung oft umstritten ist, zumal Überschneidungen und Kombinationen bestehen, so in den „Drei Lehren“ in China. Die „Volksreligionen“ kann man auch den „Ethnischen Religionen“ zuordnen, wenn auch der Begriff meist nur für regionale, kleine Religionsgemeinschaften indigener Völker und traditioneller Gesellschaften gedacht ist. Bei diesen existiert keine Missionstätigkeit, es gibt auch keine Schriften und keine offiziellen Mitgliederlisten.

Abschließend kann man feststellen, dass der Begriff „Weltreligionen“ nicht gut und keineswegs scharf die religiösen Gemeinschaften trennt, weshalb in der Religionswissenschaft heute der Begriff „Weltreligionen“ durch den Ausdruck: „Religionen der Welt“ ersetzt wird, der auch die Glaubensgemeinschaften ohne Schrift wie etwa bei indigenen Völkern einschließt.

Anhang:

Im DGE-Blog werden als die drei „monotheistischen“ die Abrahamitischen Religionen (auf Abraham zurückgehend) genannt: Das Christentum, der Islam und das Judentum. Jan Gerdemann aus Rheinbach schreibt dazu den Referenten (H.S.) an und verweist auf einen Artikel des 2024 verstorbenen Ägyptologen Prof. Jan Assmann, der argumentierte, dass „das Christentum unbewusste Wurzeln im alten Ägypten“ habe. Das Christentum greife die Inkarnation (Horus als Pharao), das Gottesgericht und die Unsterblichkeit der Seele auf. Dies habe die jüdisch-christliche Tradition verdrängt.  Assmann untersucht es in seinem Werk „Moses der Ägypter“, das die Figur des Moses als Brücke zwischen Ägypten und dem Monotheismus sieht und die koptische Kirche als Erbe dieser Verbindung.

Der Referent selbst möchte zur Dreifaltigkeit im Christentum, der „Trinität“ anfügen, dass es im Hinduismus auch eine heilige Dreifaltigkeit, die „Trimurti“ gibt, bestehend aus den drei Hauptgöttern Brahma, (dem Schöpfer), Vishnu (dem Erhalter) und Shiva (dem Zerstörer, Transformator). Aussenstehenden mag der Hinduismus als polytheistische Religion erscheinen. In Indien sieht man dagegen die göttliche Vielfalt als Ausdruck eines einzigen übernatürlichen Wesens, des Brahman, der heiligen Kraft (3). Während im Hinduismus zahllose weitere, auch regionale Gottheiten existieren (siehe 3), belassen es christliche Konfessionen (wenn auch nicht alle) bei „Heiligen“, vorbildlichen Menschen, die (auch regional unterschiedlich) „verehrt“ werden.

Zu unserem christlichen Fest zum Jahreswechsel 2025/26 ein

Prosit Neujahr!

Dies wünscht allen Leserinnen und Lesern

Helmut Schatz

Literatur

(1) Helmut Schatz: Das Weihnachtsfest im Christentum und entsprechende Feste in anderen Religionen.
DGE-Blogbeitrag vom 15. Dezember 2025

(2) Klaus Ehrenberger und Helmut Schatz: Der Daoismus und die „Drei Lehren“ in China. Zum Weihnachtsfest 2021.
DGE-Blogbeitrag vom 15. Dezember 2021

(3) Klaus Ehrenberger und Helmut Schatz: Der Hinduismus. Zum Weihnachtsfest 2022.
DGE-Blogbeitrag vom 15.12.2022

Posted on by Prof. Helmut Schatz
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2 Responses to Weltreligionen

  1. Dr.Ing.Klaus Heyer says:

    Dr.Ing. Klaus Heyer: Der Blogbeitrag passend zur christlichen Gedenkfeier ruft Gedanken an eine Vielzahl anderer Glaubensgemeinschaften auf. Das bewegt, immer darüber nachzudenken, wie es zu den „regionalen“ Beweggründen unterschiedlichen Glaubens ursprünglich gekommen ist; überwiegend enden diese im Überirdischen. Überzeugend die Götter der Griechen mit ihren so menschlichen Stärken und Schwächen, gern gelesen.

  2. Dr. Thomas Röhling says:

    Lieber Helmut, herzlichen Dank für Deine Weihnachtsgrüße und die Ausführungen über die Weltreligionen, die ich interessant fand. Besonders ins Auge fällt sicher der verschwindend kleine Anteil des Judentums an den Weltreligionen,und dennoch hat das Judentum eine riesige kulturprägende Bedeutung, gerade auch für uns. Wenn Thomas Mann aufrüttelnd nach den Exzessen des 3. Reiches das Weltgewissen beschwört, bezieht er sich dabei auf die 10 Gebote, die er als unabkömmlich für ein gedeihliches Miteinander betrachtet, letztlich beruhen ja auch alle Menschenrechtserklärungen darauf. Interessant fand ich auch, daß ägyptische religiöse Traditionen das Judentum/ Christentum beeinflußt haben.Das ist mir auch im vergangenen Jahr klar geworden, als ich mit großem Vergnügen die Joseftetralogie von Thomas Mann gelesen habe. Dort wird ua erzählt, wie Tut ench Ammun von der Vielgötterei zum Monotheismus hinführte, auch sonst wird einem in diesem gewaltigen Epos klar, was wir dem Judentum verdanken.

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