Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Neue Insuline: Präsentationen auf dem 51. Europäischen Diabeteskongress 2015 in Stockholm


Bochum, 8. Oktober 2015:

Im Blog der DGE wurde bereits 2x über den EASD 2015-Kongress berichtet, über die EMPA-REG OUTCOME-Studie (1) und über die Camillo-Golgi – Preisverleihung an unser Mitglied Hans-Peter Hammes (2). Die folgenden Beiträge informieren über weitere Neuigkeiten vom EASD-Kongress in Stockholm 2015.

Neue Insuline

Vorgestellt wurden u.a. das bereits auf dem Markt befindliche Toujeo® (Insulin Glargin U300, Sanofi), das erste zugelassene Biosimilar-Insulin Abasaglar® (Lilly, Boehringer Ingelheim) Peg-Lispro (BIL, Lilly, IMAGINE-Studien) sowie HM12470 (Hanmi Pharmaceuticals).

Insulin Glargin U300 (Toujeo®, Firma Sanofi)
Eine Meta-Analyse von Robert Ritzel aus München, welche die Einjahresdaten der EDITION 1,2 und 3 – Studien bei Typ 2 Diabetikern zusammenstellte, zeigte unter Insulin Glargin U300 (300 IE/ml) versus Insulin Glargin U100 (100 IE/ml) eine stärkere HbA1C-Senkung, eine niedrigere Rate an Hypoglykämien (Gesamt-  sowie nächtliche und schwere Hypgoglykämien) und geringere Gewichtszunahme  (Ritzel R, et al. Diabetes Obes Metab. 2015;17(9):859-67, DOI: 10.1111/dom.12485, sowie Poster 975, EASD).

PEG-Lispro (Polyethylen Glycol Polymer Insulin-Lispro, BIL, Firma Lilly) wurde in den „IMAGINE-Studien“ untersucht. Die Kopplung des rasch wirksamen Insulins Lispro an eine PEG-Kette gemeinsam mit der Entstehung einer Hydrathülle führt zu einer sehr langen Halbwertszeit (HWZ) des großen Insulinmoleküls (70-90 kDa) von 2-3 Tagen, die Wirkung hält > 36 h an und ein steady state wird nach 7-10 d erreicht. In IMAGINE-1 zeigte BIL eine reduzierte Rate an nächtlichen Hypoglykämien (36% niedriger unter BIL als unter Glargin U100), eine größere Gewichtsreduktion (- 1,2 kg unter BIL versus – 0,7 kg unter Glargin U100) und eine bessere HbA1C-Senkung (auf 7,0 % unter BIL versus 7,4% unter Glargin U100, p < 0,001) bei Typ 1 Diabetes Patienten. Jedoch führte BIL zu einer Erhöhung er Aminotransferase (ALAT = GPT), des Leberfettes sowie der Triglyceride. Die Gesamt-Hypoglykämierate war unter BIL höher als unter Glargin U100. In IMAGINE 1 bis 5 wurde BIL versus Glargin U100 getestet, in IMAGINE-6 gegen NPH. Die Raten nächtlicher Hypoglykämien waren in allen 6 Studien unter BIL niedriger als unter Glargin U100. Die Gesamt-Hypoglykämie-Rate aber war in IMAGINE 1 und 3 unter BIL höher als unter Glargin U100. Das Körpergewicht nahm in IMAGINE-1 und -3 unter BIL ab. Die Triglyceride sowie die Transaminase ALAT stiegen in allen 6 Studien unter BIL an. Auch das intrahepatische Fett nahm zu. In mehreren Arbeiten wird von schmerzhaften Injektionen und Reaktionen an der Injektionsstelle berichtet. Dafür zeigten sich geringere Glucoseschwankungen und z.T. eine moderate Gewichtsabnahme.

Das Langzeitinsulinsulin HM12470 (Hanmi Pharmaceuticals) muss zufolge seiner HWZ von 44 Stunden nur einmal wöchentlich appliziert werden (3,2 kDa Größe). Es zeichnet sich aus durch einen sehr langsamen Wirkbeginn und fehlende Insulinrezeptor- Downregulation (in vitro). Es besteht aus einem Insulin-Analogon (Insulin-115), welches an das nicht-glykosylierte FC-Fragment von humanem Immunglobulin konjugiert ist.

Abasaglar® (zuvor „Abasria®“, Lilly und Boehringer Ingelheim) wurde als erstes Biosimilar-Insulin in der Europäischen Union im September 2014 für Typ 1 und Typ 2 Diabetiker ab einem Alter von 2 Jahren zugelassen. Seit September 2015 wurde Abasaglar® u.a. in Deutschland, Großbritanien, Estonien, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Japan eingeführt. In andere Ländern wird dieses Biosimilar als „Basaglar®“ eingeführt werden (in der Europäischen Union bleibt es „Abasaglar®). Die Struktur dieses neuen Insulin Glargin U100 entspricht der von Lantus®. Pharmakokinetik und -dynamik sind identisch, Effektivität und Nebenwirkungsprofil vergleichbar, insbesondere die Hypgoglykämieraten  (Gesamtrate, nächtliche und schwere Hypoglykämien). Die ABEO-Studie zeigte für Abasaglar® und Lantus® ähnliche Insulinspiegel, gemessen über 24 h. In den beiden Phase-III Studien ELEMENT-1 (52 Wochen bei Typ 1 Diabetikern) und ELEMENT-2 (24 Wochen bei Typ 2 Diabetikern) fanden sich bei Biosimilar und Originalpräparat vergleichbare Blutglucose-Profile (Plasma-Nüchtern-Glucose und HbA1C-Wert). Abasaglar steht entweder als „KwikPen“ zur Verfügung, es kann aber auch mit dem wiederverwendbaren „HumaPen“ injiziert werden.

Dr. Ulrike Schatz, Dresden

Literatur

(1) Helmut Schatz: Empagliflozin (Jardiance®), ein SGLT2-Hemmer, verringert signifikant kardiovaskuläre Ereignisse bei Hochrisiko-Typ-2 Diabetes-Patienten.
Blogbeitrag vom 18. September 2015

(2) Helmut Schatz: Große Ehrung für Hans-Peter Hammes: unser DGE-Mitglied wurde in Stockholm mit dem Camiillo Golgi – Preis 2015 der Europäischen Diabetes-Gesellschaft ausgezeichnet.
Blogbeitrag vom 23. September 2015

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Publiziert am von Dr. Ulrike Schatz
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