Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Die beliebtesten deutschen Universitäten bei ausländischen Forschern und Ärzten nach dem Ranking der Alexander-von-Humboldt-Stiftung


Bochum, 8. Mai 2018:

Die deutsche Alexander-von-Humboldt-Stiftung verleiht seit Jahrzehnten Forschungsstipendien an ausländische Wissenschaftler, unabhängig von Länder- oder Fächerschlüsseln rein nach der Bewerberqualifikation. Wie sorgfältig und richtig die Stiftung unter der sehr großen Bewerberzahl auswählt erkennt man daran, dass im Jahre 2017 mit Joachim Frank  bereits  der 55. Nobelpreisträger aus dem weltweiten Humboldt-Netzwerk in ausgezeichnet wurde.

Jetzt erscheint das Rangliste der Stiftung über die bei ausländischen Forschern besonders gefragten deutschen Universitäten der vergangenen Jahre. Sie gibt Aufschluß über die Intensität der internationalen Kontakte und die Reputation der einzelnen Gastinstitute und Kliniken. Sie gilt als wichtiger Indikator für die Internationalität. Es wurde die Anzahl der Gastaufenthalte von „Humboldtianern“ ausgewertet, die als Stipendiaten oder Preisträger in den letzten fünf Jahren in Deutschland forschten. Die unterschiedliche Größe der Gastinstitutionen wurde zur Vermeidung von statistischen Verzerrungen dadurch berücksichtigt, dass das Ranking die Zahl der Forschungsaufenthalte in Beziehung zur Anzahl der Professoren an der jeweiligen Institutionen setzte. Die Tabelle führt dies als „Gewichtete Anzahl der Geförderten“ an. Die absolute Forscherzahl findet man in der Tabelle dahinter in Klammern.

Tabelle aus dem Mitteilungsblatt der Humboldt-Stiftung  (Lit.1)

Kommentar 

An der Spitze des Humboldt-Rankings stehen jeweils zwei Universitäten der deutschen Metropolen Berlin und München. Mancher mag meinen, dass auch die Attraktivität einer Stadt im Ausland bei der Wahl des Forschungsortes eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Betrachtet man aber die Gewichtung, so fällt auf, dass auch „kleine“ Universitäten in mittleren Städten wie etwa Bielefeld oder Bayreuth ausländische Wissenschaftler besonders anziehen. Und dem in Bochum, im „Ruhrpott“ tätigen Referenten freut es natürlich, dass selbst die erst 1964 gegründete Universität dieser ehemaligen Bergarbeiter- und Industriestadt  unter den 15  im Ausland attraktivsten Hochschulen von über 100 deutschen Universitäten zu finden ist. In erster Linie ist es somit wohl die wissenschaftliche Qualität und Reputation eines Instituts oder einer Klinik und ihrer Chefs, welche ausländische Forscher und Ärzte an deutsche Universitätseinrichtungen bringt.

Seit 2018 ist Hans-Christian Pape, Neurophysiologe und Hirnforscher an der Universität Münster der Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Er zählt zu den führenden Experten auf dem Gebiet der neurophysiologischen Grundlagen des emotionalen Verhaltens. Pape folgt als Präsident auf den Chemiker Helmut Schwarz, zuletzt an der Technischen Universität Berlin tätig. Seit Wiedergründung der Stiftung nach dem Kriege im Jahre 1953 war Werner Heisenberg lange Zeit deren Präsident,  bis 1975. Der Nobelpreisträger für Physik des Jahres 1932 hatte bereits mit 26 Jahren er die nach ihm benannte „Heisenbergsche Unschärferelation“ formuliert.  Der Referent bewahrt noch sorgsam die zwei Urkunden auf, die er, handschriftlich unterschrieben von Werner Heisenberg erhielt, als er 1969-1971 während zwei Perioden als „Humboldtianer“, von Wien kommend, bei Professor Ernst-Friedrich Pfeiffer in Ulm arbeitete.

Helmut Schatz

Literatur

(1) HUMBOLDT-RANKING: Diese deutschen Unis sind bei Forschern aus dem Ausland beliebt. HUMBOLDT KOSMOS 108(2018) 33

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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2 Antworten auf Die beliebtesten deutschen Universitäten bei ausländischen Forschern und Ärzten nach dem Ranking der Alexander-von-Humboldt-Stiftung

  1. TUK sagt:

    Gerade auch Beiträge, die nicht direkt aus dem Gebiet der Endokrinologie stammen, finde ich sehr interessant! danke.

  2. Helmut Schatz sagt:

    Ziel der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ist es keineswegs, ausländische Forscher für Deutschland „abzuwerben“, sondern diese sollen grundsätzlich wieder in ihre Heimatländer zurückkehren. Bei mir wurde eine Ausnahme gemacht. Mein damaliger Betreuer in Ulm, Prof. Ernst-Friedrich Pfeiffer mußte dafür die Zustimmung meines Wiener Chefs, Prof. Karl Fellinger einholen, bevor die Humboldt-Stiftung zustimmte, dass ich bei ihm an der Ulmer Klinik bleibe. Später in Gießen und Bochum habe ich dann selbst Humboldt-Stipendiaten aus Indien und Polen mehrere Jahre lang betreut.

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