Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Gesundheitlich nur wenig Unterschied zwischen Fast Food- und Restaurantmahlzeiten – am besten ist das zuhause Gekochte


Bochum, 20. Juli 2015:

Kochen zuhause schneidet bei der Kontrolle der Kalorienaufnahme, der Fett-,  Zucker- und Salzzufuhr im Vergleich zu Fast Food-  und Restaurantessen besser ab. Das ergab eine am 1. Juli 2015 im Europäischen Journal für Klinische Ernährung publizierte Analyse (1). Die zwei Arten des  Essens außer Haus unterscheiden sich hingegen nur wenig. Während vielfach Fast Food mit Junk Food gleichgesetzt wird, stuft die breite Öffentlichkeit das Essen im Restaurant als „höherwertig“ und „gesünder“ ein. Die Daten der neuen Analyse widersprechen dieser Auffassung.

Ruopeng An, Professor an der University of Illinois verwendete das Zahlenmaterial des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) 2003-2010, der regelmäßig Informationen einer für die USA – Bevölkerung repräsentativen Personengruppe sammelt. Etwa 18 000 Erwachsene beantworteten Fragen, was während einer  2-Tagesperiode gegessen wurde. Ein Drittel der Teilnehmer berichtete, was sie an einem oder beiden Tagen an Fast Food und ein Viertel, was sie an mindestens 1 Tag in einem normalen Restaurant mit Tischbedienung gegessen hatten.  Die übrigen Personen gaben an, was zuhause auf den Tisch gekommen war. Verglichen mit dem Essen zuhause wurden in Fast Food-Restaurants 190 kcal pro Tag mehr konsumiert, 11 g mehr Fett, 3.5 g mehr gesättigte Fette, 10 g Extra-Cholesterin und zusätzlich 300 mg Natrium. Die errechneten Daten betrugen  für die normalen Bedienungsrestaurants 187 kcal  mehr pro Tag, 10 g mehr Fett, 2.5 g mehr gesättigte Fettsäuren, fast 60 g Extra-Cholesterin und über 400 mg mehr Natrium.

Kommentar

Diese Daten wurden in den USA erhoben und mögen bei uns in Deutschland nicht in gleicher Weise zutreffen. Dennoch enthalten sie eine wichtige Botschaft: Zuhause wird heute gesundheitsbewußter gekocht als in Restaurants, auch solchen der gehobenen Klasse. Während sich das Augenmerk der breiten Öffentlichkeit auf „Fast Food = Junk Food“ richtet, sollte  auch darauf geachtet werden, dass die üblichen Restaurants  besser kochen: „besser“ nicht im Sinne eines „besser Schmeckens“, denn jeder weiß, dass Fett ein Geschmacksträger ist, Eier viele Speisen „verbessern“ und nicht zu sparsames Salzen von vielen Gästen geschätzt wird. Dementsprechend verhalten sich offenbar auch die Küchenchefs.

Die Ernährungswissenschaftlerin Lori Rosenthal vom Montefiore Medical Center in New York empfiehlt, in Restaurants Gerichte mit viel Gemüse zu bestellen oder zusätzlich Gemüse zu verlangen, wodurch der Teller voller aussehe und man dann eher Befriedigung beim Essen verspüre. Man solle langsamer essen (siehe auch den DGE-Blog darüber, Lit. 2), lange kauen und dabei intensiver auf den Geschmack achten . Weitere  Tipps: eine Vorspeise als Hauptmahlzeit bestellen, ein Gericht mit einer  2. Person teilen oder einen Teil des Essens zum Mitnehmen einpacken lassen (3). Diese Ratschläge befolgen auch bei uns viele einschließlich des Referenten, insbesondere bei den hier in Westfalen meist recht gut beladenen Tellern, ohne dass ein Seniorenmenü angeboten wird, oder bei nur kleinem Hunger.

Helmut Schatz

Literatur

(1) R. An: Fast-food and full-service restaurant consumption and daily energy and nutrient intakes in US adults.
Eur J Clin Nutr 2015. doi:10.1038/ejcn.2015.104.
http://bit.ly/1K1fUTW

(2) H. Schatz: Langsamer essen und vor jeder Mahlzeit einen halben Liter Wasser trinken: So könnten Sie abnehmen! DGE-Blogbeitrag vom 16. Januar 2015

(3) L. Rosenthal, in: S. Lehman: Restaurant food not much healthier than fast food.
Reuters Health Information.
http://www.medscape.com/viewarticle/848108_print

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf Gesundheitlich nur wenig Unterschied zwischen Fast Food- und Restaurantmahlzeiten – am besten ist das zuhause Gekochte

  1. Struppi sagt:

    Diese Untersuchung bestätigt die Meinung von Helmut Schatz im Blogbeitrag vom 16. 1. 2015 (www.blog.endokrinologie.net) , dass „Fast Food“ ungünstig sei, weil man es, wie sein Name schon sagt, „schnell esse“ und nicht langsam. Im Bedienungsrestaurant sitzt man zumindest längere Zeit bei Tisch, in der Zusammensetzung der aufgenommenen Nahrung bestehen jedoch nach dieser Untersuchung kaum große Unterschiede zum „Fast Food“. Insofern führt der Name „Junk Food“ in die Irre. Die alte Grußformel in den Südtiroler Bergen „ZEIT LASSEN“ sollte auch beim Essen befolgt werden. Man gönne sich doch den „Luxus der Zeit“!

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