Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Metformin in neuer Galenik (NewMet) mit besserer gastrointestinaler Verträglichkeit auch bei Niereninsuffizienz – tiefe Darmabschnitte als Hauptwirkungsort?


Bochum, 16. Juli 2013

Dr. Ralph DeFronzo berichtete auf dem ADA-Kongreß am 23. Juni 2013, dass Metformin in einer neuen Galenik, „NewMet“ der Firma Elcelyx Therapeutics, erst in den unteren Darmabschnitten aktiv wird. Vergleichsuntersuchungen mit generischem Metformin ergaben in einer Phase 2a-Studie über 5 Tage in einem crossover, dass bei gleich gutem Effekt auf die Nüchtern- und postprandiale Glukose die Metformin-Serumspiegel mit NewMet um 45% niedriger waren als bei generischem Metformin (1).

Im Unterschied zur landläufigen Auffassung soll der Darm der Hauptort der Metformin-Wirkung sein. Somit würden mit einer geringeren Dosis gleiche Effekte erreicht und die Rate gastrointestinaler Nebenwirkungen sei viel niedriger. Zufolge der niedrigeren Serumspiegel verringere sich auch das bei Metformin an sich schon sehr kleine Laktazidoserisiko, so dass man es für möglich hält, NewMet auch bei mittlerer bis schwerer Niereninsuffizienz einzusetzen. Eine Phase 2b-Studie dazu läuft gerade an (2).

Kommentar

Eine Resorptionsverminderung im Darm durch Metformin wird seit Jahrzehnten zum Teil kontrovers diskutiert (3,4). Insbesonder beachtet man auch heute die verminderte Vitamin B12-Aufnahme, wodurch es zu einer meist geringen Anämie kommen kann. Erst nach längerem Forschen war als biochemischer Wirkmechanimus von Metformin im Jahre 2001 die Anregung der AMP-aktivierten Proteinkinase in Leber und Muskel gefunden worden (5). Nach DeFronzo soll Metformin nun primär in den unteren Darmabschnitten wirken. Man darf gespannt auf nähere Details der hier beteiligten Mechanismen warten. Ob Metformin in der neuen Galenik zufolge der niedrigeren Serumspiegel sogar bei schwerer Niereninsuffizienz einsetzbar sein wird, müssen die neuen Studien ergeben. Auf jeden Fall ist es erfreulich, dass auf dem Gebiet der Biguanide jetzt wieder intensiver geforscht wird.

Helmut Schatz

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Literatur

(1) R. DeFronzo et al: Dissociation between metformin plasma exposure and its glucose-lowering effect: A novel gut-mediated mechanism of action.
Poster 1087-P, ADA Congress, Chicago 2013, Abstract Book

(2) M. Fineman et al.: Delayed-release metformin may be suitable for use in diabetes patients with renal impairment that are contraindicated for currently available metformin formulations.
Poster 75-LB, ADA Congress, Chicago 2013, Abstract Book

(3) F.A. Kruger et al.: Studies on the site and mechanism of action of phenformin.
II. Phenformin inhibition of glucose transport by rat intestine. Diabetes 1970. 19:50-52

(4) H. Schatz et al.: The effect of Dimethylbiguanide on glucose tolerance, serum insulin and growth hormone in obese patients.
Diabetologia 1972. 8:1-7

(5) G. Zhou et al: Role of AMP-activated protein kinase in mechanim+ of metformin action.
J.Clin. Invest.2001. 108:1167-74

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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2 Antworten auf Metformin in neuer Galenik (NewMet) mit besserer gastrointestinaler Verträglichkeit auch bei Niereninsuffizienz – tiefe Darmabschnitte als Hauptwirkungsort?

  1. Alby sagt:

    Ich habe meinen Hausarzt gefragt nach NewMet. Leider Gibt es das Medi für die Schweiz nicht. Warum?

    • Helmut Schatz sagt:

      Meines Wissens ist es auch von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA, nach der sich die Schweiz ja i.d.R. richtet, und auch nicht von der EU-Behörde EMA nicht approbiert.

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