Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Referenz Endokrinologie und Diabetologie


Das neue Werk der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie 2020

Bochum, 21. September 2020:

In für ein derart umfassendes Werk relativ kurzer Zeit erschien  im Thieme-Verlag das Buch „Referenz Endokrinologie und Diabetologie“, herausgegeben von Sven Diederich, Joachim Feldkamp, Martin Grußendorf und Martin Reincke. Es wurde von 139 Autoren und Mitgliedern der DGE verfasst.  Alle Autoren sind  speziell auf ihrem Fachgebiet ausgewiesen, darunter auch viele Mitglieder von Sektionen und Arbeitsgruppen der DGE, welche in die Kapitelerstellung eingebunden waren.

Das Format des Buches sollte sich nach Verlagsvorgabe von herkömmlichen Lehrbüchern unterscheiden. Es ist auf der Internet-Plattform „eRef“ frei zugänglich und mit einem QR-Code kostenlos auch auf ein Smartphone herunterzuladen, etwa in der täglichen Praxis im Krankenhaus oder in der Niederlassung. Der strengen und etwas gewöhnungsbedürftigen Strukturierung des Verlags sollte von den Autoren gefolgt werden. Auf Querverweise zwischen den Kapiteln wurde bewusst verzichtet. Damit ist das Buch kompatibel mit eRef, einem elektronischen Wissensportal für Ärzte mit tausenden von Büchern und Zeitschriften des Thieme-Verlags.

Insgesamt ist ein hochaktuelles, sich auf dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft befindliches Werk entstanden, das alle Aspekte eines Krankheitsbildes nach gleichem Schema behandeln sollte. Zuerst wird unter der Überschrift „Steckbrief“ eine Art Abstract gebracht, dann folgt „Aktuelles“, dann „Synonyme“,  mit oft nur 1-3 Ausdrücken. Die Reihenfolge der Unterkapitel variiert von Autor zu Autor. Manche Beiträge etwa wie das von einem der vier Herausgeber, Martin Reincke über das Cushing-Syndrom, folgen weitestgehend dem bisherigen Schema, wie es wir Ärzte seit Jahrzehnten gewohnt sind: Epidemiologie, Ätiologie und Pathogenese, Klassifizierung und Risikostratifizierung, Symptomatik, Diagnostik, Labor, Bildgebende Diagnostik, Differenzialtherapie und Nachsorge. Ähnlich klassisch aufgebaut sind auch die Kapitel der Herausgeber Sven Diederich über die Endokrine Hypertonie und über den Altershypogonadismus sowie  Martin Grußendorf über die Euthyreote Struma, und auch weitere Beiträge.

Des Öfteren steht die „Bildgebende Diagnostik“ ausführlich an der Spitze. In der dem Rezensenten vorliegenden 1. Auflage des Buches kann man, gleich zu Beginn im „Steckbrief“,  etwa im  Kapitel Diabetes mellitus/Adipositas, sogar über technische Details der Geräte wie piezoelektrische Effekte bei der Ultraschalldiagnostik lesen. Dann wird dort im nächsten Kapitel unter „Aktuelles“ besprochen, dass dieses Verfahren besonders geeignet sei zur nicht-invasiven Differenzierung zwischen der einfachen Fettleber und der entzündlichen Fettleber mit Fibrose. Und im folgenden Abschnitt „Synonyme“ stehen nur vier Ausdrücke:  *Sonographie, *Echographie, *Abkürzung häufig US, und *engl. Ultrasound. Es folgt die  Labordiagnostik, bis endlich der  Typ 1 – und  Typ 2 – Diabetes besprochen wird. Auch das Schilddrüsenkapitel beginnt im „Steckbrief“ mit den bildgebenden Verfahren, im Abschnitt „Synonyme“ findet man gar nur  zwei Ausdrücke:  *Bildgebung und *bildgebende Verfahren. Ebenso steht die bildgebende Diagnostik in den Kapiteln Knochenstoffwechsel und Andrologie an der Spitze.

Manches mag theoretisch für eine solche Einteilung sprechen. Der Rezensent meint  zu verstehen, warum diese für die betreffenden Kapitel nach den formalen Vorstellungen der Verlagsmitarbeiter  so erfolgen sollte, wohl um Wiederholungen bei den Unterkapiteln zu vermeiden. Aus der Sicht eines Klinikers und jetzt niedergelassenen Arztes möchte er aber vorschlagen, dass dies bei einer nächsten Auflage, vorab schon online auf der Internet-Plattform eRef,  so geändert wird, so dass die Kapitel für den Praxisalltag der Ärztinnen und Ärzten geeigneter sind.

Im Vorwort der Herausgeber steht, dass das Werk den Anspruch hat, die Leser „in sehr praxisorientierter und strukturierter Form über den aktuellen Stand  der Diagnostik und Therapie endokrinologischer und diabetologischer Erkrankungen zu informieren“. Dies ist für die Diagnostik sehr gut gelungen, für die Therapie jedoch nicht immer. So finden sich etwa in einem Kapitel unter „Pharmakotherapie“ acht Generika ohne Dosisangaben aufgelistet, gefolgt von einem kurzen Absatz über die Basistherapie und einem Verweis auf die Guidelines 2020 der beiden zuständigen Fachgesellschaften. Oder dass es Unterschiede zwischen Präparaten der gleichen Substanzgruppe gibt erfährt man nur kleinstgedruckt in der ~20 Zeilen umfassenden Legende zu einem Schema, nicht aber im entsprechenden Textabschnitt. Zur Struktur meint der Referent, dass die gut gemeinten Vorgaben des Thieme-Verlags das Nachschlagen im Buch und auch im Internet erschweren, zumal alle Überschriften und Unter-Überschriften gleich groß und gleich fett gedruckt bzw. wiedergegeben werden. Durch oft kaum sinnvolle Abschnitte, bestehend aus wenigen oder sogar auch nur 1 Wort wie bei den Synonymen geht Platz verloren.

Zusammenfassend ist unserer Gesellschaft, der  DGE mit den vier Herausgebern und den insgesamt 139 engagierten, hochspezialisierten Autoren  herzlich zu gratulieren und zu danken, dass dieses umfassende, auf dem letzten Stand der Medizinischen Erkenntnisse befindliche Werk so rasch und so kompetent herausgegeben werden konnte. Auch dem Thieme-Verlag gebührt unser Dank: er hat das Werk rasch in solider, gedruckter Form zum Preis von ~100 (99.99) Euro  herausgebracht und stellt es im Internet kostenlos zur Verfügung. Der Rezensent, selbst Autor und Herausgeber von Büchern hofft und wünscht der DGE und dem Verlag, dass es dem Werk unserer Gesellschaft besser ergehen möge als es bei manchen seiner Bücher der Fall war,  dass nämlich eine regelmäßige Überarbeitung und Aktualisierung der nächsten gedruckten Auflage von „Referenz Endokrinologie und Diabetologie“ erfolgen wird, und vorab der Online-Version, wie es im Vorwort angekündigt wurde.

Helmut Schatz

Sven Diederich, Joachim Feldkamp, Martin Grußendorf und Martin Reincke; „Referenz Endokrinologie und Diabetologie“. Thieme, Stuttgart 2020

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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4 Antworten auf Referenz Endokrinologie und Diabetologie

  1. Dr. med. Friedrich Steinenberg sagt:

    Das neue Buch der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie – Hormone und Stoffwechsel – ist in der Tat, wie Prof. Schatz schreibt, hochaktuell und stellt fast immer den allerneuesten Stand des Wissens dar. Deswegen meine ich, sollte bei einer Neuauflage der Thieme-Verlag die Veränderungs-/Verbesserungsvorschläge des Rezensenten überdenken. Die fehlende optische Gliederung durch immer gleich gedruckte Überschriften erschwert (trotz der Zahlengliederung: 1., 1.1, 1.1.2 usw.) die Brauchbarkeit im ärztlichen Alltag, in dem doch meist die verfügbare Zeit für einen Patienten knapp ist. Warum eine erst „gewöhnungsbedürftige“ Gliederung mit z.B. technischen Details bildgebender Verfahren an der Spitze, vor den Kapiteln, die dem Praxisalltag entsprechen? Der Patient in der Sprechstunde berichtet doch immer zuerst über seine Anamnese, dann folgt die körperliche Untersuchung, dann die Blutabnahme, wofür man die zu bestimmenden Parameter kennen muss.Und dann erst kommen bildgebende Verfahren.

  2. Dr. Heiko Maßfeld sagt:

    Ich schließe mich der Meinung von Kollegen Steinenberg vollinhaltlich an.

  3. Dr. Eduard May sagt:

    Die Gliederung nach Ludwig Wittgenstein mit Ziffern mag für eine wissenschaftliche Arbeit angezeigt sein (hat aber auch hier Nachteile!), für ein Lehrbuch , wenn dieses auch „Referenz…“ genannt wird, erscheint sie mir weniger geeignet als eine optische Gliederung der Kapitel.

  4. Dr. med. Olaf Benedikt sagt:

    Und warum nicht beides? Optisch gliedern mit Schriftgröße, Fettdruck usw., zusammen mit Wittgenstein-Schema, falls der Verlag das will. Das geht doch prima!

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