Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Sehr niedrige Spiegel atherogener Lipoproteine vermindern das kardiovaskuläre Risiko bei starker intraindividueller Variation


Bochum, 2. September 2014:

In einer Metaanalyse von 8 Statinstudien an insgesamt 38.000 Patienten wurde eine grosse Variation der unter diesen Lipidsenkern erreichten Spiegel atherogener Lipoproteine, insbesondere LDL-Cholesterin gefunden. Mehr als 40% der Patienten erreichten auch unter einer hochdosierten Statintherapie nicht das LDL-Ziel von <70 mg/dl LDL. Patienten mit sehr tiefen LDL-Spiegeln hatten ein niedrigeres kardiovaskuläres Risiko als die mit mäßig niedrigen Spiegeln (1).

Als Hochdosis-Therapie wurden 80 mg Atorvastatin oder 20 mg Rosuvastatin definiert, als „usual-dose“ alle übrigen Therapieregimen. Das primäre Outcome der Metaanalyse war die Zeit bis zum ersten wichtigen kardiovaskulären Ereignis, definiert als tödlicher oder nicht-tödlicher Herzinfarkt, tödliche „andere koronare Ereignisse“, Hospitalisation wegen instabiler Angina sowie tödlicher oder nicht-tödlicher Schlaganfall. Wichtiges Ergebnis neben der beobachteten grossen intraindividuellen Variabiltiät des Statineffektes war, dass Patienten mit einem LDL <50mg/dl im Vergleich zu solchen mit einem erreichten LDL von 70 bis <100 mg/dl ein niedrigeres kardiovaskuläres Risiko hatten (siehe Abb.).

Kommentar

Einschränkend muss allerdings berücksichtigt werden, wie auch die Autoren schreiben, dass es sich um eine post-hoc Analyse auf der Basis von Observationsdaten gehandelt hat, so dass man daraus keine Therapieempfehlungen ableiten sollte. Die Einschluss- und Outcome-Kriterien der ausgewerteten Studien waren etwas unterschiedlich. Auch erfolgte die Auswertung nur auf der Basis der Lipidparameter nach 1 Jahr, da alle Werte wie LDL-Cholesterin, non-HDL-Cholesterin und Apolipoprotein B nur nach diesem Zeitraum für alle Studien vorlagen. Ob eine Behandlungsstrategie mit dem Ziel sehr niedriger atherogener Lipoproteine allerdings klinisch gegenüber mässig abgesenkten Werten klinisch von Vorteil ist, müsste in randomisierten, kontrollierten Studien überprüft werden. Diese Metaanalyse spricht aber – zumindest vorerst – für die Beibehaltung von LDL-Zielwerten, wie es auch die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie gefordert hat (2).

Klaus Parhofer, München, der maßgeblich an der DGE- Pressemitteilung (2) mitgewirkt hat, fast die Kernaussagen aus der vorliegenden Metaanalyse zur hochdosierten Statintherapie folgendermaßen zusammen:
1. Auch unter high intensity Statintherapie und unter Studienbedingungen umfassen die erreichten LDL-Cholesterinwerte ein sehr breites Spektrum
2. Auch unter high intensity Statintherapie und unter Studienbedingungen erreicht etwa die Hälfte der Patienten den Zielwert von <70 nicht
3. Auch innerhalb der mit high intensity Statintherapie behandelten Patienten gilt: je niedriger der erreichte LDL-Wert umso geringer die Ereignisrate
4. der Zusammenhang zwischen LDL und Ereignisrate gilt auch im Bereich unter 70 mg/dl (wohl zumindest bis 50mg/dl)

Die Schlussfolgerung von Prof. Klaus Parhofer ist:
1. the lower the better
2. Mit „fire and forget“ erfasst man nicht, wer gut anspricht und wer nicht
3. Selbst wenn man eine Fixdosis propagiert, sollte man kontrollieren

Helmut Schatz

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Literatur

(1) S. Matthijs Boekholdt et al.: Very low levels of atherogenic lipoproteins and risk for cardiovascular events: a meta-analysis of statin trials.
J. Am. Coll. Cardiol. 2014; 64(5):485-494

(2) Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Neue US-Leitlinie zu Herz-Kreislauferkrankungen.
Pressemitteilung vom 15.11.2013

Abb. aus Lit. (1):

on-statin

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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