Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Die GRADE-Studie: Welches Medikament als Kombinationspartner zu Metformin bei Typ-2-Diabetes? Kardiovaskuläre FDA-Outcome-Studien sinnlos?


Das National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) der U.S. National Institutes of Health (NIH) hat Mitte 2013 zusammen mit mehreren Firmen die GRADE Study Group etabliert: Glycemia Reduction Approaches in Diabetes: A Comparative Effectiveness Study. Die Patientenrekrutierung läuft bereits (1).

Es sollen, pragmatisch und unverblindet, klinische Studien mit den wichtigsten gegenwärtig verwendeten Diabetesmedikamenten getestet werden, wenn man sie als nächsten Schritt mit Metformin kombiniert. In erster Linie wird deren blutzuckersenkende Wirkung, beurteilt an HbA1c-Parametern, untersucht. Aber auch patientenrelevante Endpunkte (outcomes) wie mikrovaskuläre Komplikationen sowie kardiovaskuläre Risikofaktoren, unerwünschte Nebenwirkungen, Verträglichkeit, Lebensqualität und schliesslich die Kosten sollen vergleichsweise beurteilt werden. Geprüft werden als Kombinationspartner zu Metformin der Sulfonylharnstoff Glimepirid, der DPP4-Inhibitor Sitagliptin, der GLP-1-Rezeptoragonist Liraglutid und Insulin Glargin. Es sollen 5000 Patienten eingeschlossen werden.

Einschlusskriterien:
– Männer und Frauen mit einer Diabetesdiagnose im Alter von >/= 30 Jahren, bei amerikanischen Indianern >/= 20 Jahren
– Diabeteslaufzeit – HbA1c, ~2 Wochen vor Randomisierung: 6.8 – 8.5%
– Metformin, mindestens 1000 mg täglich seit 8 Wochen vor Randomisierung
– weitere 4 Einschlusskriterien

Ausschlusskriterien:
– Verdacht auf Typ-1-Diabetes oder sekundärer Diabetes
– Vorbehandlung mit anderen Antidiabetika als Metformin
– Längere Metformintherapie als 5 Jahre
– weitere 24 Ausschlusskriterien

Die Studie hat im Mai 2013 begonnen und wird voraussichtlich im August 2020 abgeschlossen werden (1).

Kommentar

Im Anschluss an die Publikation der SAVOR-TIMI-53- Studie mit Saxagliptin und der EXAMINE-Studie mit Alogliptin auf dem Europäischen Herzkongress in Amsterdam 2013 fand eine Diskussion statt, in welcher der Nutzen solcher riesiger, teurer Studien, welche die FDA seit 2008 fordert, bezweifelt wurde (2). Dr. George Grunberger, USA sagte: „ I believe the FDA requirement is misguided and nonsensical (unsinnig, albern) . It´s a total waste of time and money”. Von allen Diskutanten wurde hingegen die angelaufene GRADE-Studie (1) begrüsst. Dr. David Nathan, Boston äußerte sich zu dieser folgendermassen: „This is meant to be a definite study. Hopefully, there won´t be a million new drugs on the market by the time we finish, but we don´t see the drugs we´re studying as going out of phase”. Dr. Nathan hatte sich schon einer Diskussion über Canagliflozin kritisch zur “Überflutung des Antidiabetika-Marktes mit neuen Medikamenten“ geäußert, wie in einem DGE-Blog-Beitrag zu lesen ist (3).

Helmut Schatz

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Literatur

(1) A Comparative Effectiveness Study of Major Glycemia-lowerinmg Medications for Treatment of Type 2 Diabetes (GRADE). ClinicalTrials.gov.
http://www.clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01794143?term=GRADE

(2) Miriam M. Tucker: New diabetes trials reassure but don´t guide gliptin use
http://www.medscape.com/viewarticle/810555

(3) Helmut Schatz: Kommentar vom 23. April 2013 zum DGE-Blog-Beitrag: „Canagliflozin zur Diabetestherapie in den USA zugelassen“ vom 30. März 2013

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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