Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Gute und weniger gute Nachrichten über Diabetesmedikamente: Semaglutid, Saxagliptin und Alogliptin


Bochum, 8. April 2016:

Semaglutid:

Auf dem Kongress 2016 der Endocrine Society in Boston präsentierte Julio Rosenstock (1) am  2. April  die Phase-II-Resultate mit Semaglutid, einem Agonisten des Rezeptors für Glucagon-Like Peptide-1 (GLP-1).  Dieser wurde von der Firma Novo Nordisk in zweifacher Hinsicht entwickelt: 1.) als wöchentlich subkutan zu injizierendes Langzeitpräparat (NN9535) und 2. als täglich oral zu gebende Tablette (NN9924). Bei dieser Tablette wird die Darmaufnahme des Eiweiss-Stoffes durch Hydroxybenzoyl-Amino-Caprylat (SNAC, Eligen-Technologie) verstärkt. Durch ihn kommt es im Darm lokal zu pH-Veränderungen, welche die Resorption erleichtern.

Die Abnahme von HbA1c und Gewicht war mit dem oralen und dem injizierten Semaglutid vergleichbar. An Nebenwirkungen traten die für GLP-1-Analoga typischen gastrointestinalen Beschwerden auf. Pankreatitiden wurden mit injiziertem Semaglutid 1x, bei oraler Einnahme 2x beobachtet.

Saxagliptin und Alogliptin:

Für diese beiden DPP-4-Hemmer schrieb Anfang April 2016 die Amerikanische Arzneibehörde FDA vor, dass in den Beipackzetteln ein Warnhinweis über das erhöhte Risiko von Herzinsuffizienz aufzunehmen ist, insbesondere bei Patienten mit kardiovaskulären und renalen Erkrankungen (2). Sie bezieht sich dabei auf die Auswertungen der beiden seit 2013 bekannten Sicherheitsstudien SAVOR-TIMI 53 mit Saxagliptin und EXAMINE mit Alogliptin. Herzinsuffizienzen wurden im Vergleich zu anderen Diabetesmedikamenten mit Saxagliptin in 3.5% vs. 2.8% gesehen, mit Alogliptin in 3.9% vs. 3.3% (dieser Unterschied erreichte keine Signifikanz, HR 1.19).

Kommentar

Semaglutid wäre der erste oral zu applizierende  GLP-1-Agonist. Einschränkend wurde diskutiert, dass Variationen in der Nahrungsaufnahme auch zu veränderten Resorptionsbedingungen führen könnten, des weiteren wurde auf die 10 bis 40- fach höhere Dosis hingewiesen, die im Vergleich zu subkutaner Gabe nötig sei. Jetzt wird man sehen müssen, welche Ergebnisse die anlaufenden Phase-III -Studien bringen werden.

Die Herzinsuffizienz unter DPP-4-Hemmern wird seit dem EASD-Kongress 2013 in Barcelona intensiv diskutiert (3). Jetzt hat die FDA nach einer internen Überprüfung aller Daten verfügt, eine Warnung in die Beipackzettel der beiden DPP-4-Hemmer Saxagliptin und Alogliptin aufzunehmen, wenn sie auch das Risiko unter Alogliptin als geringer ansieht als unter Saxagliptin.

Auch für die neuen Antidiabetika muss insbesondere die Langzeit-Sicherheit über viele Jahre hinweg überprüft werden. Für die alten Substanzen sind die Risiken schon bekannt und somit kalkulierbar, wenn auch für diese unerwartete Nebenwirkungen  nicht ausschliessbar sind.

In Bezug auf die Antidiabetika zitierte David Matthews, Oxford vor einiger Zeit den Ausspruch von William Shakespeare:

„The wise man grasps the new – it should be tried.
But fool is he, in haste who lays the old aside”.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Julio Rosenstock: ENDO 2016, Boston, 2. April 2016: Abstract OP 15-3

(2) Miriam Tucker: FDA warns of heart failure risk with two diabetes drugs.
http://www.medscape.com/viewarticle/861514_print

(3) Helmut Schatz: Herzinsuffizienz bei Diabetes bisher zu wenig beachtet: Relevanz bei der Therapiewahl.
DGE-Blogbeitrag vom 27. September 2013

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf Gute und weniger gute Nachrichten über Diabetesmedikamente: Semaglutid, Saxagliptin und Alogliptin

  1. UAM sagt:

    Lieber Herr Schatz, danke für die interessanten Meldungen und besonders für den Spruch von Prof. Matthews. Ich habe mit diesem Motto in meinem Beruf gute Erfahrungen gemacht!
    Herzliche Grüße aus Jena Ihr UAM

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