Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

DIGAMI-1 nach 20 Jahren: Mit intensiver Insulingabe bei akutem Myokardinfarkt 2,3 Jahre längeres Überleben


Bochum, 18. Mai 2014:

In 19 schwedischen Krankenhäusern wurden von 1990-1993 Patienten mit akutem Myokardinfarkt und Blutglukosewerten über 200 mg/dl / 11 mmol/l randomisiert entweder intensiv mit Insulin für mindestens 3 Monate (n= 306) oder konventionell (n= 314) blutzuckersenkend behandelt. Die Auswertung nach 20 Jahren ergab für die Gruppe mit initial intensiver Insulintherapie ein um 2.3 Jahre längeres Überleben (1).

V. Ritsinger et al. (1) berichten am 13. Mai 2014 in THE LANCET Diabetes & Endocrinology online, dass nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 7.3 Jahren in der intensivierten Insulintherapie-Gruppe 271 Patienten (89%) verstorben sind, in der Standardgruppe 285 (91%). Die mittlere Überlebenszeit nach Infarkt betrug in der intensiven Gruppe 7.0 Jahre, unter Standardtherapie 4.7 Jahre. Der Effekt der intensiven Therapie war während der ersten 8 Jahre nach Randomisierung am deutlichsten und resultierte in einem 2.3 Jahre längeren Überleben.

Kommentar

Der Referent fühlt sich an seine Kardiologie- Zeit an der Wiener Klinik Mitte der 1960er Jahre erinnert, als bei unseren Herzpatienten eine Insulin-Glukose-Kalium (GIK)-Lösung, die „Sodi-Pallares- Lösung“ (2) infundiert wurde. Im 21. Jahrhundert erfährt diese GIK-Therapie auch in der Herzchirurgie erneutes Interesse. In der DIGAMI-1- Studie wurde sofort nach Myokardinfarkt mindestens 24 h eine Insulin-Glukose-Lösung infundiert, gefolgt von einer intensivierten Therapie mit mindestens 4 Insulininjektionen für mindestens 3 Monate. Offenbar hat dies, wie die vorliegenden Langzeitdaten annehmen lassen, einen günstigen Langzeit-Effekt auf das Herz gehabt. Bei der heutigen Therapie mit Cholesterin- und Blutdrucksenkung durch Statine und ACE-Hemmer sowie die Fortschritte in der antihyperglykämischen Therapie würden die Daten bei Diabetespatienten mit Herzinfarkt sicherlich noch wesentlich günstiger aussehen. Der allgemeine therapeutische Fortschritt zeigt sich auch im deutlichen Rückgang der diabetischen Folgeerkrankungen (3).

Die UKPDS-Langzeitdaten dokumentieren das „Metabolische Gedächtnis“ des Herzens, den günstigen Späteffekt einer schon frühen und anhaltenden guten Stoffwechselführung. Die Nachbeobachtung von DIGAMI-1 zeigt darüber hinaus, dass bei Herzinfarktpatienten eine sofortige scharfe Stoffwechseleinstellung, gefolgt von einer intensivierten Insulintherapie über drei Monate sich ebenfalls langfristig kardial positiv auswirkt.

Helmut Schatz

Bitte kommentieren Sie diesen Beitrag (nach unten scrollen !)

(1) V. Ritsinger et al.: Intensified insulin-based glycaemic control after myocardial infarction: mortality during 20 year follow-up of the randomised diabetes mellitus insulin infusion in acute myocardial infarction.
The Lancet Diabetes & Endocrinology, Early Online Publication, 13 May 2014. doi:10.1016/S2213-8587(14)70088-9

(2) D. Sodi-Pallares et al.: The polarizing treatment of acute myocardial infarction.
Dis. Chest 1963. 43: 424-432

(3) H. Schatz: Deutlicher Rückgang der Komplikationen bei Diabetes in den letzten 20 Jahren.
DGE-Blogbeitrag vom 17. April 2014

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Permalink.

Bitte kommentieren Sie diesen Beitrag!

- Kommentare sind auf 1000 Zeichen beschränkt. Bei Umgehen dieser Regelung durch mehrere aufeinanderfolgende Kommentare werden diese gelöscht.
- Wir schätzen eine wissenschaftlich-sachliche Diskussion.
- Bei erbetenen 'Fernberatungen' hat der Leser zu entscheiden, inwieweit er seine persönlichen Daten öffentlich bekanntgeben möchte (Datenschutz!)

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Verbleibende Zeichenanzahl

Mit dem Absenden des Formulars erklären Sie sich mit der Verarbeitung der übermittelten Daten einverstanden. Details hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.