Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Soll eine „Kardiometabolische Medizin“ als neue Subspezialität der Inneren Medizin etabliert werden?


ENDOKRINOLOGISCHES DISKUSSIONSFORUM

Bochum, 13. August 2019:

Robert Eckel, Endokrinologe an der Universität von Denver in Colorado,  der president-elect der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (ADA), und Michael J. Blaha, Professor für Präventiv-Kardiologe an der John Hopkins-Universität in Baltimore schlugen im American Journal of Medicine vor, eine neue Subspezialität der Inneren Medizin für „Kardiometabolische Medizin“ zu etablieren (1). Diese sollte Elemente der Endokrinologie, Kardiologie und auch der Allgemeinmedizin umfassen. Sie würde den Erfordernissen bei einer großen Zahl von Patienten entsprechen, welche heute von verschiedenen Spezialisten gesehen werden. Dies auch angesichts der Eigenschaften der neuen Diabetesmedikamente wie der GLP-1-Rezeptor-Agonisten und der SGLT2-Hemmer, die nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch Gewicht und Hypertonus und die kardiovaskulären Outcomes verbessern, wenn auch die Mechanismen dafür auch noch nicht völlig aufgeklärt sind.

Die endokrinologische Komponente solle sich auf Obesitas, Metabolisches Syndrom, Typ-1- und Typ-2-Diabetes (einschließlich Pumpentherapie), Lipid- und Lipoproteinstoffechselstörungen, Hypertension und Lebensstil beziehen. Die Weiterbildung würde sich von der in klassischer Endokrinologie, Diabetes und Stoffwechsel unterscheiden, dass sie die endokrinologischen Erkrankungen im engeren Sinn wie etwa die der Schilddrüse und der übrigen endokrinen Organe nicht umfassen würde. Der kardiologische Teil sollte kardioangiologiche Primär- und Sekundärprävention, EKG, Echokardiographie, Stressteste, kardiale Rehabilitation und Interpretation von koronarer Computertomographie mit und ohne Kontrastmittel umfassen, ohne Intensivmedizin, interventionelle Kardiologie, Elektrophysiologie, fortgeschrittene Herzinsuffizienz und Herztransplantation. Ein besonderes Gewicht solle auf Weiterbildung in  Lebensstil-Programmen gelegt werden. Ärzte für kardiometabolische Medizin würden somit einen neuen, zertifizierten Typ für eines der weltweit wichtigsten Probleme des 21. Jahrhunderts darstellen.

Der Vorschlag für eine Subspezialität „Kardiometabolische Medizin“ wurde und wird in den USA lebhaft diskutiert. Kontra äußerte sich etwa Furman S. McDonald, Senior-Vizepräsident für akademische und medizinische Angelegenheiten des American Board of Internal Medicine, indem er sagte, die Notwendigkeit für eine integrierte Betreuung dieser Patienten sei unbestritten,  „but the theoretical demand alone is not enough to be recognized as a subspeciality” (2).  Wie ist Ihre Meinung zu diesem Vorschlag?

Helmut Schatz

Literatur

(1) Robert H. Eckel und Michael J. Blaha: Cardiometabolic Medicine: A Call for a New Subspeciality Training Track in Internal Medicine.
Amer. J. Medicine July 2019. 132(7)788-790 DOI: https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2019.02.027

(2) Miriam E. Tucker: Take Diabetes to Heart: New Subspeciality of Cardiometabolic Medicine?
https://www.medscape.com/viewarticle/916425?nlid=130983_540…

Bitte um rege Diskussion !

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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2 Antworten auf Soll eine „Kardiometabolische Medizin“ als neue Subspezialität der Inneren Medizin etabliert werden?

  1. Triebel sagt:

    Wir haben bereits den „Spezialisten“ für die kardiometabolische Medizin: es ist der Internist, der nicht auf ein Organ spezialisiert ist!
    Dieser Internist wird nicht kompetenter, indem er sich wieder beschränkt und den ganzen Menschen aus dem Blick verliert..
    Dem Vorschlag liegt auch ein überholtes Krankheitsverständnis zugrunde.

  2. MÜGGE sagt:

    Eine kardiometabolische Medizin sollte fester Bestandteil in der Ausbildung von Kardiologen, Hausärzten und hausärztlich tätigen Internisten sein, meinethalben auch in Form einer zusätzlichen Zertifizierung. Vor der Gründung einer neuen Subspezialität (die inhaltlich ja eigentlich integrativ sein möchte) wäre es angebrachter, im Programm von Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen interdisziplinäre Aspekte der kardiometabolischen Medizin stärker als bisher zu berücksichtigen. So sollten zum Beispiel bei der Programmgestaltung verstärkt klinisch-orientierte und wissenschaftliche, gemeinsame Sessions von Kardiologen und Endokrinologen/Diabetologen (als auch Nephrologen) vorgesehen werden, wie es schon zusammen mit den Herzchirurgen Routine geworden ist. Eine Förderung des „Austausches“ erscheint mir wichtiger, als die Gründung einer (sich auch teilweise abgrenzenden) Subspezialität.

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