Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Wieviele Schritte soll man gehen, damit das Sterblichkeitsrisiko sinkt? Weniger als die vielfach propagierten 10.000/Tag genügen dafür.


Bochum, 12. August 2019:

Im JAMA Internal Medicine wurde am 29. Mai 2019 eine Kohortenstudie an älteren  Frauen publiziert, die zeigte, dass bei täglich 4400 Schritten das Mortalitätsrisiko signifikant geringer war als bei 2700 Schritten/Tag (1). Ein Kommentar von Jennifer Abbasi im JAMA online vom 24. Juli 2019  trägt den Titel „For Mortality, Busting the Myth of 10 000 Steps per Day” (2).

I-Min Lee, Epidemiologin am Brigham and Women’s Hospital in Boston und Professor of Medicine an der  Harvard Medical School, untersuchte mit ihren Mitautoren  das Schrittverhalten und deren Intensität bei 17 741 Frauen aus der Women´s Health Study. Das mittlere Alter betrug 72 Jahre. Die Schrittanzahl und die Intensität, erfasst über ein Accelerometer, wurden für eine Periode von 4 bis 7 Tagen ausgewertet (1). Während der Beobachtungsperiode von im Mittel 4.3 Jahren verstarben 504 Testpersonen. Frauen mit                    4400 Schritten starben signifikant seltener als solche mit nur 2700 Schritten pro Tag. Das Mortalitätsrisiko verringerte sich weiter, wenn die Schrittanzahl von 4400 bis zu 7500 Schritten  weiter, wenn auch prozentual weniger. Bei 7500 Schritten wurde ein Plateau erreicht, über dem keine weitere Reduktion des Sterberisikos beobachtet wurde. Die Schrittintensität zeigte keine klare Beziehung zur Mortalität.

Kommentar

Das Ergebnis dieser Kohortenstudie gilt für ältere Frauen. Ob es auch auf jüngere Altersgruppen oder für Männer zutrifft, bleibt offen, wenn man dies auch vermuten kann. Es ist freilich zu bedenken, dass die Frauen auf Grund von Morbidiäten weniger Schritte pro Tag gegangen sein könnten und ihr Mortalitätsrisiko durch andere Krankheiten mitbedingt war. Auch kann man sich fragen, ob das Schrittverhalten, erfasst während nur  4 – 7 Tagen,  für Todesfälle bis zu vier Jahre später mitverantwortlich sein kann.

In einem Gespräch mit JAMA sagte die Erstautorin Lee: „Step more – even a modest number of steps is associated with lower mortality. All steps count, not just those taken during exercise. If you already get 10 000 steps or more per day, don’t lower your goal. There is no harm, and there may be additional benefits for outcomes not studied like quality of life, physical function, and cognition” (2).

Helmut Schatz

Literatur

(1) I-Min Lee et al.: Association of Step Volume and Intensity With All-Cause Mortality in Older Women.
JAMA Intern Med. 2019. 179(8):1105-1112. doi:10.1001/jamainternmed.2019.0899

(2) Jennifer Abbasi: For Mortality, Busting the Myth of 10 000 Steps per Day.
JAMA published online July 24, 2019

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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