Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Tu felix Austria nube!


Graz, 18. August 2018:  Im Sommerloch sei mir ein Bericht über zwei Ereignisse gestattet, die Österreich betreffen, wo ich gerade auf Urlaub bin. Dieser Blick reicht diesmal wirklich sehr weit „über den Tellerrand“ hinaus:

 

„In Wien lebt es sich am besten“ – so titelte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung vor einigen Tagen und brachte das neueste Großstadt-Ranking der britischen Zeitschrift „The Economist“. Es setzt, ebenso wie schon zuvor das Beratungsunternehmen „Mercer“, die österreichische Hauptstadt Wien an die erste Stelle. Insgesamt wurden 140 Großstädte der Welt nach Kriterien wie Bildungseinrichtungen, Hochschulen, Angebot an kulturellen Ereignissen, Verkehrsnetz, Gesundheitsversorgung, Krankenhäuser, Sauberkeit, Sicherheit, Terrorgefahr, Arbeitslosigkeit, Kaufkraft u.a. bewertet. Von 100 möglichen Punkten erhielt Wien 99.1 Punkte.

Die zehn Besten:

  1. Wien (Österreich)
  2. Melbourne (Australien)
  3. Osaka (Japan)
  4. Calgary (Kanada)
  5. Sydney (Australien)
  6. Vancouver (Kanada)
  7. Toronto (Kanada)
  8. Tokio (Japan)
  9. Kopenhagen (Dänemark)
  10. Adelaide (Australien)

Deutsche Städte sind in der neuen Liste unter den Top Ten nicht mehr dabei. Bestplatzierte deutsche Stadt ist Frankfurt am Main auf Platz 12, Hamburg, das im letzten Jahr noch auf Platz 10 eingestuft wurde, liegt jetzt auf Platz 18, München auf Platz 21, Berlin auf 25 und Düsseldorf auf 28.

Als der Referent nach seiner Facharztausbildung an der  Wiener Medizinischen Klinik  die Stadt im Jahre 1989 verließ und mit einem Alexander-von-Humboldt-Stipendium zu E.F.Pfeiffer nach Ulm ging, wirkte Wien „altmodisch“ und hinter den modernen Entwicklungen zurückgeblieben. Heute nach der politischen Wende ist Wien eine dynamische, ja quirlige Stadt mit vielen internationalen Behörden auch der UNO, Wirtschaftsunternehmen,  und in ihr tummeln sich Heerscharen von Touristen aus den Ländern der ehemaligen Habsburger Monarchie ebenso wie aus allen Erdteilen.

 

Tu felix Austria nube!

Am heutigen Samstag findet in Österreich ein privates, aber dennoch hochpolitisches Ereignis statt: Wladimir Putin, am Grazer Flughafen Thalerhof gelandet, wird an der Hochzeit der österreichischen Aussenministerin Karin Kneissl in der Südsteiermark teilnehmen. In Österreich sind alle Zeitungen voll davon. Hundertschaften von Polizisten werden zum Schutz eingesetzt und die Spezialeinheit „Cobra“ ist in Alarmbereitschaft. Das Festessen findet im Gasthof Tscheppe* bei Gamlitz statt. Dieses Lokal des ältesten steirischen Weinbaubetriebes liegt wunderschön auf der Anhöhe, hart an der slowenischen Grenze mit traumhaften Blick in die Weinberge des südlichen Nachbarlandes.

Putin hat seit der politischen Wende immer schon enge Beziehungen zu Österreich gepflegt. So war er 1992 und 1993, noch als Bürgermeister von St. Petersburg,  anonym  mit seiner Frau und den zwei Kindern zum Urlaub in den Niederösterreichischen „Eisenwurzen“ (im Meldezettel steht als Beruf: „Jurist“). Zum Schifahren war er mehrfach am Arlberg, wo die Schilegende aus Lech Karl Schranz sein Lehrer war und er zusammen mit dem damaligen österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel die Pisten hinabfuhr . Mit dem ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil traf er sich mehrfach privat zu Kaminabenden in Wien. Die Kommentare zu seiner privaten Teilnahme an der Hochzeit der österreichischen Aussenministerin  Karin Kneissl, die parteilos ist  (von der Freiheitlichen Partei Österreichs, der FPÖ nominiert), sind nicht nur im eigenen Lande geteilt. Insbesondere aus  der Ukraine kommt heftige Kritik, da Österreich jetzt mit Bundeskanzler Sebastian Kurz den Ratsvorsitz der Europäischen Union übernimmt. Der Referent ist gespannt auf die Kommentare in den deutschen Zeitungen.

Helmut Schatz

*Im Gasthof Tscheppe organisierte der Referent vor einigen Jahren ein Matura – (Abiturienten) Jubiläum seiner Grazer Gymnasialklasse. Die Lokalität ist wirklich einmalig schön.

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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8 Antworten auf Tu felix Austria nube!

  1. Tutti sagt:

    Wo lebt es sich am besten? Diese Frage zu beantworten ist sicher von den eigenen Bedürfnissen abhängig. Auf Fragen bei Studenten, die in Wien studieren, wurde mir dieses Urteil wiedergegeben: Es lebt sich angenehm, interessant ,anregend, fröhlich, nicht zu teuer, Abwechslungen durch Tradition und Geschichte, durch Museen, Theater, Oper, Konzert, durch Universitäten modern und althergebracht, durch internationale Studenten und Bewohner, durch schöne Möglichkeiten im nahen Umland. Kurz, das Prädikat, die lebenswerteste Stadt zu sein, ist berechtigt.
    Zum 2. Punkt, der Hochzeit von Außenministerin Kneissl. Auch in Deutschland gibt es Berichte über ihre Hochzeit, zu der sie Putin eingeladen hat. Warum nicht? Kneissl ist Außenministerin, sie hat die Möglichkeit. Sie ist parteilos, war Freie Journalistin, sie bezeichnet sich selbst als Freigeist. Sie ist weltoffen,universell gebildet, sie setzt sich besonders mit dem Nahen Osten auseinander. Also ist ein Treffen aus dem privatem Anlass ihrer Hochzeit gewiss auch von Vorteil für die Beziehungen zwischen beiden Ländern.

  2. Franz sagt:

    Hier möchte ich doch (anonym) einsetzen. In Österreich sind sehr kaputte politische Strukturen mit einer überaus hohen Partei-Mitgliedschaft. Es werden Ihnen ein Parteibuch gemeinsam mit dem Arbeitsvertrag am 1. Arbeitstag in Krankenhäusern österreichweit aufgezwungen. Es ist bekannt, dass an der Universität Graz politisch eingesetzte Instituts Vorstände und Rektoren (in 1. Linie von der SPÖ) arbeiten. Wenn Sie richtig politisch geschult sind, dann erreichen Sie in Österreich im Gesundheitssystem einfach alles. Eine fachliche Qualifikation ist dabei unwesentlich und wenn Sie ausgezeichnet qualifiziert sind werden Sie politisch als „überqualifiziert“ wieder reduziert. Viele deutsche Ärzte bewerben sich schon aus diesen bekannten Gründen nicht mehr in Österreich. Fragen Sie einmal den Herren Tscheppe und lassen Sie sich bestätigen, dass er fast 75% seines Einkommens für Steuern ausgibt. Aber fragen Sie ihn unter nur 4 Augen, denn auch politische Verfolgung ist nicht ungewöhnlich. Wenn ein Land nicht mit so teuren Mitteln eine halbwegse Gesundheitsversorgung schafft ist das traurig.
    Lieber Herr Professor Schatz, ich glaube Sie haben keine Vorstellung welches Klima allgemein in Östereich herrscht. Aber bald >30% Wähler der Rechtspartei FPÖ sind ein sicheres Zeichen, dass etwas gar im Argen ist. Sie würden niemals meh´r in Graz arbeiten wollen.

    • Helmut Schatz sagt:

      Lieber anonymer Franz, mein Blog bezog sich doch auf das Rating von „The Economist“ über die Großstädte der Welt und die Berichte über das Treffen Kneissl – Putin. Die Position 1 von Wien als lebenswerteste Stadt, insbesondere auch für dort arbeitende Ausländer, hat mit der gegenwärtigen innenpolitischen Situation in Österreich natürlich gar nichts zu tun. Mir ist wohlbekannt, dass in Österreich der Parteienproporz schon immer eine große Rolle gespielt hat und noch spielt. In Deutschland gab es dafür lange Zeit einen Konfessionsproporz. So sollten beispielsweise Bundespräsident und Bundeskanzler nicht dem gleichen religiösen Bekenntnis angehören. Das gilt erfreulicherweise in der Politik heute kaum mehr. Bei der Berufung von Chefärzten kirchlicher Krankenhäuser allerdings spielt die Konfession auch heute – verständlicherweise – eine wichtige Rolle. Zur FPÖ: In Deutschland ist das Aktionsbündnis für Deutschland (AfD) knapp daran, die SPD als zweitstärkste Partei zu überholen.

  3. Helmut Schatz sagt:

    Heute besuchte ich den Gasthof Tscheppe, wo vor 2 Tagen die heiß diskutierte Teilnahme von Präsident Putin an der Hochzeit der österreichischen Außenministerin Karin Kneiassl stattfand. Dass Lokal war geschlossen und die umliegenden Weinbauern berichteten von der hermetischen Absperrung eine weiten Gebiets. Alle Weinlokale mußten dort geschlossen bleiben. Der Fahrzeugkonvoi von Putin befuhr die „Südsteirische Weinstraße“, auf der streckenweise die Staatsgrenze zwischen Österreich und Slowenien (der früheren Untersteiermark) verläuft. Der fotografierende Referent steht auf dem Bild auf der nördlichen Straßenseite, auf österreichischem Staatsgebiet, sein Schatten fällt auf den südlichen, den slowenischen Teil der Straße.

  4. Mischa sagt:

    Kleine Korrektur:
    Karl Schranz ist aus St. Anton nicht aus Lech

  5. Matthias sagt:

    Lieber Herr Schatz,
    Eine kleine Korrektur Iher Ranking Tabelle: Im Mercer 2018 war Zürich auf Platz 2 (von Ihnen gar nicht erwähnt) und München gemeinsam auf Platz 3. Düsseldorf war 6, Frankfurt 7 , Genf 8.

  6. Helmut Schatz sagt:

    Am Sonntag, 19. August 2018 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein ganzseitiger, sorgfältig recherchierter Artikel über die österreichische Aussenministerin unter dem Titel: „Karin Kneissl knüpft Bande nach Russland“. Wer Näheres über sie erfahren möchte, sollte diesen Beitrag von Yvonne Staat lesen.

  7. Österreich-Freund sagt:

    Als Österreich-Freund registrierte ich belustigt, dass die Grazer einen Wiener wegen seines Autokennzeichens W „Wildsau“ nennen, die Wiener einen Grazer mit dem Autokennzeichen G als „G´scherter“ (= Geschorener, =Provinzler). Daher freute es mich, in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) vor einigen Tagen zu lesen, dass man statt nach Wien auch nach Graz fahren könne, mit großem Kulturangebot, mehreren Universitäten, exzellentem steirischen Wein und, was Wien nicht hätte, „südlichem Flair“. Es haben ja auch etliche italienische Baumeister in Graz Gebäude errichtet, so auch das Mausoleum für den Habsburger Kaiser Ferdinand II., der in Graz in der Hofburg mit der berühmten gotischen Doppelwendeltreppe residierte, als es Hauptstadt von Innerösterreich war.

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