Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Vitamin D ohne Nutzen für Knochendichte, Knochenbrüche und Stürze – “the end of the story”?


Bochum, 1. November 2018:

Diesmal soll kurz auf eine Arbeit aufmerksam gemacht werden, die am 4. Oktober online in THE LANCET Diabetes & Endocrinology erschien (1). Sie wurde bei ihrer Publikation ín einem Editorial besprochen (2) und anschließend intensiv diskutiert (3,4). Den unten abgebildeten, zusammenfassenden Text hat der Referent für einen Vortrag aus dieser Publikation von Bollard et al. (1) erstellt.

Kommentar

Die Aussage dieser Arbeit entspricht in etwa der aktualisierten Bewertung der US Preventive Services Task Force (USPSTF) für eine Vitamin D –Gabe an Ältere über 65 Jahre.  Im Blogbeitrag vom 18. April 2018 (5) wurde diese beschrieben:  Man sah eine unzureichende, inkonsistente Nutzen-Risiko-Bilanz für Vitamin D für diese Gruppe von Menschen. Die USPSTF schrieb: “The task force discourages the use of vitamin D  because of moderate or high certainty of no net benefit or that  harms outweigh benefits“, und weiter: „The task force did find sufficient evidence confirming an increased risk for kidney stones with combined vitamin D and calcium supplementation”. Vielmehr wird von der USPSTF auf Grund der Analysen der multifaktoriellen Programme mit verstärkter körperliche Aktivität diesen ein hoher Nutzen zur Verhinderung von Stürzen und damit von Knochenbrüchen zugesprochen (5).

Bei der Arbeit von Bollard et al. (1) ist zu bedenken, dass die Tücke von Meta-Analysen immer im Detail liegt. Dies betrifft die Auswahl und die methodische Qualität der Studien sowie  die Zahl der Patienten mit und ohne Vitamin D – Mangel. Ihre Aussage liegt aber generell im Trend der derzeit überwiegenden Auffassungen über die Rolle von Vitamin D. Die großen, noch nicht abgeschlossenen (VITAL) oder noch laufenden (D-HEALTH) Studien sollten eine Antwort auf die offenen Fragen geben.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Mark J. Bollard et al.: Effect of vitamin D supplementation on musculoskeletal health:  a systematic review, meta-analysis, and trial sequential analysis.
THE LANCET Diabetes & Endocrinology online October 04, 2018.
DOI: https://doi.org/10.1016S2213-8587(18)30265-1

(2)  J. Chris Gallagher: Vitamin D and bone density, fractures, and falls: the end of the story?
THE LANCET Diabetes & Endocrinology online October 04, 2018.
DOI: https://doi.org/10.1016/S2213-8587(18)30169-9

(3) The Lancet Diabetes & Endocrinology: Osteoporosis: a roadmap to close the treatment gap.
THE LANCET Diabetes & Endocrinology online October 12, 2018.
DOI: https://doi.org/10.1016/S2213-8587(18)30292-4

(4) Coliquio-Beitrag, präsentiert von HelioDrei Trinkampullen: Vitamin D : Ein Streit geht an die (Knochen)-Substanz.
https://coliquio.de/wissen/vitamin-d-100/Vitamin-D-Streit-K

(5) Helmut Schatz: Bewegung, nicht Vitamin D zur Vorbeugung von Stürzen und Knochenbrüchen! Die neuesten Empfehlungen.
DGE-Blogbeitrag vom 18. April 2018

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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3 Antworten auf Vitamin D ohne Nutzen für Knochendichte, Knochenbrüche und Stürze – “the end of the story”?

  1. Wolfgang Stoeth sagt:

    Forscher nennen das nützlichste Vitamin für Herz und Gefäße

    Der Anteil des Vitamins D im menschlichen Organismus hat sich laut den US-Kardiologen als einer der stärksten Faktoren erwiesen, die die Gesundheit von Herz und Gefäßen und ihre Fähigkeit bewirken, dauerhafte Belastungen auszuhalten. Dies ist einem Artikel im Fachmagazin EJPC (European Association of Preventive Cardiology) zu entnehmen.
    Und mit Verlaub, würde man nur seinen eigenen Verstand gebrauchen, käme man auch als Nichtmediziner zu einem gleichen Ergebnis.

    • Helmut Schatz sagt:

      Studieren Sie bitte die Ergebnisse der bisherigen Outcome-Studien und warten Sie sie Ergebnisse der beiden Langzeitstudien VITAL und D HEALTH ab. Helmut Schatz

      • Helmut Schatz sagt:

        Die VITAL STUDY-Ergebnisse wurden am 10.11.2018 in Chicago auf dem AHA-Kongress präsentiert: Vitamin D, 2000 Einheten pro Tag über mehrere Jahre bei bei etwa 12.000 Personen zeigten keinen kardiovaskulären Nutzen (auf Herzinfarkt, Schlaganfall, Tod).

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