Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Besteht bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse eine erhöhte Impf-Priorität gegen COVID-19?


ENDOKRINOLOGISCHES DISKUSSIONSFORUM

Bochum, 9. April 2021:

Gestern abends rief mich unser DGE-Mitglied Prof. Ulrich Beil aus Hamburg an und fragte, ob die DGE zu einer Priorisierung bei der COVID-19-Impfung von Patienten mit Autoimmunthyreopathien, insbesondere einer Hashimoto-Thyreoiditis eine Stellungnahme abgegeben habe. Seine Praxis im Hamburger „Medizinicum“ würde jetzt überlaufen von Patienten, die deshalb bevorzugt geimpft werden wollen.

Die Patienten berufen sich auf eine Mitteilung im Bundesanzeiger (1), in welchem die Verordnung zum Anspruch auf Coronavirus-Schutzimpfung vom 10. März des Bundesministeriums für Gesundheit abgedruckt ist. Ich wurde mit dieser Verordnung bisher in meiner Praxis nicht konfrontiert und  habe nachgesehen: Die Reihenfolge der Schutzimpfungen wird darin angegeben als mit 1. höchster, 2. hoher und 3. erhöhter Priorität. Dann kommen die Folge- und Auffrischungsimpfungen. Mit „erhöhter Priorität“ (Punkt 2b) werden  die Personen definiert, bei denen ein „erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht. Dies seien Patienten „mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder rheumatologischen Erkrankungen“ (1).

Die DGE hat am 16. Juli 2020 in ihrem Blog: „Endokrinologie während der COVID-19-Pandemie“ (2) die Stellungnahmen der European Society of Endocrinology (ESE) aus dem European Journal of Endocrinology abgedruckt und sich hinter diese Aussagen gestellt. Dort findet sich die Publikation über „Management of hyper- and hypothyroidism“ (3). Darin steht: „There is no evidence that patients with existing autoimmune thyroid disease are more susceptible to contracting viral illnesses including infection with SARS.CoV-2 or that they are at risk of developing more severe COVID-19 disease….. Certain subsets of patients, such as with Graves´ ophthalmopathy who are actively undergoing immunosuppressive therapy, are likely to be at increased risk of developing severe corona virus infection.“  Zusammengefasst heißt es: „Autoimmune thyroid diseases are not linked to increased risks of COVID-19….. Uncontrolled thyrotoxicosis may result in more severe complications from SARS-CoV-2 infection including thyroid storm. The management of patients with a new diagnosis of hyperthyroidism is best undertaken with a block- and replace-regimen….“ . Zur Hashimoto-Erkrankung wird geschrieben: „No particular concerns are evident for the management of patients with hypothyroidism during this pandemic“ (3).

Wie ist, liebe DGE-Mitglieder, Kolleginnen und Kollegen, Ihre Meinung zu der Frage, wie sie Herrn Prof. Beil jetzt sehr häufig von Patienten gestellt wird? Wenn ich den Text der Verordnung im Bundesanzeiger lese, sind dort  zwar „Autoimmunerkrankungen“ angeführt, bei der Hashimoto-Thyreoiditis, nur in besonderen Fällen wie einer immunsuppressiv behandelten endokrinen Orbitopathie bei M. Basedow, besteht aber kaum ein „erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2“.  Durch das jetzt angelaufene Impfen in der Praxis mit weniger strikten formalen Vorschriften und keiner Pflicht zu einer umfangreichen Dokumentation dürfte  dieses Problem  aber wohl nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Bundesanzeiger, BAnz AT 11.3.2021 V1

(2) Helmut Schatz: Endokrinologie während der COVID-19-Pandemie.
DGE-Blogbeitrag vom 16. Juli 2020

(3) Kristien Boelaert et al.: Management of hyperthyroidism and hypothyroidism.
European Journal of Endocrinology,183(1):G33-G39

Bitte geben Sie hier bekannt, gerne auch mit Spitznamen, was Sie von der Verordnung des Bundesministeriums für Gesundheit im Bundesanzeiger halten. Wie verhalten Sie sich jetzt in ihrer Praxis?

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24 Antworten auf Besteht bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse eine erhöhte Impf-Priorität gegen COVID-19?

  1. Dr.med. Carsten Mayer sagt:

    Bei hypothyreoten Patienten auf dem Boden einer Autoimmunthyreoiditis Hashimoto sehe ich ebenso wie der Blogreferent keinen Grund für eine Covid-Impfpriorisierung. Die Diktion in der Verordnung des Gesundheitsministeriums ist eindeutig.

  2. Bayrischer Internist sagt:

    In meiner internistischen Sprechstunde in Süddeutschland betreue ich viele PatientInnen mit einer Hashimoto-Erkrankeng.
    Bisher kam noch niemand, der/die „priorisiert“ geimpft werden wollte. Ich kann auch keinen Grund dafür erkennen, weder medizinisch noch regulatorisch.

  3. Beppo sagt:

    Auch wenn hier die Ärzte gefragt sind, wage ich als Patientin die umgekehrte Frage an die Mediziner. Denn damit bin ich auch nicht alleine:
    Wenn ein außergewöhnlich starker Autoimmunprozess vorliegt, ist dann sogar im Gegenteil das Risiko für Impferkrankungen höher? Es heisst ja, die Thrombosen bei Frauen seien durch eine immunologische Überreaktion ausgelöst. Mir ist bekannt, dass Impfungen generell bei schwer Autoimmunerkrankten problematisch sind. Nur mit einem hochentzündlichen Hashimoto, TPO-Antikörper nach 25 Jahren immer noch hoch vierstellig, ist es nicht Fisch und nicht Fleisch, oder? So richtig ernst nimmt man das ja bei Hashimoto nicht. Gripppeimpfung war nie ein Problem. Trotzdem überlege ich, besser auf Astra.. zu verzichten. Allerdings nehme ich auch an, mit einem hochfloriden Hashimoto, wie es immer in meiner Akte steht, wird man kein Wahlrecht haben?
    Besten Dank.

  4. Helmut Schatz sagt:

    Die ersten Reaktionen niedergelassener Ärzte sind im Hinblick auf bürokratischen Aufwand und Unsicherheiten in der Lieferung von Vakzinen negativ. Auch die Impfreihenfolge sei einzuhalten. Die Realität des Impfens in der Praxis sieht offenbar, zumindest mancherorts anders aus als ich es im letzten Satz mrines Kommentars angenommen hstte.

  5. Große Hexe sagt:

    Ich bin total verunsichert. Zum einen habe ich eine in Deutschland sehr seltene Autoimmunerkrankung, es gibt nur wenige gemeldete Fälle von Menschen mit dieser Erkrankung. Zum anderen hatte ich häufiger Thrombosen und im Jahr 2000 ,mit Ende 20 eine Lungenembolie. Schilddrüsenunterfunktion kommt noch dazu. Ob für mich diese Covit 19 Impfung gefährlich sein könnte, hat mir bis heute niemand gesagt. Mein Blut wurde nach der Lungenembolie vom Hämatologen im Krankenhaus untersucht. Es hiess, ich hätte die Faktor 5 Erkrankung, im Endeffekt zu dickes Blut. Vererbung, nach mir hat sich meine Mutter untersuchen lassen, selbes Ergebnis. Meine Tochter hatte mit 15 Jahren ihre erste Thrombosen, die habe ich gleich mitgenommen ins Krankenhaus zur Untersuchung beim Hämatologen, auch Faktor 5. Wir beide Macumar verordnet. Bei mir wurde es aber vor der Verlegung des Darmausgang abgesetzt, ich bekam Heparin. Tochter hat irgendwann auch mit Macumar aufgehört. Ich bin total uninforiert und habe Angst !

  6. Helmut Schatz sagt:

    Mit einer Faktor V – Leiden – Erkrankung mit schon stattgehabter Lungrnembolie, typischerweise als Erbkrankheit familiär, sollten Sie dauerhaft antikoaguliert sein (meine Patienten erhalten Marcumar). Ob Sie sich impfen lassen sollen? Das kann ich nicht beantworten, sondern sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Hämatologen entscheiden. Wenn ja, nicht mit AstraZeneca, sondern BionTec. Die Schilddrüsenunterfunktion spielt dabei keine Rolle.

  7. Chrissi44 sagt:

    Eine ähnliche Geschichte wir bei mir.
    Blutgerinnungsstörung nicht genauer definiert, evtl. Antiphospholipidsyn, Faktor VIII und Thrombozyten dauerhaft erhöht.
    Mehrere Thrombosen, Schlaganfall und Lungenembolie in der Vorgeschichte.
    Seitdem nehme ich Marcumar.
    Hashimoto, Nebenniereninsuffizienz, Shunt wegen Hydrocephalus,
    künstlicher Darmausgang, Immundefekt.
    Bin auch sehr unsicher, die meisten Ärzte raten mir zur Impfung, andere sagen, ich solle besser noch abwarten. Ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl.

  8. Beppo sagt:

    Bei mir hat es sich mittlerweile geklärt. Nicht der Hashimoto selber mit höchsten Antikörpern, wohl aber Begleiterkrankungen führen für mich zur Entscheidung, es sein zu lassen. Eine davon, eine Mastzellerkrankung mit häufigen Schleimhautblutungen, steht extra aufgeführt auf dem Anamnesebogen als Risikofaktor. Impfung soll nur unter verlängerter Überwachungszeit durchgeführt werden. Wobei bei mir 30 Minuten nicht ausreichen würden, die Blutungsprobleme gehen manchmal erst nach Stunden los, und Entzündungsschübe im Gehirn nach Tagen.
    Also am Ende spielen für mich nicht nur die Krankheiten, sondern auch meine Situation als Alleinstehende und Behinderte eine Rolle. Wenn mir was passiert, findet mich erstmal keiner. Dies ungute Gefühl kriege ich nicht weg, und das möchte ich nicht riskieren. Zumal kranke Leute sich auch geimpft weiter sehr in Acht nehmen müssen, ich würde ja nicht im Gegenzug die Sicherheit haben, dass ich100 % geschützt bin.

  9. Sigrun Merger sagt:

    Es gibt gute Daten, die einen Zusammenhang von SD-Fehlfunktionen mit Gerinnungsproblemen zeigen, was möglicherweise Auswirkungen auf Covid bzw. auch auf die Impfung haben könnte.
    Hier denke ich, dass wir nicht von Hashimoto im Allgemeinen sprechen sollten, sondern vom Pat. mit seinem „Gesamtpaket“ abhängig individuell vorgehen sollten.

  10. Alex sagt:

    Ist die Frage nicht eher, wie ist die Verordnung juristisch zu interpretieren? Dürfen nur Personen mit gefährdeten Autoimmunerkrankungen geimpft werden oder ist da eine nicht deutliche Formulierung und alle Autoimmunerkrankungen sind gemeint. Ich habe noch Zöliakie und auch die DGZ ist such da wohl unsicher mittlerweile.

  11. Hashimoto Patient sagt:

    Wenn die Hashimoto Thyrioditis eine Autoimmunerkrankung ist und in der Impfverordnung Autoimmunerkrankungen in Gruppe 3 genannt werden, warum ist dann fraglich, ob Hashimoto Patienten priorisieren werden sollen?

  12. Helmut Schatz sagt:

    Weil, wie oben der Wortlaut der Verordnung besagt, bei Hashimoto kein erhöhtes Risiko FÜR EINEN SCHWEREN ODER TÖDLICHEN VERLAUF bei Covid- 19 besteht.

  13. Jurist21 sagt:

    Herr Schatz, aus medizinischer Sicht mögen Sie Recht haben, aber aus juristischer Sicht ist das erhöhte Risiko hier per Verordnung festgestellt worden. Sonst müsste es heißen „…folgende Personen, WENN ein erhöhtes Risiko…besteht“.

  14. Helmut Schatz sagt:

    Hier der Wortlaut aus dem Bundesanzeiger, für die Nicht-Juristen in diesem MEDIZINHEN DISKUSSIONSFORUM :
    1) Folgende Personen haben mit erhöhter Priorität Anspruch auf Schutzimpfung:
    1.)………
    2. Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht. ….
    a)….
    b) Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder rheumatologische Erkrankungen.
    Bei Hypothyreose, meist wg. Autoimmunthyreoidids Hashimoto, besteht aber KEIN ERHÖHTES RISIKO für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf.: „No particular concerns are evident … “ schreibt die European Society for Endocrinology (Lit.3). Wenn man nicht eine Krankheit, sondern einen Wortlaut analysiert, mag man die Situation so wie Sie, lieber Jurist21 sehen. Aber: Ein „erhöhtes Risiko“ kann man doch nicht „per Verordnung feststellen, wie Sie schreiben.

  15. Beppo sagt:

    Es funktioniert doch sowieso nicht. Mein Bundesland Bremen beachtet bisher Erkrankungen gar nicht, es geht strikt nach Geburtsjahrgang abwärts, per Einladung, und das ist gut so. Alles andere wäre Mauschelei. Wer bitte soll denn beurteilen, mit welcher Diagnose man warum ein erhöhtes Risiko hat? Ganz sicher hat nicht jeder mit derselben Erkrankung ein gleich hohes Risiko. Ich habe wegen Hashimoto 100 % Schwerbehinderung, natürlich bin ich da die Ausnahme. Wenn Rheumakranke ein erhöhtes Risiko haben, dann habe ich das auch. Wer aber wegen Hashimoto ein LT morgens einwirft und gesund ist, hat es nicht.

    Anderes Beispiel: Mir erzählt eine Bekannte mit extrem seltener schwerer Erkrankung, dass in ihrem Bundesland die Krankenkassen den Impfzentren die kranken Patienten benennen. Sie ist nicht dabei, dafür leicht kranke Diabetiker und Leute, die vor 15 Jahren einen Krebs hatten. Ich schätz, die nehmen ihre DMP-Programme, Pech für exotisch Kranke, wie immer.

  16. ER sagt:

    Mein MB wurde vor ca. 15 Jahren behandelt. Seit dem mit Tabletten gut eingestellt . Mit der Radio-Jod-Therapie, und Bestrahlung sind die Augen behandelt worden. Die Wucherungen auf dem Schienenbein sind geblieben und inoperabel. Ich hatte mich auf eine Warteliste gesetzt, weil dort die Vorerkrankung „Autoimunerkrankung“ steht. Allerdings sagt heut die Vertretung von meinem Hausarzt (selbe Praxis, also Krankenakte liegt vor), der MB wäre ausgeheilt, da ich ja keine SD mehr habe. Ich sollte einen Test von bestimmten Werten beim Nuklearmediziner machen. Der Anruf bei einem Nuklearmed. war erfolglos, weil er mich zum Endokrin. verwiesen hat. Verwirrung komplett. Jetzt warte ich lieber auf meinen Hausarzt. Und wenn die Priorisierung aufgehoben wird, dann hat sich die Warteliste sowieso erledigt.

  17. Regina sagt:

    Folgende Information findet sich auf der Seite der Schilddrüsen Liga Deutschland e.V.

    „Haben Patienten mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Covid-19 Erkrankung?

    Hierzu weist die European Thyroid Association (ETA) darauf hin, dass Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen per se kein erhöhtes Risiko für eine Covid-19 Erkrankung zeigen [ETA 2020]. Allerdings ist momentan noch unklar, ob der Erreger SARS-CoV2 die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt. Dass bei Patienten mit einer Autoimmunerkrankung das Risiko für einen schwereren Verlauf besteht, lassen die Daten bisher nicht erkennen. Die ETA empfiehlt jedoch, dass diese Patienten einer niedrigen bis mittleren Risikoklasse (ähnlich wie Patienten mit einer rheumatischen Erkrankung) zugeordnet werden sollten.“

  18. R.S. sagt:

    Wenn es um die Herleitung eines Anspruchs (auf bevorzugte Impfung) geht, ist festzustellen, dass die CoronaImpfV unter §4 2. b) keine weitere Differenzierung (nach genauer bestimmten Autoimmunerkrankungen) vorsieht. D.h. der betroffene Patient meint nicht nur einen entsprechenden Anspruch auf Impfung zu haben, sondern er hat ihn Kraft Verordnung! Was rein praktisch daraus resultiert ist eine andere Frage.

  19. Georg Mansmann sagt:

    Alle Betroffenen mögen sich vor Augen halten, dass bei einer bevorzugten Impfung andere Menschen zurückstehen müssen. Autoimmunerkrankung ist lediglich ein Oberbegriff für sehr unterschiedliche Erkrankungen, die von milde bis tödlich verlaufen können. Manche führen zu schwersten Organschäden und/oder müssen mit Immunsuppressiva behandelt werden. Es gibt keinerlei Daten, die darauf hinweisen, dass Patienten mit alleiniger (!) Hashimoto-Thyreoiditis schwerere Verläufe bei SARS-CoV-2 zeigen. Hier formaljuristisch zu argumentieren ist nicht sonderlich hilfreich. Der Gesetzgeber kann nicht bzgl. jeder Erkrankung entsprechende Vorgaben machen. Glücklicherweise können die meisten Menschen diesen Sachverhalt nachvollziehen.

  20. S.K. sagt:

    Hier ist juristisch auszulegen. Personen mit einem erhöhten Risiko eines tödlichen Verlaufs sind extra genannt. Würde man das erhöhte Risiko voraussetzen, wären alle Punkte mit einem UND verbunden. Auch die in derselben Kategorie benannten Wahlhelfer und Personen, die Mitglieder von Verfassungsorganen sind, haben per se kein erhöhtes Risiko für einen tödlichen Verlauf.

  21. Georg Mansmann sagt:

    Lieber S.K,
    das ist nicht ganz richtig. Unter Punkt 2 mit den Unter(!)gruppen 2a-i) werden die Erkrankungen mit hohem Risiko für schweren Verlauf aufgeführt. Als Nicht-Jurist scheint für mich diese Formulierung eindeutig: Autoimmunerkrankungen, die zu einem erhöhten Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf mit SARS-CoV-2 einhergehen, werden priorisiert, andere nicht (also UND).
    Bei den unter 3)-9) genannten Gruppen liegen andere Gründen für eine Impfpriorisierung wie Unabkömmlichkeit am Arbeitsplatz etc. vor.
    Im Übrigen kann man auch schon über die Definition Autoimmunerkrankung streiten. Bereits geringfügig erhöhte Schilddrüsen-Ak ohne weitere Krankheitszeichen werden ja gelegentlich als Hashimoto bezeichnet. Sollen diese Personen auch Zulasten anderer bevorzugt werden? Es wird an diesem Beispiel schnell klar, dass nach ärztlichen Ermessen entschieden werden muss. Gefälligkeitsattteste bringen uns nicht weiter.

  22. Mario Gaab sagt:

    Laut einer Metastudie sind Schilddrüsenpatienten einem signifikant höheren Risiko ausgesetzt, einen schweren Verlauf von Covid-19 zu erleiden: „Based on a contrite meta-analysis of available data, thyroid disease seems to be associated with an enhanced risk of severe COVID-19 infection.“
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7387272/

    Hier sind auch explizite Gründe genannt, warum dies der Fall ist. Daher verstehe ich die Einschätzung der European Society of Endocrinology nicht, und kann sie nur wieder dahingehend erklären, dass Hashimoto selbst in Fachkreisen immer noch als geringfügige Krankheit abgetan wird, deren Folgen nicht einmal annähernd klar sind.

    Weiterhin ist die Formulierung über die Impfpriorisierung eindeutig. Autoimmunerkrankungen werden klar als Zugehörigkeit zur Gruppe 3 genannt, die Verordnung lässt eine Herabstufung aus medizinischer Sicht nicht zu.

  23. Sunny sagt:

    Hallo,
    ich habe Hashimoto und ein Lipödem. Bin in der 6. Woche schwanger, daher kommt nach Stiko eh im Moment keine Impfung für mich in Frage. Trotzdem habe ich natürlich Angst vor Ansteckung, da mein Mann als Krankenhausarzt viele Kontakte hat (der ist aber schon 1 x geimpft) und unser 3-Jähriger eine große Kita besucht.
    Falls irgendwann Hashimoto-Patienten (und Schwangere) generell ein Impfangebot bekommen: Kann jemand der hier anwesenden Spezialisten sagen, zu welchem Impfstoff Sie mir raten würden? Ich persönlich würde AstraZeneca ausschließen und z.B. BionTech bevorzugen – bin aber halt Laie.
    Insgesamt finde ich es schändlich, sich ein Impfattest zu holen, wenn man seine Autoimunerkrankung gut im Griff hat, weil es immer noch viele anderen gibt, die die Impfung dringender brauchen.

  24. Gisela Sommer sagt:

    „Die Deutsche Autoimmun -Stiftung“ verweist auf eine Studie mit folgender Aussage:

    „Autoantikörper könnten schwere Verläufe der SARS-CoV-2 Infektion verursachen.
    Eine neue Studie amerikanischer Forscher hat gezeigt, dass zirkulierende Autoantikörper die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) bei Patienten mit einer SARS-CoV-2 Infektion begünstigen können. Derartige Autoantikörper verstärken im Rahmen der Virusinfektion das Auftreten lebensgefährlicher Komplikationen…“ „Das Blut von hospitalisierten „Corona-Infizierten“ wurde auf insgesamt acht Typen der Antiphospholipid-Antikörper untersucht…“

    Wird das sekundäre Auftreten von Antiphospholipidantikörpern (PLA) nicht mit verschiedenen Grunderkrankungen assoziiert: u.a. mit Hashimoto? Ist die derzeitige Studienlage wirklich so eindeutig, dass man den Ausschluss der Hashimoto Patienten von der Gruppe 3 rechtfertigten kann? Nur weil sie flapsig gesagt, nicht krank genug erscheinen?

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