Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Insulin nur 1x wöchentlich – möglicherweise sogar kombiniert mit dem GLP-1-Agonisten Semaglutid in nur 1 Pen?


Neuigkeiten vom Kongress der Amerikanischen Diabetesgesellschaft (ADA), Teil II

Bochum, 18. Juni 2020:

Auf dem virtuellen ADA-Kongress 2020 trug Julio Rosenstock aus Dallas, University of Texas, am 14. Juni 2020 die Phase II – Resultate bei Typ-2- Diabetespatienten vor, die ein basales Insulinanalog verwendeten,  das nur 1x wöchentlich zu spritzen war (1). Das Insulinanalog  (mit der Bezeichnung „Icodec“) wurde von Novo Nordisk entwickelt. Es ist ein albumingebundenes Analog, welches als zirkulierendes Insulindepot eine Halbwertzeit von 196 Stunden aufweist. In einer randomisierten, doppelblinden Vergleichsstudie bestand im primären Endpunkt, der HbA1c-Absenkung,  gegenüber täglicher Glargininsulin-Injektion kein signifikanter Unterschied.

Eingeschlossen wurden 247 insulin-naive Typ-2 – Diabetespatienten mit einem HbA1c zwischen 7.0 und 9.5% trotz Metformintherapie, etwa die Hälfte nahm auch einen Dipeptidypeptidase (DDP-4)-Hemmer ein. Die Mittelwerte betrugen für das Alter 59.6 Jahre, Diabetesdauer 9.7 Jahre, den  basalen HbA1c-Wert 8.0% und  die Nüchternglukose 181 mg/dl. In der Treat-to-Target-Studie (Dauer 26 Wochen) wurde auf-  und abtitriert, um Glukosespiegel von 70-108 mg/dl zu erreichen. In der Icodec – Gruppe sank  HbA1c um 1.33, unter Glargin um 1.15 Prozentpunkte (p=0.08). Die mittleren HbA1c-Werte betrugen für Icodec 6.75% und für Glargin 6.9%. Die Nüchternglukosespiegel verhielten sich praktisch identisch. Nach 26 Wochen sanken sie unter Icodec und Glagin um 58 bzw. 54 mg/dl. Die Selbstkontrollwerte (9-Punkteprofil) waren unter Icodec signifikant niedriger, zufolge niedrigerer postprandialer Werte nach dem Frühstiück und Mittagessen. Die Gesamtinsulindosen während der letzten 2 Wochen mit Icodec und Glargin betrugen 229 bzw. 284 Einheiten pro Woche. Die Gewichtszunahme war identisch (+1.5 vs. +1.6 kg).

Hypoglykämien: Diese traten unter Icodec häufiger auf als unter Glargin: mild in  53.6 % vs. 37.7%, moderat oder klinisch bedeutsam: 16.0 vs. 9.8% und schwer 1 vs. 0.8% .

Nach dem Vortrag meinte Charles M. Alexander, 2008-2015 zuständig für den Diabetes bei Merck & Co  und jetzt bei einer Firma in Pennsylvanien tätig, man müsse erst die Phase III-Studien abwarten, aber die vorliegenden Resultate seien vielversprechend. Das Insulinanalog Icodec könne vielleicht sogar zusammen mit dem GLP-1-Analog Semaglutide in einem einzigen Pen nur 1x wöchentlich injiziert werden, was die Compliane bei vielen Menschen mit Diabetes wohl erhöhen dürfte.

Helmut Schatz

Literatur

(1) ADA 2020 Wissenschaftliche Sitzungen, Abstracts 236-OR,  237-OR,  238-OR

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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