Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Knochenverlust nach Absetzen von Denosumab (Prolia®) zur Osteoporosetherapie durch Zoledronsäure nicht völlig zu verhindern


Bochum, 3. Juli 2020:

Am 27. Mai 2020 erschien im Journal of Bone and Mineral Research eine Untersuchung von Anne Sophie Sølling et al. aus Aarhus, Dänemark (1) an 61 postmenopausalen Frauen und Männern, die wegen einer Osteoporose mit Denosumab (Handelsname: Prolia®) behandelt worden waren. Sechs oder neun Monate nach der letzten Denosumab-Gabe oder in der „Beobachtungsgruppe“ dann, wenn der Knochenumsatz über ein bestimmtes Ausmaß gestiegen war, wurde Zoledronsäure infundiert.

Die Knochendichte nahm in allen drei Behandlungsgruppen dennoch wieder ab. Der Anteil der Patient/innen, bei denen die Knochendichte innerhalb von 6 Monaten nach Zoledronattherapie über den „Least Significant Change“ des jeweiligen Messortes hinaus abgefallen war, betrug für die Lendenwirbelsäule in der 6-Monate-Gruppe 30%, in der 9-Monate-Gruppe 45% und in der „Beobachtungsgruppe“ 47%; Korrespondierende Zahlen für den Gesamtfemur:  5%, 25% bzw. 11%.

Der Marker für den Knochenumsatz p-CTX (p-cross-linked C-terminal telopeptide) nahm anfangs ab, stieg später aber rapide an.

Neu auftretende Wirbelbrüche innerhalb von 12 Monaten nach der Zoledronat-Gabe wurden bei 2 Patientinnen der 9-Monate-Gruppe gesehen.

Kommentar

Im DGE-Blog wurde bereits im Jahr 2017, basierend auf den Berichten aus der Schweiz auf ein erhöhtes Knochenbruchrisiko nach Absetzen von Denosumab aufmerksam gemacht (2). Die Diskussion nach diesem Bericht war sehr lebhaft.  Patientinnen berichteten über dramatische multiple Wirbelbrüche. Ein weiterer DGE-Blog (3) schilderte die Resultate einer einjährigen Denosumab-Therapie-Studie, in welcher der stärkste Knochenverlust nach Absetzen von Prolia®, gefolgt vom Bisphosphonat Alendronat, bei den Patientinnen gesehen wurde, deren Knochendichte am stärksten zugenommen hatte. Der Wert vor Denosumab wurde jedoch bei den meisten Patientinnen nicht unterschritten. Sølling et al. berichten in der aktuellen Publikation, dass 70% der Patienten/innen vor der Denosumab-Gabe bereits Alendronat bekommen hätten, weil in Dänemark die Kosten von Denosumab von den Kassen nur übernommen werden, wenn vorher Alendronat gegeben worden war, dieses aber nicht toleriert wurde, oder wenn eine Kontraindikation bestanden hatte.

Facit:

Vorsicht mit Denosumab, streng den halbjährigen Abstand der Folgeinjektionen einhalten! Eine Anschlusstherapie mit Zoledronat nach einer mindestens zweijährigen Vortherapie mit Denosumab kann einen Knochenverlust bei vielen Patient/innen offenbar nicht völlig verhindern. Ob man bei Absetzen von Denosumab bei fehlenden Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten eher Alendronat oder Zoledronsäure geben soll, muss offen bleiben, da die bisherigen Studien, die man zum Vergleich heranziehen kann, zu verschieden waren.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Anne Sophie Sølling et al.: Treatment with zoledronate subsequently to denosumab in osteoporosis: a randomized trial.
J. Bone Mineral Res. First published 27 May 2020. https:10.1002/jbmr.4098

(2) Helmut Schatz: Prolia® (Denosumab): Rebound-Effekt mit multiplen Wirbelbrüchen nach Absetzen der Therapie.
DGE-Blogbeitrag vom 12. Februar 2017

(3) Helmut Schatz: Osteoporose-Therapie: Achtung beim Absetzen von Denosumab (Prolia®)! Bei den Patienten mit der größten Knochendichte-Zunahme droht der stärkste Knochenverlust.
DGE-Blogbeitrag vom 18. Oktober 2019

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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