Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Vitamin D schützt nicht vor Krebs


Bochum, 22. Juli 2018:

Im Onkologie-Journal der Amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA Oncology, Lit 1.) erschien das Ergebnis einer post-hoc-Analyse der ViDA-Studie (Vitamin D Assessment Randomized Clinical Trial) an 5108 frei lebenden Menschen in Neuseeland über im Mittel 3.3 Jahre. Nach Randomisierung wurden an die Teilnehmer entweder Kapseln mit 100.000 IE Vitamin D (Start-Bolus von 200.000 IE, also 2 Kapseln) oder Plazebo Kapseln geschickt, die sie 1x monatlich einnehmen sollten. Ergebnis: Die Krebsinzidenz betrug in dieser Zeit 6.5% unter Vitamin D und 6.4%, unter Plazebo (n.s.).

Abbildung 1 aus Lit. 1 zeigt dieses Ergebnis

Kommentar

Dieses Resultat reiht sich in die lange Liste von negativen Resultaten ein, die in den letzten Jahren mit Vitamin D in randomisiert-doppelblinden Studien (RCT´s) erzielt wurden, im Unterschied zu früheren epidemiologischen oder Querschnittsuntersuchungen, bei denen positive Assoziationen gefunden worden waren. Die Dosis von monatlich 100.000 IE wurde auf Grund pharmakokinetischer Studien gewählt, die gezeigt hatten dass damit auch nach 1 Monat noch die Serum-Vitamin D-Spiegel über 35 ng/ml liegen. Monatlich 100.000 IE entsprechen in etwa einer täglichen Vitamin-D – Zufuhr von 3000 – 3500 IE. Freilich kann man jetzt einwenden, wie es bei negativen Ergebnissen mit Vitamin-D fast immer geschieht, dass man andere Ergebnisse erzielt hätte, wäre Vitamin-D täglich und in geringerer Dosis gegeben worden (dies diskutieren auch die Autoren selbst). Umgekehrt fordern viele bei negativen Resultaten mit niedrigerer Dosis, diese zu erhöhen, dann würde man schon einen positiven Effekt sehen. Der Referent selbst nimmt eine abwartend-distanzierte Stellung zur Vitamin-D – Problematik ein. Dies tat er auch bei einem Interview mit einer Journalistin der Neuen Zürcher Zeitung. Deren „Blattmacher“ haben dann aber im Titel das Gegenteil von dem postuliert (2,3), was die amerikanische Krankheitspräventionsbehörde (USPSTF) publiziert hatte (4).

Der Referent wartet ebenso wie die gesamte „Vitamin D–Community“ und alle Ärzte auf die Ergebnisse der noch nicht abgeschlossen und ausgewerteten VITAL-Studie (Ende 2018/2019) und der noch laufenden australischen D-Health Study (Ergebnisse 2025).

Helmut Schatz

Literatur

(1) Robert Sacragg et al.: Monthly High-Dose Vitamin D Supplementation and Cancer Risk. A Post Hoc Analysis of the Vitamin D Assessment Randomized Clinical Trial
JAMA Oncol. Published online July 19, 2018. doi:10.1001/jamaoncol.2018.2178

(2) Helmut Schatz: Die Neue Zürcher Zeitung verändert im Titel die Aussage eines wissenschaftlichen Beitrags ins Gegenteil, ohne dass der Autor oder die Interviewpartner dies zur Kenntnis bekommen.
DGE-Blogbeitrag vom 22. Juni 2018

(3) Helmut Schatz: Bewegung, nicht Vitamin D zur Vorbeugung von Stürzen und Knochenbrüchen! Die neuesten Empfehlungen.
DGE-Blogbeitrag vom 18. April 2018

(4) Janelle M. Guirguis-Blake et al.: Interventions to prevent falls in older adults. Updated evidence report and systematic review for the US Preventive Services Task Force.
JAMA online April 17, 2018

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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3 Antworten auf Vitamin D schützt nicht vor Krebs

  1. Dirk sagt:

    Ich finde solche Studien nicht aussagekräftig, alleine schon weil Pillen verschickt wurden, die vermutlich eingenommen wurden(„… die sie 1x monatlich einnehmen sollten“). Ich denke, bei solchen Studien sollten immer auch die ursprünglichen und aktuellen Blutwerte über die Zeit mit einbezogen werden. Dann sieht man vielleicht auch echte Zusammenhänge (oder eben nicht). Dann würde sich daraus auch die Frage erübrigen, ob zu viel oder zu wenig Vitamin D gegeben wurde. Ich glaube auch nicht, dass alle Menschen die gleiche Menge Vitamine benötigen. Auch da fände ich Blutwerte immer aussagekräftiger. Mal abgesehen davon, dass alleine durch Vitamin D sicher nicht jede Art Krebs besiegt werden kann.

  2. Sigrun Merger sagt:

    Das Studiendesign ist eher abenteuerlich, da nicht bekannt ist, bei wie vielen Menschen zu Studienbeginn einen VitD- Mangel hatten, in Neuseeland würde ich erwarten, dass die Zahl der Pat. mit Mangel eher klein ist. Placebo und Kontrollen wurden nicht gematched. Dann ist die Substitutionsmenge sehr hoch und gleichfalls wurden keine Spiegelkontrollen durchgeführt.
    Pathophysiologisch sollte es einleuchten, dass der Effekt von VitD als Hormon wie bei allen Hormonen nur vorhanden ist, wenn ein Mangel besteht und ausgeglichen wird und nicht, wenn eine Unkontrollierte Gabe erfolgt. Auch ist der Beobachtungszeitraum deutlich zu kurz.
    Die VitD-Studien laufen fast alle so ab, daher sind sie alle nicht zu verwerten.

  3. Helmut Schatz sagt:

    Zur Frage „Neuseeland“: Sowohl in Deutschland als auch in Neuseeland liegt die summative jährliche Sonneneinstrahlung zwischen 1000 und 1400 kWh pro Quadratmeter. http:// solargis.com/assets/graphic/free-map/GHI/Solargis-World-GHI-solar-resource-map-en.png

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