Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Bessere Resultate mit Bariatrischer Chirurgie in den Jahren 2003-2012 als zuvor


Bochum, 21. Januar 2014:

Eine neue Metaanalyse der Daten aus 37 randomisierten und 127 Observationsstudien an etwa 160.000 Patienten aus den Jahren 2003-2012 ergab günstigere Resultate als zwei Metaanalysen über Zeiträume vor 2003 (1).

Zwischen den Techniken des Magenbypasses, dem adjustierbaren Magenband und dem Schlauchmagen bestanden Unterschiede: Die Bypasschirugie ergab einen größeren Gewichtsverlust, aber mehr Komplikationen, beim Magenband waren Komplikationen und Mortalität geringer, allerdings war hier die Rate an Reoperationen höher und ein anhaltender Gewichtsverlust geringer. Beim Schlauchmagen, der immer häufiger Anwendung findet, war der Gewichtsverlust mit dem bei Bypass vergleichbar, aber größer als beim Magenband. Die endoskopischen Operationen nahmen im Vergleich zur Laparatomie zu. Insgesamt war fünf Jahre nach bariatrischem Eingriff der Body Mass Index (BMI) von im Mittel 46 auf 29-35 kg/m2 abgefallen.

Die Rate an Komplikationen und unerwünschten Nebenwirkungen, die zu einer Krankenhausaufnahme führten, wird als angemessen („reasonable“) angesehen. Sie lag bei 10-15 %. Dies waren Dehydrierungen, Übelkeit, Erbrechen, Blutungen, Reflux, gastrointestinale Symptome, Ernährungs- und Elektrolytstörungen sowie Erosionen und Verrutschen des Bandes. Die gefürchtetste Komplikation, eine Leakage lag unter 2%. Erwartungsgemäß waren Komplikationen bei den aufwendigeren Techniken der biliopankreatischen Diversion und dem Roux-en-Y-Bypass häufiger. Die Reoperationsrate betrug 7%. Die Mortalität war in den randomisierten Untersuchungen niedriger als in den Observationsstudien, vielleicht deshalb, weil die Beobachtungsstudien längere Zeiträume erfassten. Sie betrug bei den randomisierten Untersuchungen in den ersten 30 Tagen nach Operation 0.08%, ab 30 Tagen 0.31%, während sie in den Observationsstudien bei 0.22 bzw. 0.35% lag.

Kommentar des Referenten

Mit zunehmender Erfahrung werden die Resultate der Bariatrischen Chirurgie besser. Dies gilt vor allem für den Gewichtsverlust mit seinen vielfältigen günstigen Auswirkungen, etwa auf den Blutdruck oder auf eine bestehende Schlafapnoe, aber auch auf die Lebensqualität. Inwieweit die initialen, oft frappierend guten Stoffwechseleffekte der deshalb von manchen als „Metabolische Chirurgie“ bezeichneten Techniken anhaltend sind, muss abgewartet werden. Es ist zu bedenken, dass beim Typ-2-Diabetes der angeborene Betazelldefekt mit zu einem Wiederauftreten des Diabetes führen kann oder wird, wie sich in längeren Nachbeobachtungszeiträumen schon gezeigt hat. Die Komplikationsrate einschließlich der Mortalität des Eingriffs geht jetzt offenbar deutlich zurück. Somit kann man hoffen, dass das Hinausschieben bzw. der Zeitraum bis zum Wiederauftreten eines Diabetes mit dann weniger diabetischen Folgeerkrankungen die Nachteile bzw. Komplikationen der Bariatrischen Chirurgie überwiegt und sich auch bei Diabetes eine positive Nutzen-Risikorelation ergeben wird (2).

Helmut Schatz

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Literatur

(1) Su-Hsin Chang et al.; The effectiveness and risks of bariatric surgery. An updated systematic review and meta-analysis, 2003-2012.
JAMA Surgery published online December 18, 2013. doi:1.1001/jamasurg.2013.3654

(2) Helmut Schatz: Bariatrische Chirurgie im Vergleich zu medikamentöser Therapie bei übergewichtigen Typ-2-Diabetespatienten.
DGE-Blogbeitrag vom 2. April 2012

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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