Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Beloranib, ein neuer Ansatz zur Therapie der Fettsucht: Beeinflussung des Fettstoffwechsels in der Körperperipherie, nicht von Gehirnzentren


Bochum, 28. August 2013

Beloranib hemmt das Enzym Methionin-Aminopeptidase-2 (MetAP2), ein Schlüsselenzym bei der Bildung und dem Verbrauch von Fettsäuren. Studien an Adipösen zeigten einen erheblichen Gewichtsverlust ohne Änderung im Lebensstil und ohne ernste Nebenwirkungen (1).

Beloranib ist ein Analog des komplexen Biomoleküls Fumagillin, welches im Schimmelpilz Aspergillus fumigatus vorkommt. Es bewirkt verminderte Fettneubildung und gesteigerte Fettverbrennung. Ursprünglich war die Substanz als Angiogenese-Hemmer für die Krebsbehandlung gedacht. Seit dem Bekanntwerden seiner Anti-Obesitas-Eigenschaften wird es von der Firma Zafgen, Cambridge, Massachusetts (2) zur Fettsuchttherapie weiterentwickelt. Zafgen hat Beloranib von der südkoreanischen Antibiotika-Firma Chong Kun Dang Pharmaceutical Corp. einlizensiert.

Die beiden im letzten Jahr in den USA zugelassenen Anti-Obesitas-Medikamente Belviq™ (Lorcaserin, (3)) und Qsymia™ (Phenteramin + Topiramat, (4)) setzen zentral in Hypothalamus an. Sie haben erhebliche Nebenwirkungen, die Erwartungen der Herstellerfirmen Arena bzw. Vivus wurden bei weitem nicht erfüllt. Ende 2014 wird in den USA für die Obesitas-Therapie auch die Zulassung von Liraglutid erwartet, bei welchem Bedenken wegen Pankreatitis und Schilddrüsenkarzinom bestehen. Im Unterschied zu diesen Substanzen hat Beloranib (ZGN-440) bisher keine ernsten Nebenwirkungen gezeigt. Es wurden Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen beobachtet (1,5,6). Beloranib wird s.c. injiziert.

Kommentar

Ein amerikanische Arzt, befragt zu den bisherigen Daten, sagte: „Maybe it´s too good to be true“. Mit der höchsten geprüften Beloranib-Dosis fand man nach 12 Wochen eine Gewichtsabnahme von 10 kg, unter Beibehaltung des bisherigen Lebensstils, also bei unverändertem Ess- und Bewegungsverhalten. Es wurden auch positive Effekte auf kardiovaskuläre Risikofaktoren wie LDL-Cholesterinabsenkung und Inflammationsverminderung beobachtet. Die ehrgeizigen Pläne der Firma Zafgen gehen sogar so weit, daß Beloranib in Konkurrenz zur bariatrischen Chirurgie treten solle. Gegenüber diesem Enthusiasmus ist gewiß Zurückhaltung angebracht. Sollte Beloranib auf den Markt kommen, so wäre das wohl nicht vor 2018-2019.

Helmut Schatz

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Literatur

(1) Esha Dey: New entrant in obesity drug race targets body, not mind.
REUTERS Health Information.
http://www.medscape.com/viewarticle/810002_print

(2) Zafgen: Beloranib.
http://zafgen.com/zafgen/our-approach/beloranib

(3) Helmut Schatz: Gute und weniger gute Nachrichten im Kampf gegen Adipositas und Diabetes.
DGE-Blogbeitrag vom 5. Juli 2012

(4) Helmut Schatz: Fettsuchtmedikament Qsiva von EMA erneut abgelehnt.
DGE-Blogbeitrag vom 19. März 2013

(5) ClinicalTrials.gov: http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01507077

(6) ClinicalTrials.gov: http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01666691

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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