Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

„Ein Schatz für die Nachwelt“


Ein satirischer Blick über den Tellerrand

Bochum, 10. Juli 2020: 

Im Sportteil der heutigen Ausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) fühlte ich mich durch die Überschrift: „Ein Schatz für die Nachwelt“ (1) – verständlicherweise – angesprochen, zumal dieser Titel ähnlich dem war, welchen der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie für die Glückwunschadresse zu meinem 80. Geburtstag gewählt hatte: „Ein großer Schatz der DGE“ (2).

Im Sportteil der WAZ wird über das dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund von seinem Enkelsohn überlassene Trikot von Helmut Rahn berichtet, dem Siegestorschützen beim „Wunder von Bern“ bei der Fußballweltmeisterschaft 1954. Es trägt, wie geschrieben wurde, noch Flecken vom Aufprall das verschmutzen Balles am vorderen Brustteil und auch sonst noch tragebedingte Verfärbungen. Da fiel mir spontan das Schweißtuch der Veronica ein.

Da ein vergleichender Artikel über die Verhaltensweisen und Gebräuche religiöser und fußballbegeisterter Menschen nicht unproblematisch ist, habe ich für die Kommentierung des  WAZ-Artikel die Form einer Satire* gewählt.                                                                                         

Reliquien – wie sich religiöse und weltliche Riten gleichen

Im Christentum verehrt man das „Schweißtuch der Veronika, das „Sudarium Christi“ mit den schweißig-blutigen Spuren des Antlitzes von Jesus Christus, welches in Rom in einem der Vierungspfeiler des Petersdoms aufbewahrt wird. Im heutigen Deutschland entspricht diesem das nun in Dortmund schaugestellte  fleckige Trikot von Helmut Rahn, dem Torschützen beim „Wunder von Bern“ 1954. Es kann im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund betrachtet werden, so ehrfürchtig wie bisher schon der in pures Gold gefasste Fußballschuh vom linken Schußbein Helmut Rahns, mit dem er den Siegestreffer erzielte.

Religiöse Reliquien wie Holzstückchen, mutmaßlich vom Kreuz Jesu Christi stammend, Fingerknöchelchen, Kleidungsteile oder auch die Leichname von vorbildlichen, als Heilige verehrten Menschen finden sich in allen Hauptkirchen der Welt, nicht nur in den christlichen wie den orthodoxen, katholischen, anglikanischen, methodistischen und manchen anderen protestantischen Kirchen, sondern auch etwa im Buddhismus und schiitischen Islam. Sie werden  in Seide und Gold gefaßt oder in vergoldeten, reich mit Email und Edelsteinen verzierten Behältnisse und Särgen aufbewahrt. So sieht man im Dom zu Köln in der Apsis den Sarkophag mit den Heiligen Drei Königen oder findet im Aachener Domschatz den Leichnam von der frühchristlichen Märtyrerin Sankt Corona (3).

Requisiten von Fußballern, weltliche Reliquien, kann man auch in Gold gefasst  im Dortmunder Museum sehen. Den Heiligenbildern in Kirchen entsprechen die  Porträts von Fußballern in allen Positionen. Ein vergoldeter Fußball mit Spielerunterschiften wird gleich nach dem Eingang in einem riesigen Rondell von allen Seiten wie eine Hostie in einer Monstranz angestrahlt und von den Besuchern ehrfurchtsvoll bestaunt. All dies führt dazu dass das Dortmunder Fußballmuseum von Vielen als der „Hohe Dom der Deutschen“ bezeichnet wird, wie der Referent (H.S.) schon in seinem Blog zu Weiberfastnacht 2019 geschrieben hat:  „Schräge Gedanken über die Kathedrale des Deutschen Fußballs – Helau und Alaaf!“ (4).

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* Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typische Stilmittel der Satire sind die Übertreibung als Überhöhung oder die Untertreibung als bewusste Bagatellisierung bis ins Lächerliche oder Absurde“ (aus Wikipedia).

Helmut Schatz

Literatur

(1) Westdeutsche Allgemeine Zeitung: „Ein Schatz für die Nachwelt“.
Sportteil vom 10. Juli 2020

(2) Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie: „Ein großer Schatz der DGE“.
DGE-Blogbeitrag vom 7. Oktober 2017

(3) Helmut Schatz: COVID-19, Coronavirus, Sankt Corona – und Quarantäne.
DGE-Blog vom 1. Mai 2020

(4) Helmut Schatz: Der „Hohe Dom“ der Deutschen. Schräge Gedanken über die „Kathedrale des Deutschen Fußballs“.
DGE-Blogbeitrag zu Weiberfastnacht vom 25. Februar 2019

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf „Ein Schatz für die Nachwelt“

  1. Dr. med. Vinzenz Hinteregger sagt:

    Nach dem Bericht in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung ging ich, wie schon oft, in das Dortmunder Fußballmuseum, um mir das Trikot von Helmut Rahn anzusehen. Auf der Vorderseite des Trikos konnte ich keinen sicheren Ballabdruck erkennen, wohl aber war es auf der rechten und hinteren Seite fleckig- bräunlich verfärbt. Seit dem DGE-Blog vom vorigen Jahr, der von einer lebhaften und informativen Diskussion gefolgt war, wurde die Ausstellung neu geordnet. Die „Helden von Bern“ sind nun sofort bei Eintritt im 1. Stock zu sehen; es fehlen einige der vorher gezeigten Requisten, etwa der Roller-Sturzhelm eines der 11 Kicker. Das Sparwasser-Tor zum 1:0 – Sieg der DDR über die BRD ist jetzt nicht mehr „versteckt in einer Schublade“, sondern etwas besser sichtbar im Seitenschiff der Fußballkathedrale, aber auch „hinter der Mauer“. In der Vitrine des FC Schalke 04 fand ich keinen Hinweis auf den 3:4-Verlust der (Groß-)Deutschen Fussballmeisterschaft gegen Rapid Wien.

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