Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Golimumab, ein Antikörper gegen den Tumor-Nekrose-Faktor alpha bei frisch diagnostiziertem Typ 1-Diabetes


Bochum, 2. Januar 2021

Schon viele Jahre wird nach einer Reduktion der  Progression eines Autoimmun- (Typ-1)-Diabetes gesucht. Ein Durchbruch wurde bisher leider nicht erzielt. Ob dies mit dem Tumor-Nekrose-Faktor-alpha  (TNF-alpha) Golimumab gelingen wird ? Für andere Autoimmunerkrankungen wie etwa Rheumatoide Arthritis ist Golimumab bei Erwachsenen und auch bei Kindern bereits zugelassen (1,2).

Die Ergebnisse der vorliegenden Phase-2-Studie mit Golimumab bei kindlichen  und jugendlichen Typ-1 – Diabetespatienten wurden auf dem virtuellen Kongress der Europäischen Diabetesgesellschaft (EASD) am 22.  September 2020 vorgetragen (3). Im DGE-Blog vom 26. September 2020 erfolgte darüber ein Bericht (4). Gemäß dem Titel des Abstracts der Präsentation sollte durch Golimumab die „Betazellfunktion präserviert werden, mit Reduktion des Insulinbedarfs und der Hypoglykämien“ (3). Am 19. November 2020 erschien die vollständige Arbeit im New England Journal of Medicine mit etwas differierenden Angaben (5).

Methodik und Ergebnisse

Es wurden 84 Patienten, 6-21 Jahre alt,  mit kürzlich diagnostiziertem Typ-1 – Diabetes im Verhältnis 2:1 randomisiert: 56 erhielten Golimumab, 28 Plazebo. Nach 52 Wochen war  die C-Peptid – Fläche (AUC) in einem 4h- Toleranz-Test nach gemischter Mahlzeit signifikant unterschiedlich:  0.64 +/- 0.42 pmol per milliliter (Verum) vs. 0.43 +/- 0.39 pmol per milliliter ( Plazebo). Der HbA1c-Wert war nicht verschieden.  Die „Teilremission-Antwort“ (Definition siehe Lit. 3) betrug  43% bzw. 7%. Die mittlere Hypoglykämierate war aber nicht unterschiedlich, also nicht vermindert, die Anzahl von Hypoglykämien, die als unerwünschte Ereignisse registriert wurden, lag unter Golumimab sogar bei 23%, bei Plazebo bei 7%.

Antikörper gegen Golimumab fand man bei 30 Verum-Patienten, bei 29 mit Titern unter 1:1000, darunter bei 12 neutralisierende Antikörper.

Kommentar

Wieso die diskrepanten Angaben zu den Hypoglykämien gemacht wurden? Erfolgte zwischen Abstracteinreichung und Publikation im NEJM eine neue Berechnung nach Neudefinition der Hypoglykämien?

Zu den TNF-alpha-Antikörpern: Mit Etanercept, einem anderen TNF-alpha-Antikörper,  wurde  schon 2009 ein C-Peptid-Anstieg mit einer Verringerung des Insulinbedarfs gefunden (6). Dem Referenten ist seither kein nachhaltig positiver Bericht über Etanercept und Diabetesremissionsreduktion bekannt geworden. Es ist zu hoffen, dass dem jetzt geprüften Golimumab ein (zumindest Teil-) Erfolg beschieden sein wird.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Zhuang Y. et al.: Clin.Ther. 2012; 34:77-90

(2) Leu JH et al.: Rheumatology (Oxford) 2019; 58:441-4466

(3) Quattrin T. et al.: Golimumab preserves beta cell function and reduces insulin use and hypoglycaemia in youth with recently diagnosed type 1 diabetes: the phase 2 T1GER study.
EASD 56th Annual Meeting 2020, Sep. 22., 2020. Oral Presentation No. 53.
https://www.abstractsonline.com/pp8/#!/9143/presentation/655

(4) Helmut Schatz: Neues in der Diabetestherapie.
DGE-Blogbeitrag vom 26. September 2020

(5) Quattrin T. et al.: Golimumab and Beta-Cell Function in Youth with New-Onsetn Type 1q Diabetes.
New Engl. J. Med. 19 November 2020; 383:2007-2017.

(6) Mastrandrea et al.: Etanacerpt treatment in children with new-onset type 1 diabetes: pilot randomized, placebo-controlled, double-blind study.
Diabetes Care 2009; 32:1244-1249

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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